Als Naturerlebnisregionen erster Güte bezeichnet die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf die Naturparke im Freistaat. Ein Juwel darunter sei der Naturpark Rhön. Mit einem Festakt feierte der Park jetzt an der Musikakademie in Hammelburg 50. Geburtstag.
Zahlreiche Vertreter der angeschlossenen 41 Kommunen, der beteiligten Verbände aus den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld, zusammenarbeitenden Behörden und Ehrenamtliche feierten mit. "Naturparke sind Laboratorien, in denen wir ganz praktisch erproben, wie sich Naturschutz und Entwicklung verbinden", fügte Ministerin Scharf als Festrednerin an. Ein Drittel des Freistaates sei Teil eines Naturparkes. Das Land der offenen Fernen begeistere Einheimische wie Gäste. "Das liegt auch an den Menschen, die sich hier engagieren", lobte Scharf. In Zeiten, in denen der erhobene Zeigefinger nicht mehr so gut ankomme, seien die Naturerlebnisse unverzichtbar. Dabei verwies sie auf die Schaffung einer Koordinationsstelle zwischen allen bayerischen Naturparks im Altmühltal. Der Naturpark Rhön glänzt mit einem breiten Spektrum an Lebensräumen zwischen der hohen Rhön mit montanem Bergklima und dem begünstigten Saaletal. Rund 3400 Kilometer Wanderwege, 1300 Kilometer Radwege und 160 Kilometer Loipen tragen zur Erschließung bei.


Gründer bewiesen Weitsicht

Der Vorsitzende des Trägervereins für den Naturpark, Landrat Thomas Bold, würdigte die Weitsicht der Gründer des 35. deutschen Naturparkes 1967, als man noch gar nicht genau gewusst habe, was auf einen zukommt. Bewährt habe sich die Angleichung der Gebietskulissen von Naturpark und Biosphärenreservat im Jahr 2014.
Bold forderte die Schaffung eines eigenen Doppelhaushaltes für das Biosphärenreservat und einen interdisziplinären Ansatz unter Einbeziehung von Bildung, Gesundheit, Tourismus und Wirtschaft. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Erhöhung der Mittel für das Reservat nicht mit einer Bürokratisierung einhergehe. Die Anregung für einen eigenen Haushalt für das Biosphärenreservat nehme sie gerne mit, versicherte die Umweltministerin.
Ausdrücklich dankte Bold den Ehrenamtlichen des Rhönklubs, für die Pflege und Beschilderung der Wanderwege sowie den Mitarbeitern der Naturpark-Bauhöfe in den beiden Landkreisen. Bürgermeister Armin Warmuth hob die Vielfältigkeit der Landschaft zwischen dem 200 Meter tiefen Saaletal und der 900 Meter hohen Rhön hervor.
Das Thema Nationalpark spielte auch eine Rolle. Landrat Thomas Habermann (Rhön-Grabfeld) nutzte den Festakt fast schon für philosophische Gedanken. Einen kleinen Teil der Rhön sich selbst zu überlassen, mache Sinn, wenn man bereit sei, tatsächlich auf etwas zu verzichten und nicht schon wieder einen Wachstumsgedanken im Hinterkopf zu haben. Habermann würdigte die Unterstützung des Freistaates für den Naturpark, ohne die der Tourismus nicht so einen Aufschwung genommen hätte. Als Beispiel nannte er jährlich 150 000 Besucher auf dem Aussichtsturm am Schwarzen Moor. Gut könnten die beiden Landkreise damit leben, dass sie an der Finanzierung beteiligt sind. Dies stärke die Identifikation mit dem Projekt. Als nahes Zukunftsziel nannte Habermann die Schaffung einer Ladestruktur für Elektroautos und Nutzung solcher Fahrzeuge durch die Mitarbeiter. Beim Einzug der Ehrengäste hatten etwa 20 Gegner gegen die Schaffung eines Nationalparkes Rhön demonstriert. In den Reden spielte dieses Thema nur am Rande eine Rolle.
Für Heiterkeit sorgte Thomas Bold, als er einleitend vom Geburtstag des "35. deutschen Nationalparkes" sprach, und gleich darauf gut gelaunt einen freud'schen Versprecher nicht ausschloss. Glückwünsche zu dem Jubiläum kamen auch vom Versorgungsschiff Rhön der Bundesmarine, das seit 1977 Pate des Naturparks ist. Bold übermittelte Grüße von Kapitän Egon Rhauwiek. Wolfgang Dünnebier