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Region  // Bad Kissingen

Kissinger Sommer

Unterhaltsame Abschlussmatinee

Wie man Chopin entlarvt und mit der Oboe Mozart singt
Kateryna Titova und Edgar Wiersocki spielen Schubert, Fotos: Ahnert
 
von THOMAS AHNERT
Man nehme einen Flügel und eine Oboe und spanne sie zusammen - und man hat eine spannende, unterhaltsame, einen Sonntag bestens einläutende Matinee.
Es war die Pianistin und ehemalige KlavierOlympionikin Kateryna Titova, die diese Matinee eröffnete, indem sie Beethovens Klaviersonate Es-dur op. 27/1 aus dem Schatten der schwesterlichen "Mondscheinsonate" holte. Sie tat das, indem sie den Untertitel "quasi fantasia" deutlich unterstrich mit einer sehr diffenzierten, freien Interpretation und mit starken Kontrasten arbeitete, aber stets den Spannungsbogen über das ganze Werk im Auge behielt.


Lyrisches im Heroischen

Edgar Wiersocki ging seine beiden Chopins angenehm nüchtern an. Das Scherzo cis-moll op. 39 spielte er mit starkem Zugriff, fast ein bisschen ärgerlich, wobei er die achtmalige Auflösung dramatischer Akkorde durch ein etwas banales Geklingel im Diskant vor allem als Effekthascherei entlarvte. Und in der As-dur-Polonaise op. 53 nahm er dem Beinamen "Heroische" seinen Schrecken, indem er in der Musik ein paar lyrische Ecken entdeckte, vor allem aber in der Mühelosigkeit seines Spiels den dramatischen Klängen ein leichtes ironisches Aroma gab - auch wenn es vielleichgt gar nicht seine Absicht war.
Gemeinsam spielten die beiden dann Schuberts "Lebensstürme" D 947, mit seinem tatsächlich stürmischem Beginn ein echter Prüfstein der Synchronität. Die Verschmelzung war perfekt, die rhythmischen Grundmuster liefen bruchlos durch, und die beiden hatten sich auf einen starken, ausgeglichenen Mittelstimmenbereich verständigt.


Plastischer Mendelssohn

Felix Mendelssohn-Bartholdys "Sonate écossaise" steuerte Kateryna Titova bei, deren ständige Temposteigerung bis zum Ende des letzten Satzes sie ausgesprochen plastisch modellierte. Und sie gestaltete sehr plastisch die typischen mendelssohnschen Elemente: das dramatische Verdichten und Entspannen und die Hurtigkeit, die sie im abschließenden Presto zu einem zauberhaften, höchst virtuosne Gipfel führte.
Ramón Ortega Quero, Solo-Oboist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundkunks - mancher kannte ihn noch von einer der frühen KlangWerkstätten - erweiterte das Programm in Richtung der menschlichen Stimme. Denn in der Bearbeitung der Arie "Ach, ich fühl's, es ist entschwunden" der Pamina aus Mozarts "Zauberflöte" zeigte Ortega, wie sehr der ungemein biegsame, ein bisschen angeraute, verletzliche Oboenton der Expressivität des Gesangs nahe kommt, mehr noch als die klangstabilere Klarinette. Und es war kein Wunder, dass im Hinterkopf des Zuhörers der Text der Arie mitlief.
Als Virtuosenfutter bester Güte erwies sich das "Morceau de salon" für Klarinette und Klavier des Böhmen Jan Wenzel Kalliwoda. Da hauten sich Ortega und Titova die Koloraturen um die Ohren, da spielten sie mit den Erwartungen, da jagten sie sich schließlich gegenseitig zu einem fulminanten Schluss.
Eigentlich wäre das der ideale Rausschmeißer gewesen. Aber wenn man schon mal einem Ramón Ortega Quero da hat, darf's auch noch etwas mehr sein. Und so legten die beiden noch Robert Schumanns Fantasiestücke für Klarinette und Klavier op. 73 in der Bearbeitung für Oboe von Ortega nach.
Natürlich reizte der Vergleich, denn Sabine Meyer hatte die drei Sätze vier Wochen vorher auch gespielt.
Und es zeigte sich, dass die Klarinette den weicheren Ansatz ermöglicht, dass die Töne wirklich aus dem Nichts auftauchen können.
Aber die Oboe mit ihren reicheren Obertönen ist, auch wenn sie leise gespielt wird, durchsetzungsfähiger gegenüber dem Klavier. So entstand eine neue Balance, die die Bearbeitung bestens rechtfertigte.

zum Thema "Kissinger Sommer"

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