Musik

Lieder, die bewegen wollen

Das Duo Thomas Busse und Julia Domenica war auf seiner "Rebellentour" zu Gast in der Saalestadt.
Die "Rebellen" Thomas Busse und Julia Domenica (Foto), ein Duo, dessen Musik die Selbsttreue, den Eigensinn und das Nachdenken in den Mittelpunkt rückt.  Foto: Winfried Ehling
 
von WINFRIED EHLING
Rebellen besetzten in den Abendstunden des Mittwoch den Bahnhof der Saalestadt - in friedlicher Form. Ihre Absicht, eine Botschaft zu vermitteln, stand im Einklang mit ihren "Waffen", Gesang und Musikinstrumente. Thomas Busse und Julia Domenica überraschten das Weinstädtchen mit ihrer "Rebellentour", die sie zur Zeit durch die ganze Republik tragen.
Das Duo auf Deutschland-Tournee ist nicht unbekannt im Saaletal. Im vorigen Advent gab es beim Konzert in Obereschenbach die Visitenkarte ab, damals allerdings als Weihnachtsgruß. Seinerzeit von Monika Seitz organisiert, trat diesmal Monika Pia Knecht als Veranstalterin auf, die für ihre Namensvetterin das Konzert managte.


Sich selbst treu bleiben

Der Termin war bereits gebucht, Monika Seitz wollte die Organisation aus familiären Gründen nicht übernehmen, Monika Knecht wollte den Konzerttermin nicht ausfallen lassen. Sie machte sich deshalb auf die Suche nach einem geeigneten Auftrittsort und traf auf Bahnhofsbesitzer, Armin Jobst, der ihr eine Zusage für die Bahnhofs-Wartehalle gab.
Obwohl sie nicht zu den etablierten Veranstaltern in Hammelburg zählt, gelang es Monika Knecht, die etwas trostlose Bahnhofshalle mittels handgeschreinerten Bänken aus Obereschenbach, Kerzen und Figuren in eine lauschige Musikecke zu verwandeln. "Ich war wirklich glücklich, dass es gelang, denn mir liegen die Aussagen der Lieder am Herzen und sie passen in mein berufliches Konzept", sagt die Inhaberin eines ganzheitlichen Kosmetikinstituts. "Termine jagen die Menschen von heute und hindern sie daran, ihren Weg zu gehen, sich selbst treu zu bleiben", fügt sie hinzu, was die Kernaussage des Rebellen-Duos auf den Punkt traf.
"Lieber ein schwarzes Schaf als eine graue Maus", der Auftakt-Song ließ schon erahnen, wohin die musikalische Reise geht. Mit ihm verband Thomas Busse, Jahrgang 1957, seinen Lebensweg, dem er - nach eigenen Worten - immer treu blieb.
Trotz verlockender und durchaus profitabler Angebote aus der Musik- und Filmbranche, die ihm und seiner Familie aus finanziellen Notlagen geholfen hätten, wollte sich der Sozialpädagoge nicht vorschreiben lassen, wie er sich bei einem Auftritt kleiden, die Haare schneiden oder welche Filmrollen er übernehmen müsse. Er sagte "Nein". Ein hoffnungsloser Idealist ?


Würde ist ein hohes Gut

Das kann schon sein. Knüpft er doch mit dieser Machart an die Mentalität der sechziger Jahre an. "Ich lasse mich nicht manipulieren, weder für Ruhm, noch für Geld, und bleibe mein eigener Held" - aus einem Titel des Sänger und Songwriters - bestätigt diese Vermutung. Ein Lied, getextet für seinen Sohn, untermauert dies. Darin rät er: "Deine Würde ist ein hohes Gut, mein Sohn, deshalb knie vor keinem Thron". Mit dem Song "Come with us", fügt Busse dieser Einstellung ein weiteres, eindeutiges Indiz hinzu. Passagen, die aus Cat Stevens "Morning has broken" oder Donovans "Hurdy Gurdy Man" stammen könnten, erwecken die Sehnsucht an "alte Zeiten" und deren musikalisch-friedliche Rebellen.
Es ist nicht so, dass Busse, der in seiner Mitstreiterin und Verlobten Julia ein passendes Pendant gefunden hat, die Sehnsüchte der Altvorderen in die Neuzeit retten will. Nein, er arbeitete sogar an ihnen mit, indem er Songs für beispielsweise Gilbert Becaud, Georges Moustaki und Johnny Cash textete. "Coming home", das er dem amerikanischen Musik-Raubein Cash überließ, legte er selbst auf, nicht ganz so kratzig wie dieser, aber durchaus stimmlich identisch. Dabei fährt der 20.05-Uhr-Zug auf dem Gleis zwo vor dem Bahnhof ein.
Manchmal schließen auch Rebellen Kompromisse - ohne dem Mainstream zu verfallen. "Ich tanze mit dir, meine Liebe", ist ein zärtlich-melancholischer Beitrag, der vor allem bei Frauen ankommt, und aus der Hymne für den geliebten, verstorbenen Hund, spitzt ein wenig Reinhard Mey hervor.
Thomas Busse und Julia Domenica sind eine echte Bereicherung der Live-Musik-Szene - und das sicher nicht nur in der ältesten Weinstadt Frankens. Einem Wiedersehen mit ihnen zwischen den Weinbergen und der Saale ist keiner der Zuhörer abgeneigt.
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