Klosterkreuzberg
Konflikt

Zwischen Bier und Glauben

Während für einen ehemaligen Pater des Kreuzbergs die Grenzen verwischen, verstehen die Pater vor Ort die Bewirtung als gute Franziskaner-Tradition.
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Glauben und Genießen - das gehört am Kreuzberg zusammen. Schwierig ist, dass die Grenzen zwischen Bier und Glauben immer mehr verwischen. Das findet zumindest Pater Stanislaus Wentowski, der im Oktober den Kreuzberg verließ. Foto: Marion Eckert
Glauben und Genießen - das gehört am Kreuzberg zusammen. Schwierig ist, dass die Grenzen zwischen Bier und Glauben immer mehr verwischen. Das findet zumindest Pater Stanislaus Wentowski, der im Oktober den Kreuzberg verließ. Foto: Marion Eckert
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Das Motto des Kreuzbergs lautet "glauben und genießen". Es ist ein Motto, dass die beiden Schwerpunkte des Kreuzbergs miteinander verbindet, den Glauben in Kirche und Kloster und den Genuss in der Gastronomie und Natur. Scheinbar ist es nicht immer einfach beides in Einklang zu bringen. Als sich Pater Stanislaus Wentowski im Oktober vergangenen Jahres vom Kreuzberg verabschiedete, um im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen eine neue Aufgabe zu übernehmen, sprach er zum Abschied über Situationen am Kreuzberg, die ihm durchaus schwierig erschienen, ihn belasteten und an seine Grenzen brachten.
Er sprach von einem Spannungsfeld, in dem er auf dem Kreuzberg lebte. Pater Stanislaus Wentowski: "Die Grenzen zwischen Bier und Glauben verwischen mehr und mehr. Ich habe darunter gelitten, dass manche Grenzen nicht gewahrt werden. Vielen Kreuzberg-Besuchern ist es nicht bewusst, dass der Kreuzberg ein Wallfahrtsort ist, dass wir hier ein Kloster haben. Es gibt viele Pilger und Gläubige, die bewusst zum Heiligen Berg der Franken kommen, um die Kirche zu besuchen und zu beten, die Besinnung und innere Stärkung suchen. Und dann gibt es Gäste, die schamlos mit dem Bierkrug die Kirche betreten wollen. Ein Bier unter dem Kreuz, das scheint ganz normal zu sein. Hier gibt es noch viel zu tun, damit die Kirche kirchlich und das Bier in der Wirtschaft bleibt."
Konkret bezog er sich auch auf den Karfreitag und sprach von den "ersten Betrunkenen", die Morgens um neun Uhr an der Schenke stehen. Es sei schwer den Sinn der Fastenzeit, von Verzicht und Karfreitag zu erklären, wenn gleichzeitig der Wirtschaftsbetrieb geöffnet habe. "Da bin ich als Franziskaner an meine Grenzen gekommen."
Auch habe er die Erfahrung gemacht, dass den Kreuzbergbesuchern diese Situation durchaus aufstoße. Er sei mit der Frage konfrontiert worden, ob der wirtschaftliche Gewinn an Karfreitag oder Aschermittwoch denn sein müsse. "Auch wenn durch den Wirtschaftsbetrieb Kloster, Provinz und Mission mit finanziert werden, sind Umsätze nicht um jeden Preis sinnvoll", hatte Pater Stanislaus gemahnt.
Gerade am Karfreitag falle dies besonders auf. Viele Menschen kommen schon am Vormittag um zu beichten, den Kreuzweg und Karfreitagsliturgie mit zu beten. "Sie treffen auf Betrunkene, die den freien Tag nutzen und sich mit Schließung der Schenke um 14 Uhr zum Parkplatz trollen, während die Gläubigen zur Karfreitagsliturgie zur Klosterkirche gehen. Hier treffen zwei Welten aufeinander", so Pater Stanislaus im Oktober.
Zu diesen Vorwürfen nahmen der neue Guardian Pater Martin Domogalla und Hausvikar Pater Georg Andlinger Stellung. "Wir haben hier keine zwei Welten", sagte Pater Martin gleich zu Beginn des Gesprächs. Pater Georg verwies auf die Vielfalt der Gäste, die zum Kreuzberg kommen und dort alle franziskanische Gastfreundschaft erhalten sollen. "Auch die, die zur Beichte und zur Kirche kommen, erwarten Stärkung und Bewirtung. Das möchten wir niemand verwehren. Sicherlich kommen auch viele Touristen und Konfessionell nicht gebundene Menschen, die einen Ausflug machen, essen und trinken möchten. Sie alle sind auf dem Kreuzberg willkommen und werden bewirtet. Die Gastfreundschaft soll hier jedem zu Teil werden."
Was Karfreitag angeht, sah Pater Martin wenig direkte Konflikt- und Berührungspunkte. Wenn der Kreuzweg am Freitag morgen um 11 Uhr gebetet werde, dann seien die Gläubigen lediglich bei den ersten zwei Stationen in der Nähe der Schenke, bevor es dann auf der Berg gehe. "Wissen Sie wie es am Karfreitag in Jerusalem zugeht? Da herrscht auch keine fromme Stille. Auch als Jesus gekreuzigt wurde, waren alle Geschäfte offen, es war ein ganz normaler Tag", sagte Pater Martin.
Das heiße nun aber nicht, dass er dem Karfreitag seinen Feiertagsstatus absprechen möchte. Im Gegenteil. "Wer Ruhe finden möchte, der findet auch Ruhe." Die Aussagen von Pater Stanislaus bezeichnete er als "hochgespielt". Natürlich habe der Kreuzberg eine spirituell-religiöse Bedeutung, aber dazu gehöre auch die Bewirtung der Gäste - in guter franziskanischer Tradition. Das Kloster und der Wirtschaftsbetrieb gehören zusammen, betont auch Pater Georg, der auf ein gutes und vertrauensvolles Miteinander setzt.
Was das Betreten der Kirche mit einem Bierkrug betreffe, auch das wollte Pater Georg nicht so hoch ansetzen. "Natürlich gehört es sich nicht, aber es kann auch sein, dass es vor kommt. Wir können es nicht verhindern, denn wir können nicht alles bewachen." Er geht davon aus, dass es aus Unbedarfheit heraus geschehe. Ein nettes aufklärendes und bittendes Wort eines Kreuzbergbesuchers, dem so etwas auffalle, könne da sicherlich helfen. "So ein Vorkommnis kann kein noch so gut geführter Wirtschaftsbetrieb verhindern." Pater Martin befand: "Da sollte man kein Drama draus machen. Natürlich würden wir jemand darauf ansprechen und aufklären, dass es so nicht geht."
Pater Georg lag es am Herzen, im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen auf die historische Entwicklung des Kreuzbergs zu blicken. Es sei von jeher Aufgabe der Patres gewesen, die Pilger zu verköstigen und zu bewirten. So sei auch die Brauerei entstanden und so sehe er die Brauerei, Gastwirtschaft mit Beherbergungsbetrieb nicht als Gegenpol zum Kloster und der Kirche sondern als Einheit. "Wir haben eine gemeinsame Pflicht".
Den Sinn der Fastenzeit zu vermitteln, das sei in der heutigen Zeit überall schwer, nicht nur am Kreuzberg. Natürlich sei das aus rein kirchlicher Sicht ein Spannungsfeld, aber so ein Spannungsfeld dürfe auch sein, betonte Pater Georg. Gastfreundschaft ohne religiöse Zielsetzung, aber aus dem franziskanischen Geist heraus, das sei für ihn spirituell und bodenständig zugleich. "Die Menschen kommen zum Kreuzberg weil sie sich hier wohl fühlen, weil sie sich angenommen und willkommen fühlen", ergänzte Pater Martin und verwies auf die vielen Stammgäste. Sicher suche nicht jeder das Gebet und die Kirche, doch man dürfe das Wirken des Heiligen Geistes nicht unterschätzen. Nicht umsonst sei der Kreuzberg so ein Anziehungspunkt.
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