Die Störche lassen sich während der gesamten Veranstaltung nicht am Nest blicken. Nur Dohlen sind zu beobachten, wie sie Material für ihr eigenes Nest aus dem Storchennest stibitzen. "Hätten die Störche schon Eier, wäre sicher eines der Tiere zum Aufpassen im Nest. Denn für Dohlen sind Eier eine Spezialität", klärt Willecke die im Internet schon heiß diskutierte Frage nach der Anzahl der Eier.
Willecke gab einen Überblick über das vergangene Storchenjahr in Hammelburg , berichtete viel Wissenswertes über die Schreitvögel und zeigte den aktuellen Stand auf. Am 4. März war es soweit und Storchenmann Jakob flog ans Nest. Am 21.3. kam ein Weibchen nach. Ob es tatsächlich Adele ist lässt sich wegen der fehlenden Beringung nicht sagen.
Es wird spannend, ob das zweite Weibchen vom letzten Jahr wieder kommt und das zu Auseinandersetzungen am Nest führt. Am 10.3. fand eine Säuberungsaktion mithilfe der Feuerwehrdrehleiter statt. Ins Nest eingebautes Plastikmaterial, das für die Jungtiere gefährlich werden könnte, wurde entfernt. Zur Zeit finden Kämpfe mit durchziehenden Störchen statt.

Störung kostet Energie


Kaltes Wetter macht den Tieren wenig aus. Nur Nässe kann den Jungvögeln gefährlich werden. So starb die Brut 2010 an einer Lungenentzündung durch Schimmelpilze. Angesprochen auf Zufütterung der Störche stellt Willecke klar, dass dies nur im Bedarfsfall geschehe. Eine dauerhafte Fütterung der Wildtiere liege nicht im Sinne des Naturschutzes und der Tiere.
"Durch die Klimaveränderung kommen die Zugvögel früher und bleiben länger", sieht Willecke sich durch Jakob und Adele bestätigt. Auch der Schwarzstorch kommt wieder in unsere Wälder zurück. Er braucht zum Nestbau hohe, alte Bäume, die sich vor allem in naturbelassenen Waldbeständen finden.
Ein wichtiger Appell geht wieder an Spaziergänger und Hundebesitzer, Abstand von den Störchen auf den Saalewiesen zu halten und Hunde angeleint zu lassen. "Die Tiere verbrauchen bei jeder Störung Energie, die sie für die Aufzucht der Jungen dringend benötigen", stellt Willecke klar. Es werden jetzt extra größere Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen, dass Hunde auf den Saalewiesen anzuleinen sind, informiert BN-Aktiver Friedrich Mährlein.
Die Ankunft von Jakob wurde von vielen schon sehnsüchtig erwartet. Auch die heute zur Infoveranstaltung extra aus Bad Kissingen angereiste Familie Schäfer verfolgt das Storchenleben über die Webcam. "Ich bin geborene Hammelburgerin. Ich finde es schön und spannend, was sich auf dem Mönchsturm seit ein paar Jahren tut" , erklärt Helga Schäfer. Ehemann Albrecht wirft schmunzelnd ein, dass es manchmal schon sehr emotional wird. "Die Kämpfe ums Nest der beiden Storchenweibchen oder der Tod des einen Storchenjungen im vergangenen Jahr gingen uns sehr nahe."
Seit dem 19. Februar ist die Webcam wieder online und lässt den Blick ins Storchennest bequem vom Computer aus zu. "Seitdem ist die Seite schon schon 30 000 aufgesucht worden. Das ist eine Steigerung um das 1,8 fache", berichtete der Betreuer der Webcam und Homepage, Christian Fenn. "Insgesamt hatten wir 2011 172 000 Besucher auf der Storchen-Homepage. Das Interesse ist enorm."
Hatte manch einer der Anwesenden auf einen Schoppen Storchenwein wie im vergangenen Jahr spekuliert, ging er diesmal nüchtern nach Hause. Denn erst muss die Brut gelingen, dann wird es sicher wieder vor Abflug der Storchenfamilie ein Gläschen Hammelburger auf die gelungene Aufzucht geben.