Schaeffler

Weg für Schließung des Schaeffler-Werkes Elfershausen frei

Geschäftsleitung und Betriebsrat haben sich geeinigt. 180 der 265 Mitarbeiter kommen in Schweinfurt unter. Dazu ein Kommentar am Ende des Textes.
Monatelang haben die Mitarbeiter für den Erhalt des Schaeffler-Werkes Elfershausen gekämpft, nun steht die Schließung fest.  Foto: Ralf Ruppert
 
von ARKADIUS GUZY RALF RUPPERT
Spätestens nach der Betriebsversammlung in der vergangenen Woche hatte sich abgezeichnet, dass die Schließung des Schaeffler-Werks nicht mehr abzuwenden ist. Seit gestern scheint es amtlich: Das Unternehmen teilte offiziell mit, dass sich Geschäftsleitung und Betriebsrat auf die Eckpunkte für Interessensausgleich und Sozialplan für die 265 Beschäftigten geeinigt haben. Damit ist der Weg frei, das Werk zum Jahresende dicht zu machen.

Am Donnerstag hatten Arbeitnehmer und Arbeitgeber verhandelt. Es sei eine lange Gesprächsrunde gewesen. Sie dauerte von 8 Uhr bis kurz nach 20 Uhr, erklärte Thomas Höhn, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt, am Freitag. Grundlage waren die Forderungen aus dem Abschlussbericht des Mediationsverfahrens. Für die Arbeitnehmervertreter war es vor allem wichtig, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommt.


Vergleichbare Arbeitsplätze

Als einen Knackpunkt der Verhandlungen bezeichnete Höhn die Forderung, dass die Elfershäuser Belegschaft in Schweinfurt vergleichbare und zumutbare Arbeitsplätze bekommen solle - was Schaeffler letztlich laut Höhn zusicherte. Mediatorin Susanne Kastner hatte in ihrem Abschlussbericht auch eine Einmalzahlung vom Unternehmen verlangt, um die Mehrarbeit der vergangenen Jahre - in Elfershausen galt seit 2006 die 40- statt der 35-Stundenwoche - auszugleichen. "Da sind wir bei den Arbeitgebern auf Granit gestoßen", erklärte Höhn. Allerdings habe es zumindest ein symbolisches Zugeständnis gegeben: In Elfershausen gelten rückwirkend seit dem 9. November 2016, an dem der Konzern die Schließung verkündet hatte, wieder die 35 Stunden. Damit sei der einstige Standortsicherungsvertrag abgelöst. Nach Höhns Einschätzung haben die Arbeitnehmer angesichts der bevorstehenden Werksschließung das herausgeholt, was maximal möglich war. Er lobte den Einsatz des Betriebsrats und der Belegschaft. Diese habe mit Stolz zu ihrem Werk gestanden.


"Für beide Seiten akzeptabel"

In einer Mitteilung des Schaeffler-Konzerns ist von fairen und konstruktiven Verhandlungen die Rede. Das Ergebnis sei ein "für beide Seiten akzeptabler und tragfähiger Kompromiss": "Das Paket sieht ein breites Spektrum sozialverträglicher Kompensationsmaßnahmen vor, mit denen wir den Interessen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - soweit wie möglich - entgegengekommen sind", sagte Corinna Schittenhelm, Vorstand Personal und Arbeitsdirektorin der Schaeffler AG.

Dazu gehören Altersteilzeitregelungen, Abfindungen und Fahrtkostenzuschüsse. Für alle Mitarbeiter, die entweder nach Schweinfurt wechseln oder eines der Angebote annehmen, schließt Schaeffler betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahresende aus. Mit der Verlagerung solle auch der Standort Schweinfurt gestärkt werden.
"Das ist bitter für uns", kommentiert Karlheinz Kickuth (SPD), Bürgermeister des Marktes Elfershausen, die Entscheidung. Der Gemeinde gehe unter anderem rund ein Viertel der Gewerbesteuereinnahmen verloren. "Jetzt geht es darum, wieder Gewerbe am Standort anzusiedeln, wir brauchen hier Arbeitsplätze", kündigte Kickuth an, Gespräche mit Schaeffler und dem Wirtschaftsministerium führen zu wollen.

Als "schweren Schlag für den Markt Elfershausen und den Landkreis Bad Kissingen" bezeichnet Landrat Thomas Bold (CSU) die Schließung. Wichtig sei, dass möglichst vielen Mitarbeitern ein Arbeitsplatz in Schweinfurt angeboten werde. Auch Bold will "wegen der Nutzung des Grundstücks im Gespräch bleiben".

"Im Industriegeschäft stehen wir vor großen technologischen Veränderungen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unsere Sparte Industrie zukunftsorientiert auszurichten", begründet Klaus Rosenfeld, Vorstandsvorsitzender der Schaeffler AG, die Entscheidung. Als Familienunternehmen wolle man den Mitarbeitern auch in Zukunft sichere und attraktive Arbeitsplätze anbieten.


Dazu ein Kommentar von Redakteur Ralf Ruppert: Eine alte Wurzel wird gekappt

Kugelfischer hat mich als Marke seit meiner Kindheit begleitet: Bereits bei meinem Großvater hing ein Bild vom großen alten Mann Georg Schäfer in der guten Stube, mein Vater setzte diese Tradition später fort. Für die Kinder der Arbeiter gab es Kasperltheater zu Weihnachten und daheim durften wir die Goldmünzen fühlen, die Georg Schäfer persönlich zum Betriebsjubiläum überreicht hatte. Selbst als Kugelfischer von Schaeffler übernommen wurde, blieb es "der Kufi" oder "die Fabrik".

Georg Schäfer stand für eine Unternehmer-Generation mit sozialer Verantwortung, denen der Profit nicht über alles ging. Seine Antwort auf Fachkräftemangel war die Dezentralisierung. Wie zum Beispiel auch die Kleiderfabrik Ferkinghoff in Brückenau kamen damals Betriebe in den Landkreis, weil sie auf die Loyalität und den Fleiß der Menschen hier bauen konnten. Und die Mitarbeiter taten alles, um dieses Vertrauen zurückzugeben, selbst wenn es - wie in Elfershausen - bedeutete, kostenlos fünf Stunden mehr pro Woche zu arbeiten. Der Fall Elfershausen zeigt, dass diese Zeiten endgültig vorbei sind und Gewinn-Maximierung über allem steht.

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