Energie

Prinzip Dynamo auf dem Dach des Hammelburger Hallenbads

Auf dem Dach des Hammelburger Hallenbads soll künftig eine neuartige Windkraftanlage Energie liefern. Die Stadt ist der erste Ort in Deutschland, an dem das System des Mannheimer Entwicklers in den Betrieb geht.
Foto: Greentown Tec
 
von CARMEN SCHMITT
Sie wiegt so viel wie ein Kleinwagen und thront seit dieser Woche auf dem Dach des Hammelburger Hallenbads. Die Alu-Stahl-Konstruktion soll den Wind aus dem Westen einfangen und die Energie umwandeln, die in ihm steckt. Leise, sauber und nachhaltig. Für Erfinder Dr. Thomas Lang aus Mannheim ist die Installation in Hammelburg der Startschuss für seine Entwicklung: "Ich bin Vater geworden!"

Vor fünf Jahren wacht der Naturwissenschaftler eines Morgens um drei Uhr auf. In dieser Nacht entstehen seine ersten Skizzen für das neuartige Windradsystem. Er bastelt ein erstes Modell aus Wellpappe, Kleber und Schaschlikspießen, das nächste aus einem stabilen Kunststoff. Ein Prototyp aus Alu startet vor einem Jahr im Schwarzwald in die Testphase. Er tüftelt weiter und meldet das System zum Patent an. In Hammelburg hat er mit seinem Team jetzt sein erstes verkaufsfähiges Windrad montiert.


Neuartige Anlage auf dem Dach

"Es ist die einzige Anlage, die auf einem Gebäude gut funktioniert," sagt der 54-Jährige. Das Neue ist die Art des Flügels, meint er. "Jedes Blech hat seinen Sinn." Das Windrad sei geräuschlos, prophezeit er. Es laufe nie schneller als der Wind und bleibe deshalb still. Die Anlage könne selbst bei stürmischem Wetter laufen. Bei starkem Wind drehe sich der Rotor 20 bis 25 Mal pro Minute. Verwirbelungen, die anderen Windkraftanlagen zu schaffen machen, soll die Anlage von Thomas Lang locker wegstecken: "Turbulenzen surft sie einfach weg." Er hat die stärksten Magnete der Welt verbaut, sagt er. Die Anlage funktioniert nach dem Widerstandsprinzip wie ein Dynamo.

Im Lkw reisten die Teile eines Metallbauers aus Ludwigshafen an. In eineinhalb Tagen montierten Thomas Lang und seine Mannschaft der Firma Greentown Tec die Unterkonstruktion, den Rotor und die Antriebseinheit in zwei Baugruppen. Ein Kran hievte die 800-Kilo-Apparatur auf das Dach des Hallenbads. Die Anlage ist sechseinhalb Meter hoch und hat einen Durchmesser von vier Metern. Mit dieser Dimension könne man einen Haushalt mit drei bis vier Personen mit Energie versorgen, schätzt der Fachmann. Will man mehr Windenergie nutzen, könne man theoretisch eine zweite Anlage direkt neben die vorhandene stellen. "Im Versuch hat sich gezeigt: sie behindern sich nicht."


Element für dezentrale Lösung

Die Vision von Thomas Lang: Die umgewandelte Windenergie soll nicht ins Netz eingespeist werden, sondern selbst verwertet werden. Eine Kombination mit Photovoltaik sei schließlich der "Schlüssel für eine dezentrale Stromversorgung".

Edgar Beck, Leiter des Schwimmbads, ist angetan und gespannt. Er glaubt, dass auch die Hammelburger und die Besucher aus der Umgebung positiv reagieren werden: "Die Leute sind offen." Wer sich für das Windradsystem interessiert, könne sich beim Schwimmbad oder den Hammelburger Stadtwerken melden.
Bald soll die Anlage angeschlossen werden und einen Teil der Energie liefern, die im Hammelburger Saaletalbad verbraucht wird.


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