Bad Kissingen
Kissinger Sommer

Tiefe Einblicke in ein großartiges Werk

Ein Nachmittag mit dem "Kissinger Meisterduo" Igor Levit und Feng Ning
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Seit ein paar Jahren ein Team: Igor Levit und Feng Ning. Foto: Ahnert
Seit ein paar Jahren ein Team: Igor Levit und Feng Ning. Foto: Ahnert
Sie haben sich beim Kissinger Sommer zwar nicht das erste Mal getroffen - das war vor fünf Jahren in China. Aber letztlich sind sie durch das Festival zu einem Duo zusammengewachsen: der Geiger Feng Ning und der Pianist Igor Levit. Jetzt waren sie wieder da, unter dem Markenzeichen "Kissinger Meisterduo", zum Nachmittag am vorletzten Tag im Rossini-Saal.
Bei aller Vorfreude und Freude über die beiden schlichen sich aber auch plötzlich kleine trübe Gedanken ein. Noch nicht allerdings beim ersten Werk, der Sonate für Violine und Klavier von Maurice Ravel. Da war eigentlich noch alles normal. Man kennt die beiden ja als Musiker, die aufeinander zu spielen, die den gemeinsamen Atem haben. So entwickelten sie im ersten Satz ein phantastisches Klangfarbenspiel, ohne die Eigenständigkeit der beiden Instrumente aufzugeben, die sich schon darin zeigt, dass sie gleichzeitig verschiedene Themen vortragen, ohne konfrontativ zu werden. Erst allmählich erdete sich die Musik ein wenig.


Konzeptionen der Härte

Der Mttelsatz ist einer der eigenwilligsten Sätze von Ravel. "Blues" hat er ihn überschrieben. In ihm entwickelten die beiden langsam Spannung: Die klangliche Ausgewogenheit wich einer stärker werdenden rhythmischen Härte. Das Klavier wurde zunehmend perkussiv , während sich die Violine mit ihrem Pizzicato in die Nähe des Banjos rückte. Das war das Klima, das in den letzten Satz, "Perpetuum mobile" hinüberreichte, aberwitzig schnell gespielt, konfrontativ, fast wie eine Drohung.
Die Fragezeichen schlichen sich beim Zuhörer ein bei Ludwig van Beethoven G-dur-Sonate op. 96, wo die Konzeption von Feng Ning irritierte. Das Werk ist Beethovens letzte der artige Komposition, da hat sich, auch wenn der Titel anderes signalisiert, die Violine längst emanzipiert, ist von der Begleitung des Klaviers zum eigenständigen Partner geworden. Das heißt: Sie hat auch etwas zu sagen. Und den eindruck hatte man bei der Interpretation eigentlich nicht. Sie war über weite Strecken leise und defensiv. Selbst an Stellen, wo sie sogar aggressiv werden könnte. Wenn die Violine Synkopen gegen den Rhythmus des Klaviers spielt, ist das ein Akt des Widerstands, des Trotzes und nicht des Sich-Versteckens oder Entschuldigens. Wenn man Feng Ning nicht besser kennen würde, würde man sagen: Ihm ist halt an diesen Stellen nichts eingefallen. Aber das wäre ungewöhnlich. So musste das Klavier ständig die Führung übernehmen.
Größten Eindruck hinterließ dagegen die 2. Violinsonate op. 36a von Ferruccio Busoni, die die beiden erstmals öffentlich spielten und die Igor Levit einem verunglückten Freund widmete. Das ist ein wirklich großartig gebautes Werk, das nicht nur lagen Atem erfordert, sondern auch viel Gestaltungskraft. Da war die Balance wieder im Lot, da spielten die beiden mit großer Kraft wieder aufeinander zu. Da gab es die kämpferischen Auseinandersetzungen, die in Variationen über Bachs "Wie wohl ist mir, o Freund der Seele" mündeten. Das war große Emotion undf ein Blick in ein großartiges Werk.
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