Sanierung

Teuere Lösung für Terrassenbad favorisiert

Der erste Bauabschnitt im Freibad beschäftigte den Bad Kissinger Stadtrat erneut. Die Planer sollten günstigere Alternativen vorstellen. Mit Kommentar
Nichtschwimmerbecken (oben), Aktionsbecken (unten) sowie Kinderplanschbecken sollen für 2,59 Millionen Euro erneuert werden. Foto: Benedikt Borst
 
von BENEDIKT BORST
Viel Unmut, und viel Kritik gossen die Stadträte am Mittwochabend über das Ingenieurbüro plafog aus, das die Sanierung des Terrassenbades plant. Geschäftsführer Manfred Klaus hatte zuvor sechs Varianten für den ersten Bauabschnitt vorgestellt, in dessen Zug Kinderplansch-, Nichtschwimmer- und Aktionsbecken erneuert werden sollen.

Ende Juli wurde bekannt, dass die reinen Baukosten für den ersten Sanierungsabschnitt gegenüber ersten Schätzungen um 470 000 Euro auf 2,16 Millionen Euro steigen. Mit Nebenkosten liegen die Arbeiten bei 2,59 Millionen Euro. Der Bauausschuss beschloss daraufhin, die bereits gelaufene Ausschreibung aufzuheben und schickte die Planer zurück ans Zeichenbrett, um günstigere Lösungen zu prüfen.

Die neu angebotenen Alternativen sorgten aber ebenfalls nicht für Begeisterung. "Es ist ernüchternd, wenn man hier immer wieder lernt, dass Kostenrichtwerte nur grobe Schätzungen sind", kritisierte Steffen Hörtler (CSU) die Planer. Für die günstigste Variante veranschlagt plafog inklusive Baunebenkosten 2,16 Millionen Euro, die teuerste Variante bleibt nach wie vor die im Juli vorgestellte. In der teuersten Variante sind alle drei Becken wie bisher nutzbar. Das heißt, die Beckengröße, die Wassertiefe und die Attraktionen (Wasserfall, Rutsche) bleiben erhalten, auch wenn Beckenränder und Bodenbereiche um die Becken herum angehoben werden. Das ist laut Manfred Klaus aus technischen Gründen unumgänglich. Einsparpotenzial ergibt sich nur durch erhebliche Einschnitte. In der günstigsten Variante hieße das, das Aktionsbecken unterhalb des Nichtschwimmerbeckens nicht zu erneuern, sondern komplett in eine Liegefläche umzuwandeln.


Streit ums Aktionsbecken

Richard Fix (Grüne) war Wortführer der Kritiker. Im Bauausschuss im Juli sei die Kostensteigerung damit begründet worden, dass die Beckenränder und somit auch die Außenbereiche erhöht werden müssen. Fix wie wohl die meisten Stadträte hofften auf eine günstigere Lösung, wenn die Becken mit einer geringeren Wassertiefe geplant werden. Als diese Hoffnung sich nicht erfüllte, war der Ärger groß. "Ich fühle mich im Bauausschuss falsch informiert", schimpfte Fix. Thomas Menz (SPD) äußerte die Befürchtung, dass die Kosten für die Sanierung weiter steigen.

Am Ende lief die Diskussion im Gremium darauf hinaus, die teuerste Variante zu nehmen, um den Status quo zu erhalten - oder aber sich für eine günstigere Variante zu entscheiden und das Aktionsbecken zu streichen. Die Ausschussgemeinschaft Grüne/BfU/ödp/FDP setzte sich für die Sparversion ein. "Das Aktionsbecken wird meiner Erfahrung nach nur beschränkt genutzt", argumentierte Fix, und: "Die Massagedüsen lassen sich auch im Nichtschwimmerbecken unterbringen." Das Aktionsbecken zur Liegewiese zu gestalten würde der Stadt letztlich Sanierungs- und Betriebskosten sparen.


Entscheidung fiel knapp aus

Hörtler sprach sich für das Aktionsbecken aus. "Lasst uns bitte keinen Schritt zurückgehen", plädierte er. Laut SPD-Stadträtin Birgit Eber hat sich der Familienbeirat ebenfalls dafür eingesetzt. Es handle sich um eine Attraktion für Jüngere. Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) favorisierte die teuerste Lösung, weil sie dem Status des Terrassenb ades als Wahrzeichen der Stadt gerecht werde. Er warnte aber davor zu glauben, dass später mehr Besucher ins Freibad kommen, nur weil aufwendig saniert wurde: "Das Freizeitverhalten hat sich geändert. Ich glaube nicht, dass wir Besucherzahlen aus alten Zeiten bekommen."

Das Gremium beschloss vorbehaltlich der Genehmigung im Haushalt mit 15 zu 11 Stimmen, den ersten Sanierungsvorschlag umzusetzen und alle drei Becken für 2,59 Millionen Euro zu ertüchtigen. Frühester Baubeginn ist nach der nächsten Badesaison im Herbst 2017.

Kommentar: Risiko hat sich nicht gelohnt
Nach langem Kampf um die günstigste Lösung haben sich die Stadträte doch für die teuerste, weil umfassendste entschieden. Im Nachhinein wissen es zwar alle besser, aber ärgerlich ist es trotzdem. Wären sie im Juli auf Nummer sicher gegangen, hätten sie die Ausschreibung nicht aufgehoben und neu planen lassen, könnten jetzt schon die Bagger im Terrassenbad stehen. Geld wurde keines gespart, dafür ein Jahr verloren.Ein kleiner Trost ist immerhin, dass bisher keine an der Ausschreibung beteiligte Firma die Stadt in Regress genommen hat. Ist alles falsch gelaufen? Ich finde nicht. Für einen demokratischen Prozess wäre es bedenklicher, wenn eine Kostensteigerung in dieser Größenordnung einfach geschluckt worden wäre.

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