Bad Brückenau
Netzausbau

Südlink: Ein neuer Player tritt auf den Plan

Am 10. Juni bietet die Plattform "Bürgerdialog Stromnetz" eine neue Info-Veranstaltung zum Bau der Stromtrasse Südlink an. Auftraggeber der Kampagne ist das Bundeswirtschaftsministerium. Doch die Region boykottiert das Treffen.
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Setzt auf die Staatsregierung: Jakob Euba engagiert sich im Vorstand der Bürgerinitiative "Sinntal gegen die Stromtrasse".  Foto: Ulrike Müller
Setzt auf die Staatsregierung: Jakob Euba engagiert sich im Vorstand der Bürgerinitiative "Sinntal gegen die Stromtrasse". Foto: Ulrike Müller
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Jakob Euba hat sich Mühe gegeben. Zur Begrüßung von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der am 13. Juni beim CSU-Bezirksparteitag in Bad Brückenau spricht, hat er ein Plakat gemalt. "Er ist der einzige Ministerpräsident, der auf sein Volk hört", sagt Euba.

Horst Seehofer jedenfalls streitet in Berlin mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) über den Bau der geplanten Stromtrasse Südlink, die im Zuge der Energiewende Windstrom aus dem Norden in den Süden transportieren soll. Währenddessen kurbelt Gabriels Ministerium eine Dialog-Kampagne an, die am Mittwoch, 10. Juni, in der Georgi-Halle in Bad Brückenau Station macht.

Rhönlink und Landkreis sagen ab

"Wir haben festgestellt, dass das Level der Information bei den betroffenen Kommunen sehr unterschiedlich ist", sagt Peter Ahmels, Leiter der Initiative "Bürgerdialog Stromnetz". Deshalb werden in einem ersten Schritt Info-Abende zum Netzausbau für Kommunalvertreter angeboten, "die ihrerseits eingeladen sind, Verbandsvertreter ebenfalls einzuladen". In einem zweiten Schritt soll es Ende Juni öffentliche Bürgerkonferenzen geben. Das Ziel: Südlink soll aus bundespolitischer Sicht erklärt und das komplizierte Verfahren der Bundesfachplanung vor Ort erklärt werden.

"Zu spät", antwortet das Landratsamt Bad Kissingen auf die Einladung. Die Argumente seien längst bekannt, die sachliche und rechtliche Diskussion schon weit fortgeschritten. Und so werden weder ein Vertreter des Landkreises noch von einem Großteil der Gemeinden zum Info-Treffen erscheinen.

"Wir sind uns größtenteils einig, dass man sich diese Veranstaltung sparen kann", sagt Jochen Vogel, Vorsitzender der Initiative Rhönlink, unter deren Dach sich der Bürgerprotest sowie der Widerstand aus den betroffenen Kommunen und Landkreisen vereint hat. Jochen Vogel berichtet, dass Thomas Schoenwald als Vertreter des Landkreises Bad Kissingen die Auftaktveranstaltung des "Bürgerdialogs Stromnetz" in Berlin besucht habe. "Sein Eindruck war, dass da nichts Neues für uns dabei herauskommt."

Bürgerinitiativen sind sich einig

Der Info-Abend indes wird trotzdem stattfinden. "Jeder, der sich informieren möchte, ist uns willkommen", sagt Ahmels. Bis jetzt seien acht Anmeldungen beim Veranstalter eingegangen. Die Georgi-Halle sei übrigens über die Tourist-Info gebucht worden, stellt Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) klar. Die Stadt Bad Brückenau sei nicht als Veranstalter involviert, sie selbst werde ebenfalls fernbleiben.

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagt Erwin Miller, einer der Vorsitzenden der Bürgerinitiative "Sinntal gegen die Stromtrasse". Die Inhalte seien aber dieselben wie vor einem Jahr, als der Netzbetreiber Tennet durch den Landkreis tourte. Deshalb hätten die Bürgerinitiativen sich einstimmig dazu entschlossen, das Angebot zu ignorieren. Noch nicht einmal eine Demonstration ist geplant. "Wir wollen uns nicht aufreiben lassen", erklärt Miller.

Wenn Horst Seehofer Bad Brückenau besucht, werden die Bürger aber wieder Flagge zeigen. "Wenn so viele Politiker hier sind, müssen wir natürlich auch da sein", sagt Miller. Und: "Wir sind froh, dass wir die große Politik in Bayern bewegt haben. Jetzt müssen wir dran bleiben."


Was will der "Bürgerdialog Stromnetz"?

Initiative Der "Bürgerdialog Stromnetz" ist eine Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums. Sie organisiert bundesweit Dialogangebote zum Ausbau des Stromnetzes - zum Beispiel auch über das Projekt Südlink. Die Angebote werden als Ergänzung zu den Info-Veranstaltungen der Bundesnetzagentur und der Netzbetreiber angesehen.

Finanzierung Nach Aussage von Peter Ahmels, Leiter des "Bürgerdialogs Stromnetz" ist die Dialog-Kampagne auf "bis zu fünf Jahre" angelegt. Sie wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit "bis zu elf Millionen Euro" gefördert.

Partner Der "Bürgerdialog Stromnetz" wird federführend von der Deutschen Umwelthilfe, einer nichtstaatliche Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation, durchgeführt. Als Partner sitzen die Agentur Hirschen Group und das Unternehmen IKU - Die Dialoggstalter im Boot.

Info-Abend Am Mittwoch, 10. Juni, findet von 18 bis 20 Uhr ein Info-Abend in der Georgi-Halle statt. Vertreter der Bundesnetzagentur, des Netzbetreibers Tennet und des Bundeswirtschaftsministeriums erklären den Netzausbau. Infos und Anmeldung gibt's hier.
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