Bad Kissingen
Jubiläum

Die Wanderer feierten an der Kissinger Hütte mit

Die Feier zum 100-jährigen Bestehen der Kissinger Hütte war ein großartiger Erfolg für den Kissinger Rhönklub. Am Sonntag kamen viele Wanderer auf den Feuerberg und feierten bei Sonnenschein mit herrlichem Ausblick auf die Rhön.
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Thomas Hammelmann (2. von links) übergibt einen Erinnerungswimpel zum Fest "100 Jahre Kissinger Hütte" an eine Wandergruppe aus Bastheim (Landkreis Rhön-Grabfeld). Fotos: Werner Vogel
Thomas Hammelmann (2. von links) übergibt einen Erinnerungswimpel zum Fest "100 Jahre Kissinger Hütte" an eine Wandergruppe aus Bastheim (Landkreis Rhön-Grabfeld). Fotos: Werner Vogel
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Der Blick reicht von den Pilsterköpfen zum Dammersfeld, von der Wasserkuppe zum Heidelstein über die Walddörfer und zum Kreuzberg. Der Feuerberg bei Langenleiten ist einer der Sehnsuchtsorte in der Rhön und der Blick von hier aus (832 Meter hoch) hält, was das das Land der offenen Fernen verspricht.

Anderer Name vorgesehen

Kein Wunder, dass seine Majestät König Ludwig III. dem Rhönklub Bad Kissingen "gerne die erbetene Genehmigung" erteilte, die auf dem Schwarzenberg zu errichtende Blockhütte nunmehr "König Ludwig-Hütte" nennen zu dürfen. Quasi als Geburtstagsgeschenk sollte sie zwei Tage vor seinem 69. Wiegenfeste eingeweiht werden.
Der 1. Weltkrieg machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung: Im Oktober 1914 war die Hütte zwar fertiggestellt, sie ist aber nur mit einer schlichten Feier eröffnet worden. Vom Königtum wollte man in den nächsten Jahren nicht mehr viel wissen und so hatte sich der Name "Kissinger Hütte" schnell eingebürgert.

Der Wille, die Hütte zu erhalten

Nach verschiedenen Umbauten hat die Kissinger Hütte ihren heutigen Charakter als bewirtschaftete Wanderhütte erhalten. Nicht nur die Zeit nagte am Gebäude, Sturmschäden waren zu reparieren, Strom und Telefon mussten gelegt werden, die Quelle gefasst werden. Die Hütte wurde auf das Dreifache erweitert und modernisiert. In den letzten Jahren hatte der Verein Pflanzenkläranlage, Spielplatz und Erneuerung der sanitären Anlagen zu bewerkstelligen. Viel Geld und noch mehr Idealismus investierte der Verein seit hundert Jahren in die Erhaltung seiner Hütte auf der oft windumtosten Höhe. Die Finanzierung war für alle Generationen eine stete Herausforderung.
Zum Jubiläum war sie herausgeputzt, die Außenfassade mit Holzschindeln neu gestaltet. Der Verein hatte es wahrlich verdient, dass Petrus für das Jubiläumswochenende schönes Wanderwetter und tolle Fernsicht spendierte, und zur Freude der vielen Besucher türmte er noch ein intensiv weißblaues Wolkenbild über die Rhön.

Viele Höhepunkte

"Solch klare Tage mit traumhafter Fernsicht gibt's nur wenige im Jahr, dazu ein ideales Wanderwetter: Schöner könnte sich die Kissinger Hütte zu ihrem Jubiläum überhaupt nicht präsentieren", schwärmte Thomas Hammelmann, der Vorsitzende des Rhönklubs Bad Kissingen und strahlte mit seinem Stellvertreter Peter Krug um die Wette.
"Wir sind belohnt worden für die stete Sorge um die Hütte und die immensen Anstrengungen, die ein so großes Fest mit dreitätigem Programm mit sich bringt", meinte Hammelmann. Peter Krug: "Das alles muss ja von 'fern der Heimat' heraufgebracht werden. Unsere 350 Mitglieder waren ganz schön gefordert, als Helfer, Organisatoren und Transporteure." "Aber alle sind zufrieden", zog der Vorsitzende am Sonntag ein erstes, ein positives Fazit des Jubiläumsfestes.

Hunderte von Wanderern

Gudrun Hammelmann freute sich als Kulturwartin des Vereins, "dass heute (am Sonntag, Anm. d. Red.) 33 Gruppen und Zweigvereine mit über 500 Wanderern aus der gesamten Region von Würzburg bis Fulda gekommen sind.". Sie wollen mit den hunderten weiteren Besuchern "ihre Hütte" feiern. Einer davon war Günther Masur, der 13 Wanderer des Zweigvereins Bastheim anführte und wie die anderen Gruppen der Sternwanderung vom Vorsitzenden des Kissinger Rhönklubs begrüßt wurde. Stolz heftete er ein Erinnerungsband an die mitgeführte Wanderfahne und freute sich zuerst auf ein kühles Bier nach dem schweißtreibenden Aufstieg auf den Feuerberg.
Auch Susanne Ehmig vom Zweigverein Bischofsheim war mit ihren Freunden von Langenleiten auf die Hütte gewandert. Auf die eineinhalb Stunden hat sie sich richtig gefreut. "Zuerst die schattigen Waldwege und dann die immer wieder hinreißend schönen Weitblicke machen diese Tour so besonders."

20 Pfennig für den Gaszähler

Darauf hatte auch Matthias Reichert, Wanderführer des Kissinger Rhönklubs, seine Gäste hingewiesen. Die Bergblumenwiesen und das Geotop des Keller steins sind echte Höhepunkte der Rundwanderung. Die Steinacher vom "Rauchclub Blaue Wolke" waren zwar mit dem Auto zur Hütte gefahren, hatten dann aber die sieben Kilometer der "Kissinger Hüttenrunde" unter die Füße genommen.

Viele Erinnerungen

"Es war eine genussvolle Wanderung", meinte Lorette Weiß, und ihre Freundin Ulla Dempsey verband viele Kindheitserinnerungen an die Kissinger Hütte. Damals war sie noch recht spartanisch eingerichtet, wie Hans-Joachim Weiß ergänzte, der sich an die Skikurstage auf der Hütte erinnerte, als man noch 20 Pfennig in den Gaszähler werfen musste, um sich seine mitgebrachte Suppe aufzuwärmen. Für heißes Duschwasser wurde in der Gruppe gesammelt, dann hat man sich gemeinsam zum Duschen angestellt, so sind Mehrere in den Genuss des warmen Wassers gekommen.
Das waren alles schöne und angenehme Erinnerungen, die man am Sonntag auf dem Feuerberg austauschte, als die Kissinger Blechbläser aufspielten und im Festzelt und auf der Wiese vor der Hütte kein Platz mehr zu bekommen war. Hans Lickel, als Wanderführer ein Urgestein des Rhönklubs, sammelte seine Wandergruppe vor der Hütte, um sie auf den Rundweg zum Gebirgsstein zu führen. Als sie wieder ankamen, war die Bergwiese vor der Hütte bei den Mitsingliedern der "Waldfensterer Bergmusikanten" zum größten Freizeitchor geworden, den die Rhön wohl je gesehen hat.

Bild oben: Vorsitzender Thomas Hammelmann überreicht Wandergruppe aus Bastheim das Erinnerungsband
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