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Artenvielfalt

Unkraut vergeht nicht - stimmt nicht

Im Sinnberggarten haben Bund Naturschutz und Verbände ein Projekt gestartet: Es geht um den Erhalt und die Vermehrung von Ackerwildkräutern.
Damit sie sich entwickeln und wachsen können, müssen die Samen gut gegossen werden - offenbar eine recht spannende Angelegenheit.
 
von ELISABETH ASSMANN
Mit dem Bund Naturschutz (BN), dem Naturpark und dem Biosphärenreservat Rhön nimmt auch der Landkreis Bad Kissingen an dem Programm der Bayerischen Kulturlandstiftung "Ackerwildkräuter für Bayerns Kulturlandschaft" teil. Jetzt fanden sich neben den Projektpartnern der Waldkindergarten "Fliegenpilz" und die Klasse 4c der Sinnbergschule ein, um das Projekt auch wirklich in Gang zu bringen. Die Kinder durften neun Ackerwildkräuter in die vom BN vorbereiteten Saatreihen säen, festdrücken und gießen.


Warum Unkraut vermehren?

Der Laie wird sich fragen, welchen Sinn es macht, Ackerwildkräuter zu vermehren und zu unterstützen, obwohl in der Öffentlichkeit der zunehmende Einsatz von gesundheits- und umweltgefährdenden Herbiziden in der Landwirtschaft kritisiert wird. "Es handelt sich hier nicht um Problemunkräuter wie Ackerkratzdistel und -Fuchsschwanz, sondern um konkurrenzschwache Arten, die den Ertrag des Getreide nicht mindern," klärt Projektbetreuerin Marion Lang von der Technischen Universität München auf, "Die Begleitpflanzen sind mit dem Ackerbau nach Mitteleuropa gekommen. Die Intensivierung der Landwirtschaft, die Aufgabe von ertragsschwachen Äckern, der vermehrte Einsatz von Herbiziden und Düngemittel, optimierte Saatgutreinigung sowie einseitige Fruchtfolgen führten dazu, dass von den 323 Ackerwildkräuter Bayerns fast ein Drittel auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht."


Das Getreide blüht erst später

Dass die Ackerwildkräuter eine Daseinsberechtigung haben, davon ist nicht nur der Geschäftsführer der bayerischen Kulturlandstiftung Dominik Himmler überzeugt. Schließlich stellen sie keine Konkurrenz zu den Getreidearten dar, da sie zu einem früheren Zeitraum blühen. Die Blühpflanzen sind wichtig für Insekten und Vögel wie die Feldlerche und das Rebhuhn. Nicht zu vergessen: Sie sind auch schön anzusehen.

Stellvertretender Landrat Emil Müller sicherte zu, diese Aktion zu unterstützen und gebührend an die Öffentlichkeit zu tragen. Auch der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Franz Zang freut sich über die zusätzliche Aufgabe, die der Sinnberggarten nun als Vermehrungsort für seltene Ackerwildkräuter übernimmt.


Fast 30 Jahre aktiv

Schon vor 29 Jahren haben ehrenamtliche Engagierte vom Bund Naturschutz die Bedeutung von alten Getreidesorten und Ackerwildkräutern erkannt und diese auf Schaubeeten angesät, gepflegt und der Öffentlichkeit mit Führungen gezeigt. Anwesend waren von Gründern des Sinnberggartens Irmgard Dietz und Walter Hartmann. Zang freute sich auch, dass es wieder ein Team von GärtnerInnen unter Leitung von Helga Hein gibt, die die Pflege übernehmen. Mit dabei sind Ulrike Ratajacjzak, Karla Gossler und Peter Lamping.

Das Projekt Ackerwildkräuter startete Anfang 2016 und wird bis Ende 2019 wissenschaftlich betreut. Dieses Jahr wurden bayernweit bereits 51 Arten an Ackerwildkräutern auf 85 verschiedenen Äckern gesammelt. Der Leiter der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, Roland Lenhart, reagierte sofort positiv und suchte nach geeigneten Flächen zur Vermehrung. Fündig wurde er bei dem Sinnberggarten des BN und bei Ackerflächen in Rothhausen und Rannungen. Davon säten nun die Kinder zehn Arten (u.a. Sommeradonisröschen, Rundblättriges Hasenohr, Acker-Rittersporn, Spatzenzunge, Sandmohn) am Sinnberg.


Weitere Flächen gesucht

"Für manche Arten ist es schon kurz vor knapp," umschreibt Lang die Notwendigkeit des Projektes. Ziel ist es, auf den Pilotflächen die konkurrenzschwachen Wildkräuter zu vermehren und mittelfristig auf landwirtschaftlichen Flächen wieder anzusiedeln und produktionsintegriert zu erhalten, um die Artenvielfalt auf Kulturflächen zu erhöhen. Dazu werden extensiv und biologisch bewirtschaftete Flächen genutzt und auch noch für den Landkreis gesucht.



Weitere Informationen


Ansprechpartner Interessenten, die geeignete Flächen für die Ansaat zur Verfügung stellen wollen, können sich bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB), Roland Lenhart, Tel.: 0971/801 41 15, Fax: 0971/ 801 774 115, melden.

Zielsetzung Das Projekt fördert Landwirte als Partner des Naturschutzes in der Agrarlandschaft und trägt zum Aufbau einer neuartigen regionalen Wertschöpfungskette bei.
Betreuung Marion Lang von der Technischen Universität München wird die Fläche im Sinnberggarten regelmäßig kontrollieren und die Betreuer vom BN einweisen. Ab Juli könnten dann voraussichtlich die Samen der einzelnen Arten geerntet werden.

Führungen Die BN-Kreisgruppe wird die Öffentlichkeit im kommenden Jahr bei Führungen am Sinnberg über das Projekt informieren.
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