Sondersignal

Zum Einsatz - aber ohne Tatütata

Feuerwehrleute, die mit ihrem Privatauto zum Einsatz fahren, dürfen so manche Verkehrsregel überschreiten. Das wissen nicht alle Autofahrer.
Wie Stadtbrandinspektor Harald Albert und Feuerwehrmann Rainer Schmitt zeigen, gibt es die magnetischen Dachaufsetzer in verschiedenen Farben. Aber sie fordern alle dasselbe: Rücksichtnahme. Foto: Jule Albert
 
Ein freiwilliger Feuerwehrmann wird zum Einsatz gerufen. Er fährt mit über 80 km/h über den Ostring zur Wache der Feuerwehr Bad Kissingen. Die Ampel der nächsten Kreuzung zeigt Rot, er überquert sie trotzdem. Auf dem Dach seines Privatautos ist - ähnlich wie bei einem Taxi - ein gelbes Schild mit der Aufschrift: "Feuerwehr im Einsatz" montiert. Genügt das, dass er so fahren darf?

Ja, aber ... Dieses sogenannte Sondersignal erlaubt dem Feuerwehrmann bei äußerster Vorsicht und unter Ausschluss "jeglicher Gefährdung Dritter" mit erhöhter Geschwindigkeit zu fahren. Seit vielen Jahren besitzen rund zwei Drittel der 70 freiwilligen Feuerwehrmänner der Feuerwehr Bad Kissingen ein solches Schild. Das Magnetschild ist meist gelb mit schwarzer Schrift, kann aber auch rot und weiß sein. Die Feuerwehrmänner können dieses auf der Fahrt zur Wache auf dem Dach ihres Autos anbringen.

Die Erfahrungen mit dem Schild sind sehr unterschiedlich. "Es gibt immer Leute, die gar nicht reagieren, manche machen das sogar bewusst", erzählt Feuerwehrmann Rainer Schmitt. Er bedauert, dass keine Leuchtsignale oder eine Sirene für Feuerwehrmännern, die mit dem Privatauto auf dem Weg zur Wache sind, erlaubt werden: "Um das Schild zu sehen, müssen sich die Autofahrer ja erst einmal umschauen." Der Großteil der Verkehrsteilnehmer erleichtert den Männern und Frauen aber das Durchkommen. In den letzten Jahren hat sich das nach Einschätzung von Albert und Schmitt sehr verbessert.


Unfall trotz Schild

An der Kreuzung Erhardstraße/Ostring kam es vor einigen Jahren zu einem Unfall auf dem Weg zum Einsatz. Ein Feuerwehrmann fuhr auf dem Weg zur Bad Kissinger Feuerwehrwache bei Rot über die Kreuzung. Vorschriftsgemäß quert er mit "erhöhter Vorsicht" langsam die Fahrbahn. Ein anderer Autofahrer, der zuvor zum Abbiegen geblinkt hatte, fuhr unerwartet geradeaus und prallte in das Auto des Feuerwehrmannes. Den Schaden bezahlte die Versicherung erst nach halbjährigen Verhandlungen. "Ansonsten hatten wir in Bad Kissingen bis jetzt keine Unfälle auf dem Weg zum Einsatz", sagt Stadtbrandinspektor und Kommandant Harald Albert.


Immer wieder Behinderungen

"Manchmal beschweren sich die Leute auch, wenn sie jemanden sehen, der mit 80 km/h über den Ostring fährt", erklärt Albert. Zudem kommt es immer wieder zu Behinderungen der Feuerwehrleute, weil viele Autofahrer sich unsicher sind, wie sie sich richtig zu verhalten haben. "Die anderen Verkehrsteilnehmer müssen freie Bahn schaffen.", erklärt Harald Albert. Das kann bedeuten, dass man an den Rand fährt und hält, die Spur wechselt oder auch schneller fährt.


Autofahrer sensibilisieren

An Kreuzungen gilt ebenfalls das Prinzip: die Fahrzeuge der Feuerwehrleute nicht behindern. "Eine Minute verletzt in einem Auto eingeklemmt zu sein kann sich wie eine Ewigkeit anfühlen", gibt Harald Albert zu bedenken. Sein Ziel ist es deshalb, die anderen Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren, dass seine Männer schnell und vor allem sicher zur Wache und dem Einsatz kommen.
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