Jugend

Bad Brückenau: Trägerschaft fürs Juz auf Prüfstand

Im April 2015 redete Boris Höttinger Klartext. Der Gemeindejugendpfleger forderte ein Konzept für die städtische Jugendarbeit. Wo steht die Stadt heute?
Benjamin Wildenauer (links) setzt sich im Stadtrat für die Belange der Jugend ein. Zusammen mit Gemeindejugendpfleger Boris Höttinger hat er sich Gedanken gemacht, wie die städtische Jugendarbeit in Zukunft aussehen könnte. Foto: Ulrike Müller
 
von ULRIKE MÜLLER
Der Tonfall war durchaus kritisch, als Boris Höttinger sich vor eineinhalb Jahren an die Öffentlichkeit wandte. Ein städtisches Konzept für die Jugendarbeitforderte der Gemeindejugendpfleger mit eindringlichen Worten. Der Stadtrat müsse vorgeben, wohin die Jugendarbeit steuern solle. Eine Debatte war angestoßen.

Damals stand Benjamin Wildenauer (SPD) gerade am Anfang seiner neuen Aufgabe als Stadtrat. Er hatte sich das Thema Jugend auf die Fahnen geschrieben. "Es musste erst mal gelernt werden, was städtische Jugendarbeit überhaupt ist", sagt er rückblickend. Und: "Früher hat das Jugendzentrum einfach funktioniert." Das sei zwar kein Ersatz für eine städtische Jugendarbeit. Man sei aber gewohnt gewesen, dass es laufe.


Der Verein stößt an Grenzen

Diese Zeiten sind vorbei. Eineinhalb Jahre später formuliert Boris Höttinger seine Gedanken über die Jugend der Stadt noch einmal. Sein Resümee fasst er in vier Punkte. Der wichtigste: "Die Jugendarbeit von Jugendlichen machen zu lassen, ist schwierig." Das Prinzip, das Jugendzentrum (Juz) in die Hände eines Vereins zu legen und zu schauen, was passiert - "ich bin kritisch, ob man das so weiterlaufen lassen sollte."

Denn schon mehrmals habe sich eine Gruppe Jugendlicher gefunden und die Öffnungszeiten des Juz' gestemmt. Wiederholt zerschlug sich das wieder, weil die jungen Leute nach dem Schulabschluss die Region verließen. "Die Trägerschaft des Juz' ist für mich eines der zentralen Themen, das nächstes Jahr angegangen werden muss", sagt auch Wildenauer.

Zwei weitere Punkte, die sich herauskristallisiert haben, sind der Ruf des Jugendzentrums und die Unterscheidung zwischen Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit. Höttinger hat den Eindruck, nicht gegen das Image anzukommen, das dem Juz seit einigen Jahren anhängt. "Städtische Jugendarbeit heißt nicht automatisch Jugendsozialarbeit", stellt er klar. Er möchte für alle Jugendlichen der Stadt da sein. Nicht umsonst gebe es mit der JaS-Stelle an der Mittelschule (siehe Info-Kasten) einen Anlaufpunkt für Jugendliche mit schwierigem Hintergrund.


Unterstützung ungebrochen groß

Der letzte Punkt ist durchaus erfreulich. "Das gesellschaftliche Interesse an der Jugend und die Hilfsbereitschaft sind enorm groß", berichtet Höttinger. Die Flomärkte zugunsten des Juz' ermöglichten den Jugendlichen bereits Investitionen in Höhe von mehreren tausend Euro. Zuletzt hatte eine Benefizveranstaltung am Adventmarkt fast 300 Euro erbracht.

Natürlich gab es Rückschläge. Im Sommer schrieb die Stadt alle Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren an und lud sie zu einer Jugend-Werkstatt in die Georgi-Halle ein. Es kamen nur etwa zwei Dutzend. Das war enttäuschend. Immerhin, mit ein paar wenigen setzten sich Höttinger und Wildenauer zusammen, trafen sich im Herbst regelmäßig und stellten am 29. Oktober eine Halloween-Party auf die Beine. "Der Laden war voll!", erinnert sich Höttinger. Dennoch, punktuell gut laufende Events seien auch kein Ersatz für städtische Jugendarbeit.

Warum er die so wichtig findet, packt der Gemeindejugendpfleger in einen einfachen Satz: "Wenn Jugendliche noch nicht einmal artikulieren, was sie sich wünschen, weil sie ihr Leben schon abgeschrieben haben, dann ist das für mich erschreckend", sagt Boris Höttinger.


Elemente der städtischen Jugendarbeit:

Jugendzentrum Das Jugendzentrum (Juz) befindet sich im Keller des ehemaligen Gymnasiums am Kirchplatz. Im März 2013 wurde es offiziell wiedereröffnet. Betreiber ist der Verein "Jugendbewegung Bad Brückenau". In letzter Zeit gelang es den Jugendlichen aber nicht mehr, das Juz regelmäßig zu öffnen.

Gemeindejugendpfleger Seit Januar 2013 ist Boris Höttinger Gemeindejugendpfleger. Er ist über den Verein "Pro Jugend" des Landkreises angestellt. Höttinger ist in Bad Brückenau 20 Stunden pro Woche am Start, in Wildflecken arbeitet er ebenfalls 20 Stunden pro Woche.

Jugendsozialarbeit Zum Schuljahr 2015/2016 ist an der Mittelschule eine Vollzeitstelle für Jugendsozialarbeit geschaffen worden. Die Stelle wird über das Programm "Jugendsozialarbeit an Schulen" (JaS) finanziert. Stadt, Landkreis und Freistaat beteiligen sich an den Kosten.

Finanzen Im aktuellen Haushalt sind rund 57.000 Euro für die Jugend vorgesehen (14.040 Euro Unkosten des Juz, 20.000 Euro Mitgliedsbeitrag für Pro Jugend, 21.550 Euro Personalkostenzuschuss für die JaS-Stelle und 1100 Euro Materialkosten). Das ist mehr als doppelt so viel als noch im Haushalt 2015.
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