Wildflecken
Bundeswehr

Toter Soldat bei Schießübung in Wildflecken - nicht der erste Fall

Es ist ein Unglück, das nicht zum ersten Mal passiert ist. Schon 2004 starb ein Soldat bei einer Übung auf dem Truppenübungsplatz in Unterfranken.
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Bei einem tragischen Unglück starb am Dienstagnachmittag ein Soldat der Bundeswehr. Foto: News5/Fricke
Bei einem tragischen Unglück starb am Dienstagnachmittag ein Soldat der Bundeswehr. Foto: News5/Fricke
Die Soldaten der dritten Kompanie der Panzerbrigade 21 des Panzergrenadierbataillon 212 aus Augustdorf in Nordrhein-Westfalen waren zum Üben in die Rhön gekommen. Nun ist einer von ihnen tot. "Für die Kameraden ist das nicht einfach", sagt Oberstleutnant Siegfried Jooß, Sprecher des Heeres. Erst 22 Jahre alt war der Soldat, der auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken ums Leben kam.


Wildflecken: Soldat stand hinter Panzerfaust

Unmittelbar nach dem Unfall, der am Dienstag gegen 14.45 Uhr passierte, brach die Truppe die Übung ab. Mehrere Soldaten übten an einer Schießbahn das Schießen mit der Panzerfaust, berichtete das Polizeipräsidium Unterfranken. Bei der Abgabe eines Schusses befand sich der Soldat aus dem Kreis Paderborn genau hinter dieser Panzerfaust. Sein Kamerad, der den Schuss abgegeben hatte, ist genauso alt wie der getötete Soldat.

Durch die Wucht des Rückstrahls wurde der Mann mehrere Meter durch die Luft geschleudert und so schwer verletzt, dass er starb. Sofort wurde das psychosoziale Netzwerk der Bundeswehr alarmiert. Auch der Militärpfarrer kam, berichtet Jooß. Die Übung ist für die Kompanie nun zu Ende. "Die Truppe wird demnächst abreisen und zu ihrem Standort zurückkehren", berichtet Jooß.


Ehrenhain in Hammelburg geplant

Die Aufarbeitung des Vorfalls aber dauert an. Die Kriminalpolizei Schweinfurt führt in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zu dem Todesfall. Dazu wurde der Vorfall nachgestellt, um insbesondere die Situation und die zeitlichen Abläufe am Schießstand rekonstruieren zu können, schreibt das Polizeipräsidium weiter in seiner Mitteilung. Dazu sollen die Ermittler am Mittwoch erneut nach Wildflecken gekommen sein.

Es ist nicht der einzige Todesfall auf dem Truppenübungsplatz. Im Jahr 2003 starb ein Soldat, als er sich in einem Transporter überschlug. Nur ein Jahr später, am 7. Juli 2004, wurde ein 29-jähriger Berufssoldat der Gebirgsjägerbrigade 23 beim Nachtschießen getötet. Um das Gefechtsfeld zu beleuchten, wurde damals eine Leuchtrakete aus einer Panzerbüchse abgeschossen. Der Mann stand in der Rückstrahlzone, auch er war sofort tot.

Herbert Markert, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Brückenau, war zur Leicheninspektion vor Ort und erinnert sich an die ungeheure Wirkkraft der Waffe. Der Rückstoß könne einen Menschen regelrecht zerfetzen, deutet er das Ausmaß der Verletzungen nur an. Ein Notfallseelsorger, der damals Hilfe leistete, berichtet noch heute von der Fassungslosigkeit der Kameraden und Ersthelfer.

Unfälle wie diese passieren - nicht nur in Wildflecken

Unfälle wie diese passieren - nicht nur in Wildflecken. In Hammelburg starb ein Soldat im Jahr 2005. Er wurde durch zwei Schüsse getötet. Schon länger plant die Bundeswehr, in Hammelburg einen Ehrenhain anzulegen. "Dort soll aller Angehöriger des Standorts gedacht werden, die in Ausübung ihres Dienstes ums Leben gekommen sind, egal ob hier oder im Ausland", erklärt Jan Volkmann, Presseoffizier des Ausbildungszentrums Infanterie. Auch zivile Mitarbeiter schließe das Gedenken ausdrücklich mit ein.

Major Gordon Stütz findet das eine "gute Idee". Er ist der Kommandant des Truppenübungsplatzes Wildflecken. "So einen zentralen Ort gibt es bisher in Wildflecken nicht", sagt er. Vereinzelt aber seien Symbole der Erinnerung auf dem Platz zu finden, die Angehörige aufgestellt haben. Bald wird wohl ein weiteres Kreuz dazukommen.


So funktioniert eine Panzerfaust:


Einsatz Die Panzerfaust wird auch als Panzerabwehrhandwaffe bezeichnet. Die Bundeswehr setzt die Waffe zum Beispiel zur Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen ein.

Wirkprinzip Ihre enorme Durchschlagkraft entwickelt eine Panzerfaust durch das Prinzip der Hohlladung. Das bedeutet, dass der Sprengstoff im Geschosskopf kegel- oder halbkugelförmig eingelagert ist. Die Spitze durchschlägt die gepanzerte Oberfläche des Zielobjekts, beim Auftreffen kommt es zur Explosion.

Rückstoß Damit der Soldat, der den Schuss abgibt, nicht meterweit zurückgeschleudert wird, löst die Panzerfaust automatisch einen Rückstoß nach hinten aus. Auch wenn hierbei kein Geschoss abgefeuert wird, wirkt dabei eine ebenso große Kraft. Deshalb muss der Bereich hinter einer Panzerfaust grundsätzlich frei gehalten werden.
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