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Verkehr

Wildunfälle: Alle zwei Minuten kracht es

Im Winter häufen sich Wildunfälle, auch im Kreis Bad Kissingen. Polizei und Jäger raten dazu, langsamer und umsichtiger zu fahren.
Ein Wildunfall muss gemeldet werden, am besten direkt mit dem Handy bei der Polizei.  Foto: Marcus Börner/djv
 
von KATHRIN KUPKA-HAHN
Sie tauchen auf wie aus dem Nichts, stehen plötzlich auf der Straße. Die Augen leuchten im Scheinwerferlicht. Ein Aufprall ist selten zu vermeiden. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass davon in der Zeitung zu lesen ist. Vorgestern wurde ein Fuchs bei Gefäll angefahren. Tags zuvor verendete ein Reh nach einem Zusammenstoß mit einem PKW bei Schondra. Letzte Woche kollidierte eine Wildschweinrotte mit Fahrzeugen auf der Bundesstraße 19. Die Liste der Nachrichten ließe sich beliebig fortsetzen.

Besonders zur kalten Jahreszeit, scheinen sich Wildunfälle zu häufen. Erich Metz, Hegeringleiter für den Markt Burkardroth und Hassenbach, hat dafür eine einfache Erklärung. "Wann rollt die Karawane? Wann sind jetzt die meisten mit dem Auto unterwegs? In der Dämmerung. Morgens wie abends", sagt er. Das ist auch die Zeit, in der die Wildtiere unterwegs sind. Von einem enormen Anstieg der Zahlen möchte Metz nicht sprechen. "Wildunfälle gab's auch früher schon", meint der Zahlbacher. Nur wurden bei Weitem nicht alle bei der Polizei und den Versicherungen gemeldet. Schließlich hätten die Autos damals mehr Metall in der Knautschzone gehabt. Da sei nicht so viel kaputtgegangen.


Höchststand bei Wildunfällen

Aktuelle Zahlen belegen das. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) beziffert den Schaden, der 2015 durch Wildunfälle entstanden ist, auf 653 Millionen Euro. "Im Durchschnitt zahlten die Versicherer pro Fall 2485 Euro", heißt es. Zum Vergleich: 2006 lag die Schadenssumme der Wildunfälle noch bei 180 Millionen Euro. Somit sind in Deutschland noch nie so viele passiert, wie im vergangenen Jahr. Knapp 263 000 Wildunfälle wurden insgesamt bei den Versicherungen gemeldet, 2006 waren es noch 60 000 weniger. Rein rechnerisch hat 2015 somit alle zwei Minuten ein Wildunfall stattgefunden.

Im Landkreis wurden 2015 deutlich mehr Wildunfälle registriert als in den Jahren zuvor. Die Polizei Bad Kissingen hat 1035 Fälle erfasst. 2014 waren es 873. Heuer haben sich bis zum 6. Dezember 828 Wildunfälle ereignet. "Zur Entwicklung in den letzten zehn Jahren lässt sich anmerken, dass die Zahlen keinen eindeutigen Trend nach oben beziehungsweise nach unten erkennen lassen", antwortet Olaf Gräf auf Nachfrage. Die Zunahme in 2015 bezeichnet er als Ausreißer. Als möglichen Grund führt er das trockene Wetter an. "Welches das Wild zu vermehrten Wechsel wegen der Nahrungsaufnahme bewegte", so der Polizist.


Streusalz lockt Tiere auf Straße

Wo sich die meisten Wildunfälle im Landkreis ereignen, konnte Gräf nicht sagen. "Dazu ist die Zahl der Wildunfälle in den einzelnen Jahren zu abweichend", sagt er. Autofahrern rät er, auf entsprechende Beschilderungen zu achten und ihre Fahrweise anzupassen. Wolfram Zeller, Betriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten Bad Brückenau, bestätigt das. "In Waldgebieten sowie an Wald-Feld-Grenzen muss ich mit erhöhter Vorsicht fahren und runter vom Gas gehen." Außerdem empfiehlt er, dass die Jäger in ihren Revieren mehr Wild schießen. Zwar gebe es Abschusspläne. "Aber wer überprüft das", so Zeller.

Hegeringleiter Erich Metz möchte das so nicht stehen lassen. "Auch die Aussage, es ist zu viel Wild da, stimmt pauschal nicht", sagt er. Nach seiner Einschätzung habe die Zahl des Rehwildes abgenommen, dafür der Bestand des Schwarzwildes zugenommen. Als weiteren Grund dafür, dass die Tiere zur kalten Jahreszeit vermehrt die Straßen aufsuchen, nennt er das Streusalz auf der Fahrbahn. "Sie werden davon angelockt. Denn sie brauchen es", weiß Metz. Deshalb bringen die Jäger auch Salzlecksteine an.

Nicht nur Rehe oder Wildschweine werden immer wieder in Wildunfälle verwickelt. "Auch Rotwild, Feldhasen, Dachse, Marderhunde und Waschbären waren in der Vergangenheit beteiligt", schreibt Armin Straub vom Jägerverein Bad Kissingen auf Nachfrage. Er und seine Mitstreiter kümmern sich ehrenamtlich um die Wildbeseitigung nach einem Unfall.


Warn-App fürs Handy

Seit Oktober gibt es eine weitere Möglichkeit zur Information für Autofahrer: das wuidi-Wildwechsel-Radar fürs Handy. Auch die Polizei Bad Kissingen empfiehlt es. Über eine App erhält der Verkehrsteilnehmer eine Warnung bei der Fahrt durch Gebiete mit erhöhter Wildwechsel-Gefahr. Mehr als 4500 Autofahrer nutzen die App bereits, bestätigt Alfons Weinzirl von wuidi.de auf Nachfrage. Außerdem "haben wir das Revierportal für den Jagdrevier-Inhaber mit Unterstützung des Bayerischen Jagdverbandes entwickelt", fügt er hinzu. Bis jetzt hätten sich 250 Jagdreviere in Bayern daran beteiligt, geben regelmäßig ein, wo mit erhöhtem Wildwechsel zu rechnen ist. Wie viele Reviere es aus dem Landkreis Bad Kissingen sind, konnte er nicht sagen.
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