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Verzwickt

Beste Absicht geht voll daneben

Die Geschichte ist kurios: Seit einem Jahr versucht ein Mann immer wieder, eine Marienstatue zu restaurieren. Er meint es gut, richtet aber nur Schaden an.
Unübersehbar sind die Schäden, die ein selbst ernannter Restaurator an der Marienstatue vor der katholischen Stadtpfarrkirche in Bad Brückenau hinterlassen hat. Der Urzustand der Figur kann nicht wiederhergestellt werden.  Foto: Rolf Pralle
 
von ROLF PRALLE
Beim ersten Lesen klang die Meldung recht lustig, die in den vergangenen Tagen bundesweit durch die Medien ging. Die Rede war in dem Text von einem Rentner, der mit "allerbesten Absichten" versucht hatte, in Eigenregie eine Marienstatue in Bad Brückenau zu reinigen und zu restaurieren. Geht man der Sache aber etwas tiefer auf den Grund, offenbart sich eine recht tragische Geschichte.
"Die ganze Angelegenheit zieht sich nun schon fast ein Jahr hin", bestätigt der katholische Stadtpfarrer, Dekan Michael Krammer. Wiederholt habe man den selbst ernannten Restaurator vor dem Gotteshaus bei der Arbeit mit Farbe und Pinsel erwischt und mehrfach versucht, ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Lange habe man stillgehalten. Alle wohlmeinenden Gespräche hätten aber nichts genutzt, so dass nur der Weg einer Anzeige bei der Polizei blieb. Anders, so die Einschätzung des Geistlichen, sei der 85-Jährige nicht mehr zu stoppen.


Rund 2300 Euro Schaden

Durch die unterschiedlichen "Arbeitsgänge" der vergangenen Monate ist mittlerweile ein geschätzter Schaden von rund 2300 Euro entstanden. Denn der Senior hat für die Reinigung der Sandsteinfigur nicht nur völlig ungeeignete Mittel und Utensilien verwendet, sondern sich auch bei der Farbenwahl in Ton und Konsistenz total vergriffen. Sogar ein Dampfstrahler war zum Einsatz gekommen, der der Statue natürlich überhaupt nicht gut tat.
Mehrere Stücke des Bildnisses sind abgebröckelt. Kurzum, alle Versuche, das Objekt im neuen Glanz erstrahlen zu lassen, gingen total daneben. Nach Einschätzung von Experten der Diözese Würzburg kann der Originalzustand der Figur niemals wieder hergestellt werden.
Unbestritten ist die enge Beziehung des 85-Jährigen zu der Madonna. Der rührige Bad Brückenauer hatte vor vielen Jahrzehnten, noch zu Zeiten von Pfarrer Edgar Hilpert, mit seinem handwerklichen Einsatz dafür gesorgt, dass die Marienstatue am Kirchplatz ein Dach über den Kopf bekam und auch anderweitig gegen Wind und Wetter geschützt war. "Jetzt betrachtet er sie praktisch als sein Eigentum, um das er sich kümmern muss", heißt es aus Kirchenkreisen. Das entspreche aber keineswegs den Tatsachen und offenbare ganz augenscheinlich einen gewissen Realitätsverlust des Mannes.
Die Figur besitze zwar keinen großen künstlerischen Wert, hat ein Gemeindemitglied recherchiert, sie gehöre aber mit ihrer langen Geschichte einfach seit vielen Generationen zu St. Bartholomäus. Und schließlich habe die rund 1,40 Meter hohe Marienstatue sogar relativ unbeschadet den großen Stadtbrand von 1876 überstanden.
Eine Fachfirma wird sich demnächst mit der historischen Figur beschäftigen und schauen, "dass man die Sache wieder einigermaßen in Ordnung bringen kann". Darüber hinaus hoffen die katholischen Christen, dass sich der selbst ernannte Restaurator künftig eine andere und weniger schädliche Beschäftigung sucht.
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