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Wanderung

Auf den Spuren des Monarchen

Der Königsweg glänzt mit barocker und klassizistischer Pracht, führt aber auch in die Einsamkeit der Wälder.
Lecker: Lamm mit Pilzen! Die Rhönschnuppe war bei ihrer letzten Extratour auf dem Königsweg in Bad Brückenau unterwegs.Joachim Rübel
 
von JOACHIM RÜBEL
Wandern kann man bei jedem Wetter. Werden die Güsse von oben aber allzu heftig, dann trübt das die Freude an der Sache schon erheblich. Vor allem im Herbst muss man in der Rhön mit plötzlichen Schauern rechnen. Aber nicht jeder lässt sich von dunklen Wolken abschrecken, so zum Beispiel Hedwig Hujer, die gut ausgerüstet in einer kleinen Gruppe auf dem Königsweg zwischen Bad Brückenau, Volkersberg und Staatsbad unterwegs ist: "Nein, schlechtes Wetter macht uns nichts. Wir sind aus Würzburg und dem Vogelsbergraum und haben uns extra für diese Extratour getroffen." Der Weg gefällt ihnen gut, sie sind immer wieder mal in Spessart und Rhön unterwegs.

Der Königsweg ist zwar nur neun Kilometer lang, aber man sollte doch gut drei Stunden einplanen, denn insgesamt sind auf der kurzen Strecke 332 Höhenmeter zu überwinden, man kann ins Schwitzen kommen: Zudem gibt es unterwegs mehrere Einkehrmöglichkeiten. Wer in Bad Brückenau startet, der marschiert erst einmal durch den Ort hinauf in Richtung Schützenhaus. Knapp 200 Meter vor dem Gebäude führt der Weg links in den Wald, wo an Bäumen ein rotes " K" auf weißem Grund angebracht ist - das Tourenlogo. Nun sollte man dem Streckenverlauf in Richtung Volkersberg folgen. Es geht weiter bergan, auf weich-federndem Boden, bei feuchtem Wetter sollte man nicht auf die glitschigen Wurzeln unter den Bäumen treten. Erste Verschnaufgelegenheit ist am Crailsheimplatz, wo ein Gedenkstein an den Juristen, Diplomaten und bayerischen Ministerpräsidenten Friedrich Krafft von Crailsheim (1841 bis 1926) erinnert. Interessant: Er war 1886 wohl maßgeblich an der Absetzung des "Kini" (Ludwig II.) beteiligt.

Unter alten Buchen und Nadelhölzern schlängelt sich der Pfad weiter in Richtung des Ortes Volkers. Bevor der Wald sich nach etwa zwei Kilometern lichtet, bietet die Luitpoldhütte - benannt nach dem Prinzregenten (1821 bis 1912) Gelegenheit zur Rast. Unbedingt empfehlenswert ist ab der Hütte der gut einen Kilometer lange Abstecher nach Volkers und dann hinauf zur alten Klosteranlage auf dem Berg. Alleine die barocken Anlagen, der Fernblick und die blühenden Gartenanlagen lohnen den Aufstieg. Zudem bewegt man sich hier auf freien Flächen, während ein Großteil des Königsweges in Waldgebieten liegt.

Zurück an der Luitpoldhütte geht es zunächst auf einer Schotterstrecke weiter, dann auf Naturwegen langsam aber sicher (etwa zwei Kilometer) hinab in Richtung Staatsbad Brückenau. Durch die Kuranlagen und die klassizistischen Bauwerke, die zur Zeit Ludwigs I. (1786 bis 1868) entstanden sind, führt der K-Weg am Kursaalgebäude vorbei hinüber zum Bellevue. Hervorragend Pause machen lässt es sich zuvor an der König-Ludwig-Eiche, einem 1000 Jahre alten Baum-Denkmal, in dessen Schatten der Monarch einst Gedichte verfasst hat. Wer sich für die Geschichte des Ortes, seine Architektur und die Biographie Ludwigs I. - er war 26 mal hier - interessiert, der findet in den Anlagen viele Möglichkeiten sich zu informieren.

Der Verlauf der Extratour verlässt nun das königliche Areal und wendet sich in sanftem Auf und Ab zwischen der Straße Brückenau-Zeitlofs und der Sinn in Richtung Bad Brückenau. Zunächst stört der Autolärm ein wenig, aber schließlich verlässt die Route die Straße und führt scharf nach links durch die offene Auen- und Parklandschaft über eine Brücke hinüber auf die rechte Seite der Sinn. Am Washingtonplatz mit seiner altertümlichen Blockhütte und den gut gepflegten öffentlichen Toiletten kann man ebenfalls rasten, bevor es langsam wieder nach oben geht: erst quer über die Ernst-Putz-Straße und hinauf auf einen Tourenabschnitt in halber Höhe, der eine schöne Aussicht auf Bad Brückenau und den Pilsterkopf auf der anderen Seite der Sinn ermöglicht. Die K-Runde schließt sich unterhalb des Schützenhauses. Wer auf diesem letzten Tour-Abschnitt nicht mehr den Hang hochsteigen möchte, der kann vom Washingtonplatz aus auch gleich in Richtung Bad Brückenauer Innenstadt weitergehen.

Auch wenn es mal regnet: Die Extratour Königsweg hat bei jedem Wetter etwas zu bieten, bei feuchter Witterung sollte man aber auf jeden Fall entsprechend dichte Kleidung, einen Schirm und vor allem gute Schuhe dabei haben. So wie der junge Wanderer Benedikt Hölldobler, den die dunkeln Wolken nicht stören: "Mir macht der Regen nichts aus, schließlich bin ich doch bei den Pfadfindern!"

Fazit:
Ein Weg der Gegensätze
Die Extratour Königsweg unterscheidet sich von anderen Wanderungen dadurch, dass sie vor allem drei wichtige Orte verbindet, von denen jeder einen etwas längeren Aufenthalt verdient. Die Wanderwege selbst - sie sind gut ausgeschildert - stehen da nicht so im Vordergrund. Manchmal wünscht man sich in den längeren Waldabschnitten mehr Aussichtsmöglichkeiten, aber dafür entschädigen dann das Panorama, das sich auf dem Volkersberg bietet, und der Blick über Bad Brückenau und das Sinntal hinweg. Bad Brückenau und das Staatsbad sind gut mit dem ÖPNV zu erreichen. Und an den Hauptorten gibt es jede Menge Einkehrmöglichkeiten (Infos im Internet). Starten zu dieser Extratour kann man auch im Staatsbad oder oben auf dem Volkersberg.

Bilanz zu den Extratouren: Routen der Premiumklasse
Der kurze Weg zur kleinen Auszeit. Ohne lange Anfahrt und vor allem ohne Reisestress - einfach raus aus der Komfortzone und rein in ein kleines Abenteuer fast vor der
Haustüre. Es fällt nicht schwer, nach zehn Extratour-Wanderungen in der Rhön eine Bilanz zu ziehen: denn das, was in den Flyern, im Internet und auf Infotafeln versprochen wird, das halten die Routen im großen Ganzen.
Die Ausschilderungen mit den roten Großbuchstaben auf weißem Grund sind nicht zu übersehen, die Wege sind gut in Schuss. Die Routen hat man mit Sorgfalt geplant, sie tragen den Titel "Premiumweg" zu Recht. Auch wenn das angekündigte Thema einer Extratour nicht immer den ganzen Verlauf bestimmt -z.B. geht es auf dem Basaltweg nicht nur um Vulkangestein - so weist das Motto doch immer auf wesentliche Merkmale der Strecke oder einen bestimmten Landschaftstypus hin.
Vor allem aber faszinieren die Extratouren durch ihren Abwechslungsreichtum. Perspektiven, Hangreliefs und Bewuchs variieren stark, je häufiger man unterwegs ist, desto mehr entwickelt man z.B. ein Gespür dafür, ob man an einem Ost- oder einem Westhang der Rhön entlangmarschiert.
Die Streckenlängen sollten für halbwegs fitte Zeitgenossen kein Problem sein. Man muss ja nicht gleich mit einer 20-Kilometer-Tour beginnen. Die Steigungen sind überwiegend moderat, auch wenn sich die Wege nach oben manchmal ganz schön hinziehen. Sehr hilfreich und ein absolutes Muss ist da das Faltblatt "Premium-Wandern auf Extratouren", in dem alle Wanderungen mit Angaben auch zu Höhenunterschieden und zu veranschlagender Gehzeit kurz vorgestellt werden; der Flyer mit Karte ist in allen Info-Zentren der Rhön und vielen Rathäusern gratis zu haben. Zudem kann man sich im Internet über jede der Extratouren auf verschiedenen Webseiten schlau machen. Grundsätzlich gilt: Schon vor der Wanderung in die Karte gucken.
Die Rhön hat auch für den, der glaubt schon alles gesehen zu haben, mehr zu bieten, als er meint: Vor allem in den Kernzonen des Biosphärenreservates hat sich in den vergangenen Jahren beeindruckend viel - Stichwort Wildnis - verändert. Auch an den Wanderwegen wird immer wieder gearbeitet und verbessert. Vielerorts werden Überdachungen erneuert, Rastplätze eingerichtet oder Liegebänke aufgestellt. Neben dem Würzburger Haus wurde erst vor drei Jahren ein nagelneuer Kinderspielplatz auf die Wiese gestellt.
Fazit nach zehn von 25 Extratouren: Nicht nur der 175 Kilometer lange Hochrhöner, auch seine kleinen Geschwister, die Extratouren-Rundwege, sind erstklassige Wanderrouten, die mit gleicher Energie und Fürsorge gepflegt werden und jedem etwas zu bieten haben. Man sollte sie nach und nach erwandern und genießen.

zum Thema "Hochrhöner Extratouren"

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