Bad Kissingen
Förderverein

In 25 Jahren 2,1 Millionen für den Kissinger Sommer

Intendant Tilman Schlömp präsentiert das Programm des Kissinger Sommer und Julian Trevelyan, Luitpoldpreisträger 2017, fasziniert mit Champagnerklängen.
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Beifall für perlende Arpeggien: Luitpoldpreisträger Julian Trevelyan.Werner Vogel
Beifall für perlende Arpeggien: Luitpoldpreisträger Julian Trevelyan.Werner Vogel
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Nein, Anton Schick sen. hat nicht Recht. In diesem Fall nicht. Das ist keine normale Mitgliederversammlung, zu der sich die Mitglieder des Fördervereins Kissinger Sommer im Kurgartencafé zusammenfinden. Sie ist es nie, aber in diesem Jahr schon gar nicht: Delikater Vorspeisenteller zur Einstimmung, Überreichen des Programms - für die Mitglieder eine Hardcoverversion in Rot mit Lesebändchen-, dann ein knapper Rechenschaftsbericht und bevor Intendant Tilman Schlömp das Programm 2018 präsentiert, wird Julian Trevelyan der Luitpold-Preis 2017 für herausragende Leistung beim Kissinger Sommer verliehen.

Der 19-jährige Pianist kommt dafür mal eben aus London herübergeflogen, um den Preis - dotiert mit 5000 Euro - persönlich in Empfang zu nehmen, setzt sich an den Flügel, interpretiert Beethovens D-Dur Sonate op. 79 erstaunlich ideenreich, so gar nicht "facile", wie die Sonatine gern genannt wird und lässt dann den vor hundert Jahren verstorbenen Debussy mit Musik auferstehen, wie sie nicht besser in die Salon-Atmosphäre des Kurgartencafés hätte passen können. Mit herrlich leichten Arpeggien der Etüde 11 "Pour les Arpéges" öffnet Trevelyan musikalisch eine Flasche edlen Champagner. Nein, es ist aus mehreren Gründen keine "normale" Mitgliederversammlung.


Statt Schampus, beeindruckende Zahlen

Eine Magnum Flasche Pommery hätte Anton Schick vor den Augen seiner Mitglieder öffnen können und alle hätten ihm zugejubelt. Was der Verein, zu dessen hartem Kern die Idealisten Hans Ulrich Finger als Stellvertreter, Schatzmeisterin Martha Müller und Hilla Schütze als Schriftführerin in 25 Jahren geleistet haben, ist mehr als beachtlich. Aber vielleicht ist Anton Schick einfach zu bescheiden, um das Jubiläum groß herauszustellen. Die Liebe zur Musik verbindet Vorstand und Mitglieder in ganz beeindruckender Weise, das ist ihre Motivation.

Schulterklopfen entfällt, Schick lässt einfach beeindruckende Zahlen sprechen. Fast 1000 Mitglieder, auch 2017 sind 75 000 Euro an die Stadt als Veranstalter überwiesen worden. Zu den rund 1,8 Millionen Zuschuss zum Festival sind 20x 5000 Euro für die Träger des Luitpoldpreises zur Verfügung gestellt worden und mit der finanziellen Unterstützung des Klavierolymp "sind der Stadt, durch ihre Spenden, liebe Vereinsmitglieder bis heute über 2,1 Millionen Euro zugeflossen. Eine wahrhaft stolze Summe", beendet der Vorsitzende seinen Rechenschaftsbericht.

Oberbürgermeister Kay Blankenburg dankt dem Verein und seinem Vorsitzenden: "Die Fähigkeit zu integrieren, Bewährtes zu erhalten und auch Neuem aufgeschlossen zu sein, wissen wir zu schätzen. Sie tragen dazu bei, dass wir als Stadt mit 24 000 Einwohnern durch den Kissinger Sommer größer scheinen, als wir sind. Ihre Mitglieder sind Botschafter des Kissinger Sommer."


Zeitenwende

Intendant Tilman Schlömp verbindet 100 Jahre nach dem ersten Weltkrieg musikalisch einen Abschied von der alten Welt mit dem Entstehen des jungen Neoklassizismus. So ist das Programm "1918 Aufbruch in die Moderne" sowohl Reminiszenz an die großen spätromantischen Symphonien Dvoráks oder Tschaikowskys, als auch Einblick in die Klangwelt der neuer Musik mit Werken von Strawinsky bis Gershwin. Dabei kommen sowohl Stars als auch Nachwuchskünstler auf die Bühnen. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ist auch in diesem Jahr als Festivalorchester mehrmals zu hören. Artist in Residence ist Ausnahmecellistin Sol Gabetta, bekannt auch als Moderatorin von "Klickklack", der sonntäglichen TV Klassikreihe des BR.
Feste Größen, wie die Bamberger Symphoniker, Grigory Sokolov, Arcadi Volodos oder Daniel Hope, kommen wieder und auch Percussionist Martin Grubinger ist dabei . Spannung verspricht das Konzert des weltbekannten Artemis Quartetts nach dessen Sabbatical in 2017. Ein Brahms Zyklus ist dabei und der Musikszene der baltischen Staaten wird 100 Jahre nach ihrer Unabhängigkeit 1918 Platz eingeräumt. Einige Stücke erklingen, die eigens für den Kissinger Sommer produziert wurden, das Zukunftslabor darf sich wieder versuchen und mit der KissSalis Therme, dem Innenhof des Luitpoldbads sowie der Stadthalle in Bad Neustadt werden drei neue Spielstätten ins Programm genommen.

Ein weiterer Bericht zum Kissinger Sommer 2018 folgt.
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