Bad Kissingen
Engagement

"Engel in Uniform" unterwegs

Der 33. Ungarn-Transport der unterfränkischen Reservisten brachte wieder dringend benötigte Spenden nach Ungarn.
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Chefarzt Dr. Joachim Rupp packt beim Beladen tatkräftig mit an.  Foto: Reservistenverband
Chefarzt Dr. Joachim Rupp packt beim Beladen tatkräftig mit an. Foto: Reservistenverband
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Als vor zehn Jahren Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer die Partnerschaft zwischen den unterfränkischen Reservisten und den ungarischen Reservisten des Regierungsbezirks Heves aus der Taufe hob, dachte noch niemand daran, was aus dieser Vereinigung einmal entstehen würde. Was als kameradschaftlicher Bund gedacht war, wurde inzwischen zu einem umfangreichen humanitären Projekt.


Die Not ist groß

Schon nach wenigen Besuchen in der an der Grenze zur Ukraine gelegenen Region um Eger (Deutsch Erlau) wurde den unterfränkischen Kameraden klar, daß sie nicht nur zum Feiern kommen sollten. Hohe Arbeitslosigkeit, veraltete Gesundheitsversorgung, marode Schulen und viele bedürftige Familien brachten sie auf die Idee: hier müssen und können wir helfen. Sie gingen in die örtlichen Krankenhäuser, besuchten Altenheime und Schulen, bekamen Kontakt mit dem "Verein kinderreicher Familien" und ließen sich Listen mit den am dringendsten benötigten Hilfsgütern geben.
Schnell war ein Hilfskommitee gebildet und Bezirksvorsitzender Kurt Berger schickte einen Spendenaufruf an die etwa 5000 Reservisten Unterfrankens. Die Resonanz war groß. Dann wurden Lagerräume für die Spenden und Sponsoren für die Transporte gesucht. Zum Beauftragten für das Humanitäre Hilfsprojekt wurde Ulrich Feldmann aus Bad Kissingen ernannt. Durch die langjährige Hilfsaktion seines Lionsclubs Hammelburg hatte er einschlägige Erfahrung in der Beschaffung von Krankenhauszubehör.
Und so entstand ein unterfränkisches Netzwerk: Bald hatte man Kontakt zu Krankenhäusern und Seniorenheimen der Region aufgenommen und es war erstaunlich, wie viel gebrauchsfähiges, medizinisches Gerät, Mobiliar und Pflegeausstattung aufgrund von Modernisierungen der Häuser ausrangiert worden war und nun für die Hilfsaktion Verwendung fand.
Besonders zwei große Aktionen fanden die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit: die komplette Übernahme der Einrichtung der ehemaligen Kissinger Wisselklinik und vor kurzem auch - durch Vermittlung von Martin Pfeuffer, dem Geschäftsführer der Carl-von-Heß'sch Sozialstiftung - des Seniorenheims Waldenfels in Bad Brückenau.


Kraftakt: Lkw beladen

Seit mehreren Jahren können die gesammelten Hilfsgüter im Bereich der Hammelburger Ortho Clinic zwischengelagert werden. Pünktlich um 9 Uhr traf dort der vom Chef der Firma Geis Logistik gesponsorte Sattelzug an der Klinik ein, wo bereits alle Kartons mit Bekleidung und Bettwäsche, Fahrräder, Haushaltswaren, Pflegeausstattung und Spielsachen unter dem Kommando von Leander Rüfer, dem Vorsitzenden der Hammelburger Reservisten, vor den Garagen gestapelt waren.
Und dann schufteten zwanzig Reservisten im Alter von 30 bis 80 Jahren bei eisiger Kälte fünf Stunden lang, um den Lkw mit 14 Meter Ladefläche bis unter das Dach zu füllen. Auch Soldaten des Fernmeldebataillons 10 der Bundeswehr aus Veitshöchheim fuhren noch mit im Raum Würzburg gesammelten Hilfsgüter vor und halfen kräftig mit. Applaus bekam auch Dr. Joachim Rupp, der neue Chefarzt der Orthopädie, der es sich nicht nehmen ließ, zwischen zwei Operationen mal schnell mit anzupacken.
Am Wochenende startete nun der 33. Hilfstransport, begleitet von einer sechsköpfigen Mannschaft, unter Leitung von Otto Jahrsdörfer aus Bad Neustadt, sehnsüchtig erwartetvor allem von den vielen Familien, für die der Transport ca. 300 Kartons mit Bekleidung an Bord hat. Am Nikolaustag sollten ca. 200 vom dortigen Sozialamt bestimmte Familien mit drei und mehr Kindern in einer ehemaligen Kaserne von den ungarischen Kameraden eingekleidet werden.
Aber auch ein besonderes Weihnachtsgeschenk wird ausgeliefert: von der Grundschule in Herschfeld bei Bad Neustadt gespendetes Mobiliar für die Modernisierung von mehreren Schulklassen einer dortigen Grundschule. Stets ist ein TV-Team des Regional-Fernsehsenders vor Ort und berichtet. So erfährt die Bevölkerung jedes Mal, wann die "Engel in Uniform" erneut eingetroffen sind.
Beeindruckend ist die Bilanz des Hilfsprojekts der Reservisten: So konnten seit 2017 bereits ca. 390 Tonnen Hilfsgüter im geschätzten Wert von 1,5 Millionen Euro an Hospitäler, Seniorenheime, Schulen und Landpraxen übergeben werden. red
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