Region // Bad Kissingen
Neue Ideen für das Schweinfurter Armee-Gelände
Die Schweinfurter sollen Vorschläge machen, was nach Abzug der US-Army aus Schweinfurt mit mehr als 200 Hektar Grund in Stadt und Landkreis geschieht. Dafür wurde eigens ein Diskussionsforum geschaffen.
Wohnen? Freizeit? Bildung? Tourismus? Oder Geschäfte? Wie werden Stadt und Landkreis Schweinfurt die fast 3000 Hektar und rund 800 Gebäude nutzen, wenn bis Herbst 2014 die knapp 12.000 Amerikaner die Region verlassen haben und dann einen der größten europäischen Standorte der US-Armee geschlossen wird? Die Bürger sind dazu aufgerufen, ihre Ideen einzubringen. Zunächst drei Wochen lang online auf der Plattform www.zivilarena.de und am 30. November bei einer Ideenwerkstatt im Konferenzzentrum auf der Maininsel.
Seit Februar 2012 wissen die Stadt und der Landkreis, dass die Amerikaner gehen werden. Mehr als 100 Hektar werden dann im Stadtgebiet frei, 200 Hektar gar im Landkreis. Jeweils bebaut. Dazu kommt das rund 2500 Hektar große Übungsgelände Brönnhof und die Victory-Schießanlage im Norden der Stadt. Bis März 2013 will die beauftragte Firma BulwienGesa AG aus München ihr Konversionsgutachten vorlegen und dann für alle Areale jeweils zwei alternative Vorschläge vorbringen.
Eine Stadt für sich
So gibt es bisher in einer eigenständigen amerikanischen Stadt in der Stadt beispielsweise eine Highschool, Trainingsanlagen und Wohngebäude, Militärverwaltung, Krankenhaus, Einkaufszentrum, Supermärkte, Bank, Post, Sportplätze, Kirchen, eine Tankstelle und sogar ein eigenes Wasserwerk."Man kann jetzt in Ehrfurcht erstarren oder die Neugestaltung als Chance aktiv angehen", sagt der Geschäftsführer der Zivilarena GmbH, Oliver Nöthen. Eine Bürgerbeteiligung sei in so einem Fall zwar keinesfalls selbstverständlich, "vielleicht aber machen sich die Leute ganz andere Gedanken und entwickeln Visionen", hofft er. Der neue Internetauftritt ist online und informiert über alle Gebäude, Anlagen und Gebiete. Ab dem 27. Oktober können drei Wochen lang konkrete Ideen ein- und zur Diskussion gestellt werden. "Schweinfurt nach der Army" heißt das, was daraus entstehen soll. Als Moderatorin fungiert Wanda Wieczorek.
Profis wollen sich zurückhalten
"Wir Profis werden uns darin zurückhalten bis zum Gutachten", versichert Hans Schnabel mit Zustimmung von Konrad Bonengel. Die beiden Konversionsbeauftragten von Stadt und Landkreis haben natürlich, wie auch andere Entscheidungsträger der beiden Kommunen, konkrete Ideen, was aus den Liegenschaften werden könnte. Wöchentlich würden jetzt schon Investoren anfragen. Doch bis Oktober 2014 gehören die Gebiete und Gebäude noch den Amerikanern, dann gehen sie an die Bundesbehörde über, "und dann will das Finanzministerium sicherlich Geld in seine Kassen spülen", weiß Schnabel mit einem konkreten Hinweis auf mehr als 200 erwerbbare und begehrte Hektar direkt an der Autobahn.
Anregungen erhofft man sich seitens der Bevölkerung, klar aber auch ist: "Es gibt keine Realisierungsgarantie", sagt Oliver Nöthen. Es wird auch nach den drei Wochen keine Art Voting geben, es wird kein "Top-Vorschlag" ermittelt. "Denn wenn dann 93,8 Prozent der Schweinfurter für eine Sport-Uni wären, dann sind sie vielleicht enttäuscht, wenn sie doch nicht kommt", so Hans Schnabel. Er erwartet sich viel von der Plattform und einen regen Austausch. "Wenn nur zwei Hansele diskutieren, dann könnten wir die Zivilarena in der Pfeife rauchen", spaßt der Konversionsbeauftragte.
Die GmbH mit Sitz in Berlin gibt es erst seit 2011. Erfahrungswerte einer solchen Internet-Einrichtung fehlen deshalb noch. Parallel aber sucht die Zivilarena im saarländischen Ensdorf nach Ideen für die Nachnutzung einer 140 Hektar große Fläche der stillgelegten Bergwerksanlage Duhamel. Online erreiche man eine andere Zielgruppe und treffe auf Menschen, die vielleicht Hemmungen haben, in einer Diskussionsrunde live mit mehreren hundert Leuten ihr Gesicht zu zeigen.
Gleichwohl findet am 30. November die Ideenwerkstatt im Konferenzzentrum statt, wonach alle Beiträge ausgewertet und in das Konversionsgutachten einfließen werden. Und nach diesem Gutachten wiederum werden Stadt- und Kreisrat ganz konkret mit den Diskussionen um Realisierungen beginnen.















