Ausstellung

Die Natur als Bindeglied - Ausstellung in Hammelburg

Carlo Catoni und Ralf Hartan, zwei Künstler, die auf den ersten Blick nur wenig gemeinsam haben, zeigen ihre Werke in der Schilling Privatbank.
Carlo Catoni (r.), Maler und Musiker mit Humor, setzt sich gerne mit den Interpretationen seiner Werke auseinander, wie mit der angereisten Familie Rennhak (links).  Fotos: Winfried Ehling
 
von WINFRIED EHLING
Mit Werken von Carlo Catoni und von Ralf Hartan wartete die Schilling Privatbank in einer Vernissage in ihren Geschäftsräumen auf. Dabei handelt es sich um ein Experiment, wenn man bedenkt, dass hier verschiedene Ansätze von Kunst aufeinander treffen, die auf den ersten Blick nicht immer zwingend zueinander passen.
Zwar ergeben sich Parallelen - zum Beispiel in der Anlehnung der Exponate an die Natur - über die Interpretation "Harmonie" könnte man allerdings streiten. Jedoch gelang dem Maler Catoni und dem Bildhauer Hartan ein "anregender Dialog von Ästhetik und Sinnlichkeit", wie es Kunsthistorikerin Dr. Astrid Hedrich-Scherpf formulierte.


Zweite Leidenschaft: Musik

Für den in Aura beheimateten, in Italien geborenen Maler, der über einen international reichen Erfahrungsschatz verfügt und auf zahlreiche Ausstellungen verweisen kann, ist die Natur immer gegenwärtig. "Zwar ist mir die Rhythmisierung des Raumes wichtig, doch die Lust an der Natur und ihrer malerischen Komposition steht darüber", stellt Catoni klar. "Ich experimentiere. Denn ein Bild sollte wie Musik sein. Deshalb versuche ich, Farben und Klänge zusammenzubringen."
Aus diesen Worten klingt unterschwellig eine zweite Leidenschaft mit - die Musik. Dazu muss man wissen, dass der Römer ein passionierter Pop- und Jazz-Musiker ist, der zwar keine Konzerte mehr gibt, aber in Studios mitarbeitet und selbst Musikunterricht gibt, unter anderem im so genannten Judenhof in Bad Kissingen, wo Catoni eine Galerie und eine Werkstatt betreibt.


Schwarz-weiß-Exponate

Kennt man die temperamentvollen, in Farben explodierende Malweise des "Impressionisten der Neuzeit", so sieht man verwundert zu den Schwarz-Weiß-Exponaten im Treppenaufgang der Bank auf. "Es ist die Abstraktion der Natur", merkt der verheiratete Vater dreier Kinder an, der in jüngerer Zeit eine gesundheitlich schwere Phase hinter sich bringen musste.
"Doch ich lebe mein Leben so weiter wie bisher" versichert der Individualist - was sich möglicherweise in zahlreichen, farbigen Landschaftsbildern und -studien wie "River runs deep" oder der Serie "Fiori" ausdrückt. "Das Blut pulsiert noch in mir", sagt er und lächelt verschmitzt.


Organisch und Anorganisch

Ralf Hartan, geboren in München, ließ sich in Berchtesgaden zum Holzbildhauer ausbilden und kam vor 18 Jahren nach Unterfranken, wo er mit Gabriela Hermanns ein gemeinsames Atelier in Fuchsstadt, die "Steinwerkstatt", betreibt. Ebenfalls auf Natur basierend, sieht er sich als Mittler und Bindeglied der Materialien, indem er Organisches mit Anorganischem - also beispielsweise Holz mit Stein - verbindet.
Dabei verwendet Hartan kein gewöhnliches, sondern Narbenholz aus dem Bad Kissinger Stadtwald. Verletzte Biomasse also, die sich selbst heilt und dabei interessante Verwachsungen bildet. Die Ränder des in den ausgehöhlten Stein implantierten Holzes verdeckt er mit Blei oder Steinmasse.


Spagat der Objekte

Das Ergebnis nennt er "Television" - wohl weil es einem frühen Fernsehgerät der Pionierzeit ähnelt. Aussagen dazu sind interpretierbar. Umhüllt der Stein den weichen Kern oder hält er ihn fest verschlossen und beraubt ihn seiner Freiheit?
Auch in der Formgebung versucht der Holz- und Steinbildhauer den Spagat seiner Objekte. Die Begegnung zwischen "weich" und "hart" schlägt sich in einer Metallkonstruktion von rund und kantig nieder. Fußball-Fans fällt bei diesem Anblick spontan der bekannte Spruch ein: "Das Runde gehört in das Eckige."
Hedrich-Scherpf, die mit Hartan einen Dialog beim Aufbau der Ausstellung geführt hatte, erfuhr, dass die Grundlage seines Schaffens im japanischen Ästhetikkonzept des "Wabi-sabi" zu finden sei - nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt. "Beschränke alles auf das Wesentliche, aber entferne nicht die Poesie. Halte die Dinge sauber und unbelastet, aber lasse sie nicht steril werden" - und an diesem Punkt reichen sich die Werke Catonis und Hartans die Hand.
Die Ausstellung noch bis 25. November geöffnet und kann zu den Öffnungszeiten der Bank Schilling besucht werden.
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