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Region  // Bad Kissingen

Winterzauber

Von der besten Saite

Die 18-jährige Sarah Elsner gastierte mit ihrer Gitarre im Rossini-Saal.
Die 18-jährige Mellrichstäterin Sarah Elsner beeindruckte mit glänzender Spieltechnik und expressiver Musikalität. Foto: Gerhild Ahnert
 
von THOMAS AHNERT
Es ist ein harter Boden, den die 18-jährige Mellrichstädterin Sarah Elsner betreten hat, als sie sich für die Gitarre entschied. Denn das ist ein Instrument, das eigentlich jeder kennt, das viele schon einmal in der Hand gehabt haben, um am Lagerfeuer ein paar Akkorde zu schlagen.

Aber es ist auch ein Instrument, das sich in klassischer Spielart in der Wahrnehmung des Publikums schwer tut. Die großen Zeiten der Julian Breams, Pepe Romero, Andres Segovias, Leo Brouwers und Siegfried Behrendts sind vorbei, Maximo Diego Pujol ist vor wenigen Tagen 60 geworden, und echte Thronfolger sind nicht wirklich in Sicht. Thomas Friedrich, der die Besucher der Matinee classique im Rossini-Saal begrüßte, hatte nicht Unrecht mit seiner Feststellung, dass er sich überhaupt nicht erinnern könne, in Bad Kissingen jemals ein Gitarrenkonzert erlebt zu haben.


Technisch-musikalische Reife

Sarah Elsner hat das Zeug dazu, ihren Weg weiterzugehen. Die Schülerin von Ludger Umland an der Kreismusikschule Rhön-Grabfeld ist griff- und anschlagstechnisch schon sehr weit gekommen, und sie spielt mit erstaunlich wenig "Arbeitsgeräuschen", greift absolut sauber. Gut, das kann man durch mehr oder weniger intensives Üben hinbekommen. Was man aber mitbringen muss, ist die Musikalität, mit der diese technischen Voraussetzungen auch genutzt werden können. Zumal die Gitarre im Vergleich zu den gestrichenen Saiteninstrumenten ein etwas kleineres Klangfarbenspektrum hat.

Genau da liegt die große Stärke von Sarah Elsner. Wenn sie spielt, will sie nicht die Virtuosin, die große Geste in den Vordergrund stellen, sondern sie will - und kann - spannend erzählen. Sie spielt in melodiegeprägten Phrasen gerne so, als würde sie singen. Und sie analysiert die Sätze auch so gut, dass sie sie immer findet, dass sie Strukturen entwickeln und durch plausible, bildkräftige Betonungen im Spielfluss entwickeln kann, dass sie in ihrer Phrasierung immer auf Pointen zuspielen kann. Die Musik, die sie macht, ist in ihrem Fortgang immer durchhörbar und nachvollziehbar.


Viele Neuentdeckungen

Erfreulich war, dass Sarah Elsner ein Programm zusammengestellt hatte, das auf die sattsam bekannten Evergreens der klassischen Gitarre - fast - ganz verzichtete und einfach auch mal etwas anderes bot: etwa eine dreisätzige Partita des barocken Italieners Giuseppe Antonio Brescianello - sehr sanglich, leichthändig tänzerisch, mit einem höchst delikaten, nach innen gewendeten Mittelsatz als Kontrast. Sehr tänzerisch geriet auch das Rondo aus der A-dur-Sonate op. 21 von Ferdinando Carulli, in dem die Tonartenwechsel der Couplet sehr gut herausgestellt waren.

Noch nie in Bad Kissingen gespielt - da kann man Thomas Friedrich recht geben - wurden Kompositionen des 1909 geborenen Wieners Alfred Uhl. Zwei Sätze hatte Sarah Elsner ausgesucht, "Malinonia" mit meditativen, sehr langsamen Seufzerakkorden und einen "Tanz" mit raffiniert gebrochenen Rhythmen, der starke spanische Einflüsse nicht verleugnen konnte.

Von Heitor Villa-Lobos stammten die Preludes 1 und 2 mit starker Spannung zwischen Suchen und Voranstürmen im ersten und mit ganz locker musizierten Verzierungen und überraschenden Stimmungswechseln im zweiten Satz. Da stellte sich die Gitarristin dem Vergleich mit den Größen des Fachs - und hielt durchaus stand mit ihren eigenständigen Deutungen.

Johann Sebastian Bachs Gavotte I und II aus der Suite BWV 995 war ein echter Prüfstein. Sie ist schon für die Originalbesetzung der Laute mit ihren größeren technischen Möglichkeiten nicht ganz einfach, aber die Gitarristen müssen wirklich tüfteln, wie sie die Musik aus den Saiten holen. Umso erstaunlicher war nicht nur die Interpretation, sondern auch die Prägnanz, mit der Sarah Elsner die Basslinie herausgearbeitet hat.


Die Schwierigkeit des Leichten

Dass Musik, die leicht klingen soll, besonders schwer zu spielen ist, zeigten die selten zu hörenden "Variations on Malbroug", die Fernando Sor in den 1820er Jahren über das französische Volkslied "Marlborough s'en va-t-en guerre" (auch bekannt unter "For he's a jolly good fellow"). Da spielte Sarah Elsner mit dem Witz und den Überraschungen der fünf virtuosen Variationen. Aber da merkte man auch ein bisschen, welche enormen technischen Problemstellungen der Katalane seinen Kollegen hinterlassen hat.

Echte Probleme hatte bei den Bagatellen II und III der Komponist: William Walton, der noch nie etwas mit Gitarren zu tun gehabt hatte, musste sich erst einmal von Julian Bream, von dem er den Auftrag hatte, eine Grifftabelle besorgen, um anfangen zu können. Und gerade weil Sarah Elsner die beiden Sätze so gnadenlos klar spielte, hatte man Verständnis für Waltons Entscheidung, anschließend wieder zu seinem Kerngeschäft, der Orchesterkomposition, zurückzukehren.

Zum Schluss wurde es deftig mit zwei Sätzen von Máximo Diego Pujol: mit dem Tanz "Candombe en Mi" aus der Suite del Plata" und "Rojo y Negro" aus den "Tres piezes rioplatenes". Da entfachte Sarah Elsner ein kleines Klangfeuerwerk. Und da wurde plötzlich deutlich, was man sich während des Konzerts schon manchmal gedacht hatte: Die junge Gitarristin könnte noch stärker das kreative Potenzial des hässlichen Tons entdecken.
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