Elfershausen
Werksschliessung

Schaeffler-Mitarbeiter protestieren für ihre Arbeitsplätze

Der Betriebsrat und IG Metall suchen nach Wegen, den Elfershausener Schaeffler-Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive in der Region zu erhalten .
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Elfershausener Schaeffler Mitarbeiter demonstrierten am Freitag gegen die drohende Werksschließung.  Foto: Heike Beudert
Elfershausener Schaeffler Mitarbeiter demonstrierten am Freitag gegen die drohende Werksschließung. Foto: Heike Beudert
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Rund 120 Mitarbeiter der ersten Schicht im Schaeffler-Werk Elfershausen demonstrierten am Freitag gegen die drohende Produktionsverlagerung und damit gegen die Schließung des Standortes Elfershausen. Mit Plakaten und IG-Metall-Fahnen standen die Mitarbeiter am Werkstor. Ruhig, man könnte sagen, sichtlich gefasst, verfolgten die Mitarbeiter die Ausführungen von Betriebsrat und Gewerkschaft.
Der Betriebsrat hatte die Demonstration kurzfristig angesetzt, nachdem am Mittwoch die Gespräche mit der Schaeffler-Geschäftsführung ergebnislos unterbrochen worden waren. Der Betriebsrat hat nun in Absprache mit der Gewerkschaft, der IG Metall, beschlossen, ein Mediationsverfahren, sprich eine Schlichtung, einzuberufen.
Bei der Demonstration informierten Betriebsratsvorsitzender Michael Walter und der Vertreter der IG Metall, Thomas Höhn, über den aktuellen Stand. Was die Frage des Standorterhalts angehe, "gibt es keinen Millimeter Bewegung seitens des Arbeitgebers", betonte Michael Walter. Auch die Politik komme nicht an die Familie Schaeffler heran.
Bewegung gebe es aber in der Mitarbeiterfrage, erklärte Michael Walter. Hier geht es um Lösungen, den Mitarbeitern ohne betriebsbedingte Kündigungen einen Arbeitsplatz in der Region zu bieten. Die von der Unternehmensleitung aufgezeigten Perspektiven sind nach Ansicht Walters aber noch nicht ausreichend.
"Ihr habt es verdient, dass man Euch eine Zukunftsperspektive gibt", betonte Thomas Höhn von der IG Metall vor den versammelten Schaeffler-Mitarbeitern. Die Konzernleitung habe Zeit bis zur neuen Verhandlungsrunde am 9. Februar, solche Perspektiven aufzuzeigen, betonte Höhn. Es gehe um langfristige Arbeitsplatzsicherung für alle in der Region. "Diese sehen wir bislang in den Verhandlungen noch nicht", erklärte auch der Gewerkschaftsvertreter.
Als "moralisches Gericht", so Betriebsratsvorsitzender Michael Walter, setzt man nun auf ein Mediationsverfahren. Als Schlichter soll eine neutrale Person fungieren. Eine Anfrage bei einem ehemaligen Politiker läuft. "Wir wollen damit keine falschen Hoffnungen wecken, dass wir dadurch den Betrieb retten können", betonte Walter. Er hofft aber, dass die Arbeitnehmerseite damit ihre Verhandlungsposition verbessern kann und stärker gehört wird. "Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen", so das Versprechen Walters.
Ein vom Betriebsrat in Auftrag gegebenes Gutachten belege, dass zwei in Elfershausen produzierte Produktgruppen durchaus weiterhin profitabel auf dem deutschen Markt produziert werden könnten, erklärte Höhn. Defizitär sei lediglich die Fertigung der Rillenkugellager, was allerdings nicht Schuld der Mitarbeiter in Elfershausen sei.


Bürgermeister war dabei

Moralische Unterstützung gab es am Freitag auch von Elfershausens Bürgermeister Karlheinz Kickuth. Er versicherte den Schaeffler-Mitarbeitern am Werkstor die Unterstützung der Politik. Er erwähnte, dass der Würzburger Bischof auf Bitten der politischen Seite einen Brief an die Konzernleitung geschrieben habe. Eine Antwort der Familie Schaeffler stehe noch aus, so Kickuth.
An die Mitarbeiter richtete Kickuth den Appell, vehement für den Erhalt des Standortes Elfershausen einzutreten. Kickuth vermisste die Familien der Werksangehörigen, auch Kinder, die deutlich machen, wie viel am Erhalt der Elfershausener Arbeitsplätze hängt. "Wir müssen sehen, dass das Werk bestehen bleibt", so die Kampfansage Kickuths.


Versammlung am 3. Februar

Betriebsratsvorsitzender Michael Walter kündigte bei der Kundgebung an, dass es am Freitag, 3. Februar, um 13 Uhr eine Betriebsversammlung in der Schwedenberghalle in Elfershausen geben wird, in der alle Punkte nochmals im Detail angesprochen werden.
Von seiten des Unternehmens gab es auch gestern keine Stellungnahme. Dies begründete Martin Adelhardt (Leiter Kommunikation & Marketing Schaeffler Industrie) mit den laufenden Verhandlungen.
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