Natürlich war es ein besonderer Aspekt, dass beim Abschlusskonzert ausgerechnet die Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie unter Leitung ihres Gründers und Chefs Adam Fischer im Großen Saal gastierte. Denn das Orchester hat seinen Dienstsitz in Bad Kissingens Partnerstadt Eisenstadt. Aber die Einladung wäre auch ohne diese Beziehung ein guter Griff gewesen.
Es war interessant, dass das Orchester zwei programmatisch bedingte Gesichter zeigte. Béla Bartóks viersätzige Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta ist ein wunderbares Werk, das vor allem im vierten Satz Ohrwurmqualitäten entwickelt, das mit ganz aparten Klangfarben spielt, die nicht nur durch die Kombination von Flügel, Celesta und Harfe möglich werden, sondern auch durch die Aufspaltung in oft eigenständige zwei Orchester. Dass die Eisenstädter diese fast schon jazzige Musik mit größter Delikatesse und Konzentration spielten, lag daran, dass sie dem Zuhörer zwar Vergnügen bereiten kann, dass sie aber äußert kompliziert gebaut und schwer zu spielen ist. Wenn, wie streckenweise der Fall, nach jedem Takt der Rhythmus wechselt, kann man sich nicht die geringste Unaufmerksamkeit erlauben - vor allem wenn es ein Werk ist, das nicht allzu häufig auf dem Spielplan steht. Man kann diese Musik fetziger spielen; aber was hat das Publikum davon, wenn es beim Zuhören nicht nachkommt. Adam Fischer hatte die richtige Entscheidung getroffen.
Das andere Gesicht zeigte sich bei Haydn, dem Namenspatron und "Hauptarbeitgeber" des Orchesters. Noch nicht so sehr bei der Kantate "Berenice, che fai?", bei der die Budapester Mezzosopranistin Atala Schöck eine fantastische Berenice sang - mit allerbestem Stimmsitz, der ihr ein offensives Angehen der enormen Schwierigkeiten gestattete, mit perfekter Intonation ohne überzeichnendes Tremolo, mit verblüffender Textverständlichkeit und mit einer entschiedenen Dramaturgie im sprunghaften Wechsel zwischen tödlicher Verzweiflung und gefährlicher Euphorie. Sie wusste genau, worauf sie hinaus wollte. Dass sie vielleicht eine Spur unterkühlt wirken konnte, lag mitnichten an ihrem hochemotionalen Gesang, sondern an ihrer sparsamen Gestik.
Hier folgten die Eisenstädter überzeugend dem dramatischen Konzept, hier saßen sie auf der Stuhlkante, weil man die Rezitative auch nicht nach dem Metronom spielen kann, sondern sich spontan nach der Solistin richten muss. Und Atala Schöck sang ja auch mitreißend
Aber bei der G-dur-Sinfonie Nr. 88 wurde schon hörbar, dass Haydns Musik zum täglichen Brot des Orchesters gehört, dass man sich schon seit 25 Jahren kennt. Da wurde wirklich gut musiziert, aber im Geiste einer unterhaltsamen Routine. Da hätte man sich die eine oder andere schärfere Konturierung vorstellen können, da hätte vor allem das Uhrwerkfinale stärkere dynamische Kontraste vertragen. Das setzte sich in der Zugabe fort: Bei Mozarts Figaro-Ouvertüre wurden zwar sicher alle Töne gespielt, aber nicht alle waren zu hören.