Bad Kissingen
Musik

Liebeslieder am Valentinstag

Beim Sonderkonzert des Kurorchesters im Max-Littmann-Saal kommen nicht nur Verliebte ins Schwärmen.
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Der Tenor Stan Meus zusammen mit dem Kurorchester Bad Kissingen  bei ihrem Konzert "Stolz auf Wien - Zwei Herzen im Dreivierteltakt" im Max-Littmann-Saal am Valentinstag. Werner Vogel
Der Tenor Stan Meus zusammen mit dem Kurorchester Bad Kissingen bei ihrem Konzert "Stolz auf Wien - Zwei Herzen im Dreivierteltakt" im Max-Littmann-Saal am Valentinstag. Werner Vogel
Stolz wäre er gewesen, der "Wiener Charmeur" aus Graz, hätte er erleben können, dass auch fast ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod ein Raunen des Erkennens, ein Aah der Vorfreude, durch den Max-Littmann-Saal geht, wenn eines seiner Lieder angesagt wird. Die Operetten des Robert Stolz sind fast vergessen. Die Melodien daraus und viele seiner Chansons aber sind Evergreens geworden, "Im Prater blüh'n wieder die Bäume", "Adieu, mein kleiner Gardeoffizier" oder "Mein Liebeslied muss ein Walzer sein", gingen um die Welt. Nein, nein, die Operette ist nicht tot. Spektakuläre Inszenierungen, publikumsträchtige Aufführungen auf diversen Freilichtbühnen und opulent ausgestattete Fernsehproduktionen haben das etwas angestaubte Image wieder aufpoliert. Die Melodien zünden selbstredend noch immer und so wurde das Konzert des Kurorchesters mit dem Tenor Stan Meus zu einer zauberhaften Hommage an Operettenseligkeit und Wiener G'schichten. So recht was für Romantiker, für Verliebte, für den Valentinstag.


Souveräne Vorstellung

Am Tag, an dem man sich gerne Blumen schenkt, ein Sonderkonzert mit Melodien von Robert Stolz, das passt, dachten sich die Musiker des Kurorchesters. "Stolz auf Wien" ist das Konzert mit unvergessenen Melodien von Robert Stolz ja überschrieben, und es wird tatsächlich ein stolzer Erfolg. Nicht nur des guten Besuchs, der glückhaften Stimmung wegen, die Stan Meus, als überzeugender Tenor und versierter Erzähler in den Regentenbau zauberte. Stolz können die Musiker auch sein, dass sie sich das Konzert überhaupt zugetraut haben. Immerhin ohne Dirigent, der erst im April seine Stellung in Bad Kissingen antritt, mit einer neuen Geigerin Hsin-Yun Chiang und ohne den erkrankten Trompeter Jürgen Back. Aber wer einen Janos Duda, als vielseitigen ersten Geiger, der das Orchester gewissenhaft vorbereitet in seinen Reihen hat und einen Reinhold Roth, der die Solopassagen der "Frühjahrsparade" mit seiner Trompete völlig souverän alleine bläst, der stemmt die unvorhergesehene Situation eben. Das Publikum merkt von alledem nichts und erlebt ein stimmiges Konzert.


Grandseigneur alter Schule

Nicht zum ersten Mal klappt die Verbindung von Kurorchester mit dem Meininger Staatstheater, das mit Stan Meus einen Tenor in seinen Reihen hat, der nicht nur in Opern und Operetten glänzt
-so im März als Kolomán Zsupán in Gräfin Mariza- sondern sich auch als Liedsänger und Entertainer mit Soloprogrammen einen Namen gemacht hat. Der Robert Stolz Preisträger aus Polen mit dem österreichischen Pass verbindet seine Lieder mit Erinnerungen an Robert Stolz, mit Geschichten, Schnurren und Anekdoten aus einem faszinierenden Musikerleben zwischen zwei Weltkriegen. Wenn Meus -charmanter Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle - Robert Stolz singt, dann nimmt er seine helle Stimme zurück, gerät nie in Versuchung, die Lieder zu überfrachten und erschließt so die Seele Stolz'scher Lieder. Mal die Leichtigkeit: bei "Jung san ma, fesch san ma", dann die Lebensfreude mit : "Die ganze Welt ist himmelblau", oder auch die Schwermut von: "Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen". Einzigartig sein Dialog mit der Violine und dem Klavier bei "Servus Du", wo das "Ich habe Dich so lieb" ziemlich tragisch endet. Wenn Meus Geschichten von leichten Mädchen in den Vorstellungen mit Robert Stolz im Theater an der Wien genüsslich zum Besten gibt, dann legt er sein Manuskript aus der Hand und singt mit Augenzwinkern: "In Wien hab ich einmal ein Mädel geliebt". Wenn er Stolz die Anfänge der Schallplatte erzählen lässt, wo der polnische Tenor, Landsmann Jan Kiepura, eine Rolle spielt und Dirigent Karl Böhm nicht glauben kann, dass "Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde" , aus der Feder von Robert Stolz stammt, dann lässt er doch mal aufblitzen, was seine Stimme vermag.
Es ist spannend, wie Meus die Melodien interpretiert und unvergessene Lieder nachhaltig in die Herzen der Zuhörer bringt. Da drückt Sitznachbar Ulrich Schwarz seiner Gattin bei "Mein Liebeslied muss ein Walzer sein" die Hand und schaut ihr in die Augen.
Und die Damen, denen Stan Meus während seiner Zugabenrunde durch das Parkett eine der langstieligen roten Rosen überreicht, schmelzen dahin , wenn er dazu singt: "Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau'n". So schön ist Valentin im Regentenbau.
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