Staatsbad Brückenau
Kontrollen

Bad Brückenau: Wächter des Heilwassers

Viele Bad Brückenauer nutzen die Heilquellenkarte, um aus dem Staatsbad Wasser zu holen. Die Karte ist personalisiert. Nun werden Wasserzapfer überprüft.
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Emmeran holt mit seiner Mutter Izabella Hofweber Wasser von der Abfüllanlage. Kaum ist der Kanister voll, werden die beiden kontrolliert. Foto: Ulrike Müller
Emmeran holt mit seiner Mutter Izabella Hofweber Wasser von der Abfüllanlage. Kaum ist der Kanister voll, werden die beiden kontrolliert. Foto: Ulrike Müller
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Da staunte eine Familie aus Bad Brückenau nicht schlecht, als sie neulich ihre Karte an der Abfüllanlage für das Heilquellenwasser vorzeigen musste. Einheimische können dort gegen eine Gebühr von 20 Euro im Jahr täglich eine begrenzte Menge Wasser holen. Viele Brückenauer nutzen das gerne - und halten ihre personalisierte Karte an den Leser, bis die Anlage anspringt.

Dass die Bürger nun beim Flaschen füllen kontrolliert werden, ist neu. Vor fast zwei Monaten ist das Wach- und Schließinstitut Weingärtner aus Bad Kissingen von der Staatlichen Kurverwaltung engagiert worden. Die Kontrolle komme "sehr gut an bei den Nutzern. Sie zeigen stolz ihre Karte", sagt Kurdirektorin Andrea Schallenkammer. "Abzocke", nennt es die Familie und stellt die Frage, ob denn nun jedes Familienmitglied eine eigene Zapfkarte mit Bild besitzen müsse.


Paare können zu zweit aufs Bild

So ist es auch nicht. "Die Karte ist personenbezogen, sonst könnte sich ein ganzes Mietshaus eine Karte teilen", erklärt die Kurdirektorin. Bei Paaren werde aber eine Ausnahme gemacht. Beide Partner können sich ablichten und ihre Daten hinterlegen lassen. Dann ist egal, wer abends nach der Arbeit schnell noch eben Wasser holt. Wer mit einer fremden Karte zapft, riskiert, dass diese eingezogen oder gesperrt wird. "Wir sind im Moment noch in der Pilotphase", gibt sich Schallenkammer moderat. Bisher sei noch kein Verstoß aufgefallen.

Die Staatliche Kurverwaltung arbeitet schon seit geraumer Zeit mit dem Wach- und Schließinstitut zusammen. "Wir hatte früher Probleme mit Vandalismus im Kurpark, aber auch am Kursaalgebäude und in der Wandelhalle", erklärt Schallenkammer den Hintergrund. Damals sei der Schließdienst an die Firma vergeben worden. Inzwischen kommen stichprobenartige Kontrollen im Kurpark, am Wohnmobilstellplatz, im Parkhaus, in der Gästelounge im Elisabethenhof oder in der Wandelhalle dazu. Wer ohne Gästekarte unterwegs ist, muss zahlen.

50 Euro betrage das "erhöhte Benutzungsentgelt" bei Verstößen, klärt Schallenkammer auf. Sie betont, dass Gäste und auch einige Mitarbeiter der Kurverwaltung - beispielsweise Frauen, die am Wochenende allein Dienst haben - positiv auf die erhöhte Sicherheit reagiert hätten. Mit dieser Strategie will die Kurverwaltung zudem die Exklusivität eines Aufenthalts im Staatsbad steigern. "Es geht darum, dass der Kurgast sieht, dass seine Gastkarte einen Wert hat."


Öffentliche Toiletten weiterhin kostenlos

Was aber ist mit all den Spaziergängern, die durch die Parkanlage schlendern, sich einen Kaffee gönnen oder mit den Kindern den kleinen Zoo hinter der König-Ludwig-Eiche anschauen? Die dürfen natürlich weiterhin kommen, sagt Schallenkammer, auch ohne Gastkarte. Öffentliche Toiletten stehen am Parkdeck, im Elisabethenhof und an der Außenwand der Wandelhalle zur Verfügung. Überzeugt das die Familie aus Bad Brückenau?

"Dass Kurgäste von den Leistungen profitieren, dagegen spricht überhaupt nichts. Dafür zahlen sie ja Kurtaxe", findet die Familie. Trotzdem möchten Einheimische nicht immer angesprochen werden, wenn sie das Brückenauer Wasser holen. Außerdem wünsche man sich mehr Kulanz. "Solange die Karte in der Familie bleibt, ist das doch ok."
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