Ausstellung

Fotoporträts, Geschichten und Schicksale

Es geht um Männer und Frauen im Alter von zehn bis 80 Jahren:Im Haus der Langen Rhön ist eine Auswahl von 32 Fotoporträts zu sehen.
Die Ausstellung "Ich integriere mich von frühmorgens bis spätabends - Vom Wegmüssen und Ankommen" ist im Haus der Langen Rhön zu sehen. Die Teilnehmer der Ausstellungseröffnung (v.l.) Tahir Gholami und seine Tochter Atafeh, Klaus Spitzl, Barbara und Volker Dauscher, Michael Geier, Michael Dohrmann und Peter Suckfüll.  Foto: Marion Eckert
 
von MARION ECKERT
Integration ist derzeit in aller Munde. Als das Jahresprogramm für das "Haus der Langen Rhön" Anfang 2016 aufgestellt wurde, konnte Michael Dohrmann nicht ahnen, welche Brisanz und Aktualität die Ausstellung "Ich integriere mich von frühmorgens bis spätabends - Vom Wegmüssen und Ankommen" haben wird.
Die Ausstellung wurde bereits vor zehn Jahren von Hermine Oberück und Gertraud Strohm-Katzer (Minden) konzipiert und wird ständig fortgeschrieben, erklärte Dohrmann. 75 Fotoporträts zu Menschen mit ganz unterschiedlichem Migrationshintergrund seien im Laufe der Jahre entstanden. Doch nicht nur die Bilder, sondern die Geschichten der Menschen, ihre Schicksale und Erlebnisse wurden gesammelt.
Es geht um Männer und Frauen im Alter von zehn bis 80 Jahren aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen und Berufsgruppen, die nun an verschiedenen Orten in Deutschland leben, heimisch geworden oder fremd geblieben sind. Im Haus der Langen Rhön in Oberelsbach ist eine Auswahl von 32 Fotoporträts und Texttafeln zu sehen.
Ob Flüchtlinge und Heimatvertriebene, "Gastarbeiter", aus politischen oder religiösen Gründen Verfolgte oder moderne "Wirtschaftsimmigranten" aus Südosteuropa und Afrika - sie alle haben zumindest eines gemeinsam: ihren Migrations- bzw. Zuwanderungshintergrund und die damit verbundene Aufgabe, in der Fremde eine neue Heimat zu finden.
Die Porträts und Texte lassen die Menschen selber zu Wort kommen, um ihre Geschichten zu erzählen. So werden ihre Beweggründe, Interessen und Einschätzungen für den Betrachter verstehbar.
Vor 100 Jahren waren viele Rhöner Wirtschaftsflüchtlinge, die nach Amerika gingen, erinnert Dohrmann bei der Ausstellungseröffnung. Wirtschaftliche, politische und religiöse Gründe seien es auch heute, die Menschen veranlassen ihre angestammte Heimat zu verlassen. "Mit der Ausstellung möchten wir unterstreichen, wie wichtig es ist, dass die Menschen, die zu uns kommen eine gute Aufnahme finden."
Auch der Leiter der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Michael Geier, erinnert an die Auswanderungswellen aus den Walddörfern vor dem Zweiten Weltkrieg. Das Auswanderungsbüro von Hapag Lloyd in Langenleiten sei erst 1950 geschlossen worden.
Der stellvertretende Bürgermeister des Marktes Oberelsbach, Klaus Spitzl, unterstrich das unkomplizierte und unbürokratische Handeln im Landkreis Rhön-Grabfeld, das deutlich machte, dass es um Menschen und Menschlichkeit gehe. Stellvertretender Landrat Peter Suckfüll dankte Dohrmann für die Ausstellung und die Bereitschaft im Jubiläumsjahr das Biosphärenreservat über den Tellerrand hinaus zu schauen und ein aktuelles Thema aufzugreifen. Im Landkreis Rhön-Grabfeld seien derzeit 790 Asylbewerber untergebracht, die zum Großteil aus Syrien stammen. Die Ausstellung in Oberelsbach trage dazu bei Vorurteile abzubauen und zeige, wie wichtig es sei, sich mit den Geschichten der Menschen zu beschäftigen. Im Landkreis Rhön-Grabfeld funktioniere die Integration dank der vielen ehrenamtlich engagierten Freiwilligen sehr gut.
Zu diesen Freiwilligen zählen Barbara und Volker Dauscher, die sich engagiert um Asylbewerber bemühen. Dazu gehört auch Tahir Gholami, der mit seiner dreijährigen Tochter Atafeh zur Ausstellungseröffnung gekommen war.
Die Sonderausstellung wird bis 24. Oktober im Haus der Langen Rhön gezeigt. Geöffnet ist täglich außer dienstags von 10 bis 17 Uhr.
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