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Mein Volk!

Unerwartet aktuell

Zur Palastrevolution marschierte das Jugendmusikkorps in den Großen Saal ein.
Berauscht von seinen eigenen Parolen, greift der Tribun (Adnan G. Köse) zur Flasche. Im Hintergrund das Jugendmusikkorps und Mitglieder von Kisspercussiva. Foto: Gerhild Ahnert
 
von THOMAS AHNERT
Wieso dachte man nur so oft an Donald Trump? Was hatte das Jugendmusikkorps mit ihm zu tun. Das war zur "Palastrevolution" in den Großen Saal einmarschiert und hatte das Podium besetzt, ohne auf Widerstand zu stoßen. Dort sollte eine Kundgebung stattfinden. "Mein Volk!" war das Konzert überschrieben.
Ein Titel, der einen Herrscher voraussetzt. Aber erst einmal ging es um Revolution. Der Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller Adnan G. Köse (G. steht für Günter), der auch die Veranstaltung entwickelt hatte, las aus revolutionären und Reaktionären Texten, etwa aus Stefan Zweigs Roman "Joseph Fouché, Bildnis eines politischen Menschen" über den Revolutionär und Royalisten, Kommunisten, Millionär, Wendehals und Opportunisten: den Politiker per se. Köse zitierte Georg Büchner ("Dantons Tod"), den reaktionären Henry A. Wallace ("The Century of the Common Man") und aus Heimer Müllers "Hamletmaschine": "Der Aufstand beginnt beim Spaziergang."
Das Jugendmusikkoros hatte sich ausgezeichnet vorbereitet. Es spielte die passende Musik: Händels prächtiges Menuett aus "Berenice, Regina di Egitto", den Konzertmarsch "Arsenal" von Jan van der Roost, den kriegerischen "Mars" aus Gustav Holsts "Planeten" - schließlich ist Mars nicht nur Planet, sondern auch Kriegsgott - und die berühmte "Fanfare for the common man" von Aaron Copland. Dazu spielten Mitglieder von Kisspercussiva vier der skurril-gefährlichen Sätze aus Mauricio Kagels "6 Percussion Duos" mit dem bezeichnenden Titel "Rrrrrr". Insgesamt eine durchaus beklemmende Einstimmung auf das, was kommen sollte.
Und da sind wir wieder bei Donald Trump. Mauricio Kagel hat sein Stück "Der Tribun" für einen politischen Redner, Marschklänge und Lautsprecher 1979 geschrieben. Aber es ist plötzlich hochaktuell. Da torkelt - erst geistig, dann auch alkoholisch der Tribun durch die Szenerie, wendet sich an sein Volk und sondert Parolen von einer derartigen sophistischen Sinnentleertheit ab, dass selbst Pegida-Parolen als intelligent, wenn auch trotzdem falsch, erscheinen. Da gab Köse den absoluten Kotzbrocken, der das Volk mit philosophischer Bauernschläue für dumm verkauft - mit einer Collage aus echten Zitaten! Und das JMK spielte dazu aus Kagels "Märschen, um den Sieg zu verfehlen". Hut ab! Derart absichtlich falsch zu spielen, das muss man können. Das ist mit Nichtüben nicht zu schaffen.

zum Thema "Kissinger Sommer"

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