Naturschutz

Quartier für seltene Arten

In dem alten Bierkeller in Einraffshof arbeiten fleißige Handwerker, damit das Gewölbe für Fledermäuse wieder ein sicheres Quartier bietet.
Ulf Zeidler vom Bund Naturschutz (links) und Aglaia Abel vom Landschaftspflegeverband besprechen das Vorgehen bei der Sanierung mit Bauleiter Heiko Breitenbach von der Baufirma Theo Hahn.Oswald Türbl
 
von OSWALD TÜRBL
Wenn im Oktober die ersten Fledermäuse ihre Schlafplätze aufsuchen, finden sie im alten Bierkeller in Einraffshof ein renoviertes Winterquartier vor. Die Bierkeller der 1916 abgebrannten und aufgelassenen Brauerei sind zum großen Teil schon eingestürzt, stellen aber im vorderen Teil ein ausgezeichnetes Winterquartier für Fledermäuse dar.
Bei einer Temperatur von 2 bis 8 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von nahezu 100 Prozent können die Tiere in Ruhe ihren Winterschlaf halten. "Solche Winterquartiere sind in der Vorrhön Mangelware", erläutert Ulf Zeidler, der Ehrenvorsitzende der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, die vor über 30 Jahren den Bierkeller gepachtet und so wichtigen Lebensraum für die Fledermäuse gesichert hat.
Während des Winterschlafs können Störungen für die Tiere lebensbedrohend sein, da sie dann aufwachen, ihre Körpertemperatur wieder hochfahren und ihre Nahrungsreserven vorzeitig aufbrauchen. Auch im Sommerhalbjahr haben die Fledermäuse in unserer intensiv genutzten Landschaft Probleme. Das Nahrungsangebot an Insekten nimmt zusehends ab und Sommerquartiere in Gebäuden verschwinden durch Renovierungen. Umso wichtiger sind deshalb geeignete Winterquartiere wie in Einraffshof.
Seit 1983 wird hier der Fledermausbestand von Fachleuten der Universität Erlangen und Naturschützern vor Ort im Winterhalbjahr erfasst und ausgewertet. So konnten im Februar 2017 insgesamt 52 überwinternde Exemplare festgestellt werden; darunter neben den zahlreichen Großen Mausohren auch so seltene und bedrohte Arten wie Braunes Langohr, Wasserfledermaus, Bartfledermaus, Bechstein- und Fransenfledermaus.
Der Zahn der Zeit hat nun auch an dem alten Gemäuer genagt und der Zugang zu dem Keller drohte einzustürzen. Die Obere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Unterfranken sah deshalb Handlungsbedarf. Abgewickelt wird die Sanierungsmaßnahme durch den Landschaftspflegeverband Bad Kissingen, wobei 70 Prozent der Kosten in Höhe von 18 000 Euro vom Land Bayern getragen werden. "Dankenswerterweise übernimmt der Landkreis nicht nur die üblichen 15 Prozent, sondern alle Restkosten", so die Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes, Aglaia Abel. Sie achtet darauf, dass die Handwerker genügend Spalten im neuen Mauerwerk hinterlassen, so dass die Fledermäuse bei ihrem Einzug im Oktober auch genügend Verstecke vorfinden, um den bevorstehenden Rhöner Winter gut zu überstehen.
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