Denkmalschutz

Lebendiger Dorfmittelpunkt

In Hassenbach ist aus dem Zusammenwirken von Gemeinde und privater Initiative eine vorbildliche Dorfmitte entstanden.
Schmuckstück: Das Hassenbacher Gemeindehaus Werner Vogel
 
von WERNER VOGEL
Für Bayerns obersten Denkmalschützer, Professor Mathias Pfeil aus München, ist Hassenbach ein Mut-Macher für die Denkmalpflege: Hier ist aus der ehemaligen Kaplaneiwohnung ein vielgenutztes, attraktives Gemeindehaus als Hort für das Dorfleben entstanden, aus dem denkmalgeschützten ehemaligen Wohnhaus des königlichen Forstwarts in der Nachbarschaft, ein Musterbeispiel für modernes Wohnen in alter Bausubstanz . Beide historischen Gebäude ergänzen sich, sind zu einem Ensemble für Gemeinsinn in der Dorfmitte geworden. Das beeindruckt den Landeskonservator und er definiert: "Heimat ist, wo es anders aussieht wie überall".
Oberthulbas Bürgermeister Gotthard Schlereth fächert nach einem Rundgang durch das kleine Museum im Gemeindehauses die Geschichte dieses kommunalen Denkmalprojekts auf und findet in der guten Stube des Hauses in Mathias Pfeil, Christian Schmidt von der fränkischen Dienststelle des Denkmalamts in Schloss Seehof, Landrat Thomas Bold und den Nachbarn Sabrina und Dr. Joachim Hepp aufmerksame Zuhörer.


Kaplaneihaus wird Gemeindehaus

Nach der 700-Jahrfeier von Hassenbach 2003 war der Wunsch laut geworden, Veranstaltungsräume für die Ortsgemeinschaft zu schaffen, nachdem das letzte Gasthaus geschlossen war. Der Erlös der Feierlichkeiten sollte dafür Verwendung finden. Schlereth erinnert sich: Als Dr. Annette Faber vom Landesamt für Denkmalpflege fragte, ob er sich vorstellen könne, das Gebäude als Gemeindehaus herzurichten, stellte er die Gegenfrage: "Wenn Sie sich vorstellen können, das Projekt großzügig zu unterstützen". So wurde aus dem ehemaligen Kaplaneihaus das ortsbildprägende Gemeindehaus, entstand eine Heimat für die Vereine, mit einem Museum für erlebbare Dorfgeschichte und ein lebendiger Dorfmittelpunkt. "Dass auch noch ein zweites prägnantes Gebäude unmittelbar daneben vor dem Verfall gerettet werden konnte, davon kann ein Bürgermeister eigentlich nur träumen".


Forsthaus wird modernes Wohnhaus

Die Geschichte dazu: Einen Steinwurf weiter wohnte Sabrina Hepp. Das markante "Forsthaus", wie es in Hassenbach heißt, mit dem verwunschenen Garten war irgendwie ein Sehnsuchtsort für sie und 2010 reifte der Entschluss, das arg ramponierte Gebäude zu erwerben. Mit ihrem Mann Joachim Hepp wurde das denkmalgeschützte Haus mit viel Idealismus über mehrere Jahre aufwändig restauriert. Sprossenfenster, alte Fußböden, Geländer, Türfüllungen und Stuck blieben erhalten, moderne Technik und zeitgemäßer Komfort kamen dazu. Es entstand ein eindrucksvoller Beweis, wie ein Haus aus dem 17. Jahrhundert jung bleibt und zusammen mit dem hergerichteten "Klostergarten" zur "Wohlfühl-Oase" werden kann. "Bewerben Sie sich doch für den Bayerischen Denkmalpreis, Frau Hepp", ermuntert Mathias Pfeil, nach dem Rundgang durch Hof, Garten und Wohnhaus der Familie. "Mal sehen", meint Sabrina Hepp. "Vom Bezirk wurden wir schon ausgezeichnet und im "Servus Magazin" ist eine achtseitige Reportage über unser Haus erschienen".


Ensemble wird zum Dorfmittelpunkt

"Zusammen mit dem Gemeindehaus ist eine außergewöhnliche Dorfmitte entstanden, die das Zusammenleben vorbildhaft befruchtet", bestätigt Landrat Thomas Bold den Denkmalschützern und Dr. Hepp, der in Oberthulba die Landarztpraxis führt, ergänzt: Es gibt keine Zäune zwischen den Anwesen und unser Gewölbekeller wird auch von den Vereinen genutzt. "Ich lebe gern auf dem Land. Auf die Menschen zugehen können, das ist Lebensqualität."
"Gegenüber ist das Backhaus", beschreibt Bürgermeister Gotthard Schlereth die Situation, "bei Festen wird die Straße von beiden Seiten gesperrt und das gesamte Areal ist ein heimeliger Festplatz. "Es gibt Möglichkeiten zu leben, die hat man in der Stadt nicht", bewundert der Generalkonservator das harmonische Miteinander. "So ist Denkmalpflege richtig verstanden", und die Zuschüsse staatlicher Stellen für ein zukunftsweisendes Projekt gut angelegt, meint der Landeskonservator zum Abschluss der Denkmaltour und nimmt aus Hassenbach mit: "Menschen organisieren sich, wenn es bei ihnen nicht so aussieht wie überall."
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