Hammelburg
Wanderung

Frankenwein vs. neuseeländischer Wein

Susanna Fella erzählt bei einer Führung durch die heimischen Reblagen von ihren Erlebnissen in neuseeländischen Anbaugebieten.
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Susanna Fella erklärt, wie ein Weinberg bearbeitet wird. Foto: Winfried Ehling
Susanna Fella erklärt, wie ein Weinberg bearbeitet wird. Foto: Winfried Ehling
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Sind die Zeiten, in denen der Frankenwein - zumindest in heimischer Region - die absolute Hausmacht darstellte vorbei? Zwar sind Müller-Thurgau, Silvaner und Bacchus immer noch das Credo bei den Weinfranken, doch drängen neue Rebsorten auf den Markt, die am Thron der typischen Frankenweine sägen.

Immer häufiger stehen kalifornische, neuseeländische und australische Weine in den Regalen der Märkte. Die junge Winzergeneration aus Franken will sich aber nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und fragt sich: "Was machen die Weinbaubetriebe in den genannten Ländern anders - oder vielleicht besser?" Die jungen Winzer tun das, was ihren Vätern nie eingefallen wäre: Sie schauen bei Weiterbildungsreisen und Praktika den Produzenten auf die Finger.

Davon kann Susanna Fella erzählen, die vor sechs Wochen aus Neuseeland zurückkehrte, wo sie sieben Monate auf verschiedenen Weingütern gearbeitet hatte. Von ihren Erfahrungen berichtete sie nun bei einer Weinbergsführung im Ofenthal.

Die 30-jährige Weinbautechnikerin aus Wartmannsroth räumte die enorme weinbautechnische Entwicklung in Neuseeland ein. "In der Provinz Marlborough auf der Südinsel explodierte diese Entwicklung förmlich auf rund 24 000 Hektar, dem Vierfachen dessen, worüber die heimischen Winzer verfügen", sagte sie bei der Führung.

Der zweite gravierende Unterschied ist die Bewirtschaftung. Als 2012 der Boom mit Schwerpunkt auf dem Vinothekenbau und Export losging, kamen Unternehmens- und Investmentgesellschaften ins Spiel. "Die riesigen Flächen - meist eben gelegene Weingärten - erlauben drei Meter Zeilenabstand und können rationell bearbeitet werden. Die Kellereien sind weit weg und gleichen Industriegebieten. Es gibt nur noch wenige Familienbetriebe", gab Fella ihre Eindrücke wider.

Der Sauvignon blanc gedeiht besonders gut und hat einen grasigen Geschmack nach grünem Paprika und Zitrus. "Das liegt an der heißen Sonne und dem kräftigen Wind, der immer weht", sagte Fella. Sie ließ die Gäste den neuseeländischen Wein verkosten - allerdings auch einen in Franken angebauten Wein dieser Sorte.

Den Vergleich durfte der Frankenwein klar für sich verbuchen. "Der Neuseeländer schmeckt wie eine verdünnte Weinschorle", urteilte Annette aus Euerdorf und gab damit die Meinung der meisten Weinwanderer wider. Trotzdem: Weine dieser Prägung liegen im Trend, besonders in Australien, England und USA.

Die Rebsortenvielfalt ist im fernen Land beschränkt, die Arbeit wie zum Beispiel die Weinlese übernehmen Lohnfirmen, die Weingärten sind eingezäunt aber immer gut bewässert. Hier können die Winzer in Neuseeland auf einen großen Vorteil zurückgreifen: Die Leitungen und die Bewässerung der Flächen müssen sie nicht bezahlen, denn das erledigt der Staat. Auch verfügt jede Fläche über einen Stromanschluss und ein Windrad, das zum Schutz vor dem Frost die Luft verwirbelt.

Enttäuscht zeigte sich die Gästeführerin vom Riesling am anderen Ende der Welt. "Sein Geruch nach Oxidation schreckt Frankenweintrinker ab, obwohl der Geschmack akzeptabel ist", schilderte Susanna Fella.

Grau- und Spätburgunder sind in kleineren Mengen zu finden, gehaltvolle Rotweine gedeihen eher auf der Nordinsel des Landes. Gespritzt wird viel Schwefel. "Vielleicht gibt es eine Obergrenze, doch das kontrolliert keiner. Gegen einen schlechten Jahrgang helfen Zucker und Aromen", fügte sie etwas spöttisch hinzu.

Weinbau - in Franken Tradition und häufig Familiengeschichte - ist in Neuseeland an Geld gekoppelt. Eine der Ausnahmen ist das viertgrößte Weingut des Landes, das drei Brüder aus Deutschland fast "nach alter Väter Sitte" bearbeiten. Natürlich verfügen die Weingüter mit den zahlreichen Vinotheken, die sich wie Perlen einer Kette aufreihen, auch über qualitativ hochwertige Weine. Doch diese sind nur für einen hohen Preis zu haben.

Die Nachfrage für das Produkt aus dem Pazifikraum hielt sich bei der Verkostung und einer Videovorführung oberhalb der Fläche der Familie Ruppert in Grenzen. ,Eine Ehepaar aus Münster meinte: "Wir wollten die Saaletal-Region kennenlernen. Schon deshalb bevorzugen wir den heimischen Wein, der uns schmeckt."
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