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Nationalpark

Bad Bocklet: Nur einer will jetzt aussteigen

Gemeinderat Bad Bocklet entscheidet sich mit einer Gegenstimme für den Eintritt in die Konzeptphase. Bürgermeister Sandwall kritisiert den Zeitdruck.
Die Holznutzung in einem Nationalpark ist noch ein Punkt, an dem Probleme befürchtet werden.  Foto: Jörg Taron/dpa
 
von BJÖRN HEIN
Auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung: der Nationalpark. Der Zuschauerraum: voll besetzt. Die Zuhörer erhofften sich Informationen, schließlich hatten sich die Gemeinderäte und der Bürgermeister im Nationalpark Bayerischer Wald selbst ein Bild gemacht.
"Wir haben dort mit Interessenvertretern gesprochen", sagte Bürgermeister Andreas Sandwall. Geredet wurde mit Jägern, forstwirtschaftlichen Vereinigungen, Vertretern des Bayerischen Bauernverbands, Wirtschaftsförderern sowie mit Franz Leibl, Leitung der Nationalparkverwaltung.
Erfahrungen zum Thema Brennholz: Im Bayerischen Wald habe sich die Situation nach der Installation des Nationalparks nicht verschlechtert, erzählte Sandwall. "Ich verstehe die Angst hier , aber die Waldbesitzer dort haben uns mitgeteilt, dass der Wert des Holzes eher steige", so Sandwall. Auch das Wildtiermanagement im Bayerischen Wald funktioniere sehr gut, wie die dortige Jägerschaft bestätigt habe.


Topgepflegte Wege

Können Wege im Bayerischen Wald benutzt werden? "Das Ministerium ist der Meinung, dass der Wald der Erholung dienen soll. Fakt ist aber, dass der Wanderweg im Allgemeinen nicht verlassen werden darf, es herrscht dort ein so genanntes Wegegebot. Bei unserem Besuch im Bayerischen Wald hat man gesehen, dass die Wege dort top gepflegt sind", so Sandwall.
Thema Landwirtschaft: "Im Bayerischen Wald haben wir mit Landwirten gesprochen: Diese sehen in der Einrichtung eines Nationalparks keinen Nachteil, Wildschäden werden ihrer Aussage nach ordentlich bezahlt", sagte Sandwall.
Zum Thema Trinkwasserversorgung: Das Ministerium habe gesagt, dass diese auch bei der Einrichtung eines Nationalparks Bestandschutz genieße.
Tourismus: Besonders im Tourismus- und Gewerbebereich sei der Nationalpark ein absoluter Gewinn für den Bayerischen Wald. Die Zahl der Gaststätten sei gestiegen wie auch die Übernachtungszahlen.


Ein Fehler

Sandwalls Kritik galt dem Zeitdruck, den das Ministerium bei der Entscheidung für einen Nationalpark Rhön gemacht hatte, das sei an ein Fehler gewesen. Als eine große Entlastung der Gemeinde bezeichnete Barbara Schultze, dass selbst im Winter in einem Nationalpark sehr viele Wege geräumt werden.
Holger Tillmann warf ein, dass die Wildschäden nur auf den angegliederten Flächen bezahlt werden, der Rest gehe leer aus. "Außerdem hat ein Gutachten gezeigt, dass man in Bad Bocklet auch nach der Einrichtung eines Nationalparks nicht mit mehr Touristen rechnen könne", merkte der 2. Bürgermeister an.


Nicht "abschmettern"

Uto Paul Schmitt: "Wichtig ist es, dass wir jetzt in die 3. Phase gehen. Dann haben wir auch die Möglichkeit mitzureden. Wir würden uns eine Chance verbauen, wenn wir den Nationalpark jetzt einfach abschmettern würden", sagte er.
Bürgermeister Sandwall: "Die 3. Phase ist sehr interessant, da hier Fachleute zu Wort kommen." "Wichtig ist auch, dass wir alle Bürger mit ins Boot holen. Dies kann aber erst dann geschehen, wenn wir konkrete Fakten auf dem Tisch haben", so Uto Paul Schmitt.
Mario Hümpfer: "Weshalb brauchen wir einen 3. Nationalpark überhaupt? Kann man nicht auch so in unserer Region in die Umwelt investieren?", stellte er in den Raum. Grundsätzlich solle man jetzt aber in die 3. Phase gehen, um zur Not auch noch die Reißleine ziehen zu können. "Wir wollen mitreden - das geht nur in der Konzeptphase", brachte Helmut Wischang es auf den Punkt.
Simone Götz stieß es sauer auf, dass man als Gemeinde vom Ministerium unter Druck gesetzt werde: "Wenn man nicht mitmacht, dann hat man verloren. Ich finde, dass wir hier am Gängelband geführt werden." Sie stellte fest, dass man die Aussage eines dortigen Jägers, dass man mit der Bejagung keinerlei Probleme hätte, nicht auf unsere Gebietskulisse übertragen könne. Im Bayerischen Wald habe man hauptsächlich mit Verbiss-Schäden durch Rotwild zu tun, weniger mit Schwarzwild-Schäden. "Bei uns hier sind die Wildschwein-Populationen erheblich höher. Ziel eines Nationalparks der Kategorie II wird sein, dass das Wildtiermanagement ausschließlich außerhalb der mindestens 75 Prozent großen Kernzone durchgeführt werden soll. Das bedeutet, das die Bejagung auf den verbleibenden 25 Prozent der Fläche stattfinden soll. Und das sehe ich als ein massives, wahrscheinlich nicht zu lösendes Problem an (gerade im Bezug auf die an den NP angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen)." Das gemachte Gutachten habe der angefertigt, welcher der Meinung sei, dass in der Rhön ein 3. Nationalpark entstehen muss - was in jedem Fall ein "Geschmäckle" habe.


Nebulöse Info-Politik

Als sehr nebulös bezeichnete Norbert Borst die Informationen, die man derzeit erhalte. "Ich kann den Aufschrei der Bürger verstehen. Wir sprechen hier von 10 000 Hektar, die nicht mehr genutzt werden können", merkte er an.
Bei der Versammlung in Stangenroth sei auf viele Fragen überhaupt nicht eingegangen worden, auch wie man bei Wildschäden bei Nichtanliegern verfährt, liege vollkommen im Dunkeln. Der Begriff "Wildtiermanagement" sei noch nicht erläutert worden. Die 3. Phase müsse in jedem Fall ergebnisoffen sein und der Bürger ins Boot geholt werden. "Unbegreiflich ist, warum hier bis Juli entschieden werden muss. Es ist einfach ein Unding und man kann so mit den Bürgern nicht umspringen", machte Volker Stahl seinem Ärger Luft. Hier müsse man einfach den Druck aus der Diskussion nehmen.


Chancen und Risiken

Viele Chancen, aber auch Risiken biete ein Nationalpark, meinte Christian Horn. "Ich fühle mich im Moment noch nicht in der Lage zu entscheiden, was überwiegt", sagte er offen. Beides müsste in der Konzeptphase abgewogen werden, für den Tourismus sei ein Nationalpark aber wohl eine Chance.
Am Ende der Sitzung lag dann der Beschlussvorschlag auf dem Tisch: "Der Marktgemeinderat von Bad Bocklet ist der Meinung, dass die Konzeptphase für den Markt Bad Bocklet von Vorteil ist und befürwortet die aktive Teilnahme daran". Mit einer Gegenstimme wurde dieser von der Mehrheit angenommen.

zum Thema "Nationalpark Rhön"

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