Hammelburg
Weinbau

Trend zum Ökoweinbau im Saaletal

In Frankens ältester Weinstadt interessieren sich immer mehr Winzer für biologische Produktionsmethoden. Dabei kommen selbst Ziegen zum Einsatz.
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Immer mehr Flächen werden ohne Spritzmittel bewirtschaftet.Foto: Nicole Sollfrank
Immer mehr Flächen werden ohne Spritzmittel bewirtschaftet.Foto: Nicole Sollfrank
Eine besondere Flasche Wein kreist am Ende des Abends unter den rund 30 Besuchern und wird mit Genuss geleert. Bei dem Inhalt handelte es sich - passend zu den Vorträgen der Weinbauberater von Bioland und Naturland, Norbert Drescher und Wolfgang Patzwahl - um biologisch erzeugten Rebensaft. Die pilzresistente Rebsorte Cabernet blanc kommt durch Einkreuzung amerikanischer Wildreben ohne jegliche Pflanzenschutzmittel aus.

Der Informationsabend zum Ökoweinbau im Weingut Schloss Saaleck findet auch bei rund 20 konventionell wirtschaftenden Winzern aus dem Raum Hammelburg Lob und reges Interesse. "Wir freuen uns, dass Franken bereit ist für die Umstellung" sagt Thomas Lange vom Weingut Schloss Saaleck. Dies habe auch eine Informationsveranstaltung der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim deutlich gezeigt, erläutert er. Die Öko-Akademie Bamberg bietet gemeinsam mit der LWG breit gefächerte Bildungsangebote im Bereich Biolandbau an.

Das Hauptproblem bei der Umstellung sei das bei allen Menschen mehr oder minder ausgeprägte Bedürfnis nach Sicherheit. "Deshalb müssen wir wieder umdenken", betont Drescher. "Stellen Sie sich einmal vor, es wäre umgekehrt und die biologische Produktion würde von Kindesbeinen an als die ‚normale‘ angesehen - würden Sie dann eine Bewirtschaftung mit chemisch-synthetischen, zum Teil hochexplosiven Düngemitteln als sicher ansehen und darauf umstellen wollen?"

Den ganzheitlichen Ansatz des Ökoweinbaus fasst Klemens Rumpel, Winzermeister im seit 2012 ökologisch wirtschaftenden Weingut Schloss Saaleck, zusammen: Die Umstellung sei mehr als der Ersatz eines Pflanzenschutzmittels durch ein anderes. Insbesondere die richtige Bodenbewirtschaftung sei das A und O für die Pflanzengesundheit und einen langfristig erfolgreichen Weinbau, greift Patzwahl den Gedanken auf. "Wer es richtig und behutsam angeht, kann auch einen seit 30 Jahren ‚normal‘ betriebenen Weinberg innerhalb von zwei Jahren in ein Ökoanbaugebiet verwandeln", zeigt er sich auf Nachfrage eines Winzers überzeugt.

Als Beispiele nennt Patzwahl Bracheperioden, die Auflockerung des Bodens durch Begrünung mit unterschiedlich wurzelnden Pflanzen und sogar den Einsatz von Schafen zur Entblätterug der Reben. "All diese Prinzipien gelten selbstverständlich genauso für die konventionellen Betriebe", betont er. Nur hätten diese eben noch die Möglichkeit, die Folgen einer unsachgemäßen Bodenpflege durch den Einsatz von Kunstdünger zu überdecken.
Viele Winzer denken bereits über eine Umstellung auf Biowirtschaft nach. Für Elmar Wahler aus Westheim ist das noch in diesem Jahr realistisch. "Ich verwende jetzt schon keinen Kunstdünger mehr, und bald werden auch die Spritzmittel bei mir wegfallen", erklärt er. Wahler ist zuversichtlich, dass die Umstellung funktionieren wird: "Ertragseinbußen kann man immer haben, das ist kein spezifisches Problem der Biobranche." Daher hält Wahler den Ökoweinbau auch im Hammelburger Raum für zukunftsfähig. Zunächst strebt er eine EU-Bio-Zertifizierung an, denkt langfristig aber auch über eine Verbandszertifikat nach, etwa bei Bioland oder Naturland.

"Wir sind seit der Umstellung viel zufriedener", strahlt Ulrike Lange vom Weingut Schloss Saaleck. "Das geht schon damit los, dass wir in unserem Weinberg den Feldsalat und die Walderdbeeren ernten, ohne Angst vor giftigen Spritzmitteln zu haben." Auch die Kunden reagierten zufrieden. Finanzielle Gründe hätten bei der Umstellung aber kaum eine Rolle gespielt.

"Die erste Zeit nach dem Wechsel ist natürlich happig", räumt Thomas Lange ein. "Die Trauben sind erst mal kleiner, der Ertrag entsprechend geringer." Dies zahle sich jedoch durch die erhöhte Widerstandsfähigkeit der Früchte sowie die veränderte Geschmacksqualität des Weins aus. Die größere Artenvielfalt im Bioweinberg und der Schutz des Grundwassers sind für Ulrike Lange weitere schlagkräftige Argumente für den ökologischen Anbau. 2015 soll im Weingut Schloss Saaleck der erste verbandszertifizierte Biowein über die Theke gehen.
Ein Patentrezept für jeden? "Sicherlich nicht", erläutert Patzwahl. Eine ökologische Bewirtschaftung, die jegliche Ökonomie und soziale Faktoren wie etwa Überarbeitung außer Acht lasse, sei auch nicht nachhaltiger als ein Ertränken der Weinreben in Spritzmitteln.

Die Reben in Langes Weinbergen am Saalecker Schlossberg dürfen sich diesen Sommer über außergewöhnlichen Besuch freuen: Eine Herde Ziegen soll probeweise zum Entblättern der Reben abgestellt werden, um den Trauben auf diese Weise mehr Licht und Luft zu verschaffen. "Hoffen wir mal, dass die Tiere gut zu unseren Pflanzen sind", merkt Thomas Lange mit einem Schmunzeln an.
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