Brauchtum

Blasmusik ist wieder cool

Die Leichtersbacher Musikanten gibt es nun schon ein halbes Jahrhundert lang. Von ihrer Jugendlichkeit haben sie in all der Zeit nichts eingebüßt.
In weißem Hemd zu schwarzer Hose präsentierte sich die "Jugendkapelle Ober- und Unterleichtersbach" zuerst.  Archivfoto: Reinhold Vornwald
 
von STEPHANIE ELM
Ein halbes Jahrhundert Vereinsmusik, und Reinhold Vornwald war von Anfang an dabei: Mit Karl Wiesner, Leopold Scheurich, Karl Hornung, Jakob Fischer, Andreas Schneider und Otto Hahn war der 67-Jährige Mann der ersten Stunde der "Jugendkapelle Ober- und Unterleichtersbach", wie die Leichtersbacher Musikanten damals noch hießen. Zu den leidenschaftlichen Musikanten gesellten sich 14 junge Männer, die gute Blasmusik machen wollten.

Mit nigelnagelneuen Instrumenten mussten erst mal alle Vereinsmitglieder eine sechsmonatige Grundausbildung absolvieren. Der erste Dirigent des Vereins "war immer zufrieden mit uns", betont Vornwald.


Märsche, Walzer, Schlager

Der erste Auftritt der jungen Kapelle hatte einen kirchlichen Anlass, ohnehin hatte die Kirchenmusik-Ausbildung die jungen Musiker bis dato geprägt.

Bis Ende der 70er Jahre war das Repertoire um einige neue Stücke erweitert worden, immerhin hatten die Leichtersbacher Musikanten "jedes Wochenende zwei Abende gespielt", erinnert sich Josef Heil, selbst seit 40 Jahren aktives Mitglied und langjähriger Dirigent. Zu der Kirchenmusik, den Märschen und Walzern gesellten sich Schlager.

"Was gecovert werden konnte, wir haben's gecovert", berichtet Heil. Nicht jeder Musiker war von aktuellen Hits angetan, doch wurden Zweifler schnell vom Beifall des Publikums überzeugt. "Die Mischung macht's." Kirchlich, konzertant und böhmisch beherrschen die Leichtersbacher, ebenso wie den modernen Stil.

Auch die Ausbildung veränderte sich. Seit 1974 wurde für den Nachwuchs Registerunterricht abgehalten. Seit Anfang der 80er Jahre deckt der Verein auch den Einzelunterricht für jedes neue Mitglied ab. Der Einzelunterricht zusätzlich zur wöchentlichen Probe hat sich bewährt. "Zeitintensiv" ist es halt, doch würde Josef Heil das "nicht als Nachteil" ansehen. Mit konsequentem Üben waren die Jung-Musiker nach zwei bis drei Jahren Teil der Kapelle.

Inzwischen startet die musikalische Ausbildung bereits mit der WIM-Klasse in der Grundschule. Über den Nordbayerischen Musikbund, dem die Kapelle seit 32 Jahren angehört, hatte Josef Heil von dem Projekt Bläserklasse erfahren und dann in Fulda eine entsprechende Ausbildung absolviert. Mit der ersten Bläserklasse in Nordbayern konnte es im Januar 2002 mit 20 Kindern losgehen. Zwei Jahre später interessierten sich schon 42 Kids für die Blasmusik, so sehr hatte die erste Bläserklasse mit Josef Heil als Projektleiter "eingeschlagen".


41 aktive Mitglieder

Heute sind es 41 aktive Mitglieder, 40 passive und Reinhold Vornwald als Ehrenmitglied, die sich der Brauchtumspflege verpflichtet fühlen. "Blasmusik erfährt heutzutage eine Renaissance", ist Reinhold Vornwald überzeugt. War es früher noch "uncool, Tracht zu tragen", zeigen sich seit 30 Jahren alle Mitglieder der Leichtersbacher Musikanten stolz in ihrer "bodenständigen fränkischen Tracht".

Das Outfit hat im letzten Jahrhundert oft variiert. Begonnen hatten die Musikanten mit weißem Hemd zu schwarzer Hose, 1971 abgelöst durch den "Postman-Look" in blau, 1980 gefolgt von beiger Jacke zu rotem Hemd. "Tracht gehört zum Musikspielen dazu", betont Karin Keßler: "Da ist man ordentlich angezogen."

Die Jugend macht auch das gerne mit und spielt heute mit viel höherem Niveau als zu den Anfangszeiten des Vereins, weiß Josef Heil. Bei der Ausbildung fängt es schon an: Nach drei Jahren Bläserklasse sammeln die Kinder erst weitere Erfahrung im Jugendblasorchester. Sobald sie dann inmitten der Leichtersbacher Musikanten sitzen, können sie schon ganz schön viel. Sowohl die Ausbildung des Nachwuchses, als auch die Dirigentenstelle werden mittlerweile "von Profis übernommen".

Mit Manuela Möller hat der Verein eine Musikpädagogin gefunden, die die Bläserklassen gekonnt zum bronzenen Leistungsabzeichen führt. Paul Grünthal und Moritz Zehner fühlen sich für den Verein "gut vorbereitet". Marcel Vogler nimmt sogar jedes Jahr beim Kreisjugendblasorchester in Münnerstadt teil.
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