Bad Kissingen
Stromtrasse

Südlink: Wo steht der Landkreis?

Still geworden ist es um den Protest gegen den Netzausbau. Doch hinter den Kulissen geht die Arbeit weiter. Die Initiative Rhönlink und das Landratsamt bereiten eine Stellungnahme vor. Der Stichtag: 13. Dezember.
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Erdkabel statt Freileitungen: Das Bild zeigt Rohre in Nordrhein-Westfalen, durch die der Netzbetreiber Amprion Erdkabel führen will. Foto: Roland Weihrauch/dpa
Erdkabel statt Freileitungen: Das Bild zeigt Rohre in Nordrhein-Westfalen, durch die der Netzbetreiber Amprion Erdkabel führen will. Foto: Roland Weihrauch/dpa
Sie sind in der Schublade verschwunden, die Pläne für den Bau der Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung Südlink, gegen die die Rhön so gekämpft hat. Die Bundesregierung hat den bisherigen Planungsentwurf, der hauptsächlich Freileitungen vorsah, gekippt und stattdessen einen Vorrang für Erdkabel angeordnet. Nun warten die betroffenen Bürger, dass der Netzbetreiber neue Pläne vorlegt.

"Nichts",antwortet Michael Roth schlicht auf die Frage, ob es schon einen Planungskorridor gebe, wo die Erdkabel verlegt werden könnten. Keine Pläne, keine Trasse, keine eindeutige Kostenangabe. Noch nicht einmal die Breite einer Erdkabel-Trasse steht fest. Sie variiert je nach den Vorgaben für das Bauprojekt, erklärt der Projektleiter Kommunikation Südlink bei Tennet. "Wir müssen erst einmal abwarten, wie das Gesetz letztendlich aussieht."

Eine Absage erteilt Roth der Befürchtung, die neue Trasse könnte die alte sein. "Für Erdkabel gelten ganz andere Kriterien als für Freileitungen", erklärt Roth und nennt gleich ein Beispiel. Spielte bei Freileitungen der Vogelschutz eine große Rolle, so falle dieses Kriterium bei Erdkabeln völlig unter den Tisch. "Es wird andere Korridorverläufe geben", macht Roth klar. Wann und wo sei völlig offen. Auch darüber, ob die Fertigstellung bis zum Jahr 2022 überhaupt noch realistisch sei, wagt er keine Prognose.


Wechselstromtrasse von Mecklar nach Grafenrheinfeld im Fokus

"Südlink beschäftigt uns frühestens wieder im Frühjahr", sagt Jochen Vogel, Vorsitzender der Initiative Rhönlink, in der sich Bürgerinitiativen, Kommunen, Landkreise und Verbände gegen die "Schlagader der Energiewende" zusammengeschlossen haben. Mit konkreten Trassenvorschlägen rechnet er nicht vor 2017. Dafür bereitet ihm eine andere Leitung Kopfzerbrechen: die geplante 380 Kilovolt-Wechselstromleitung von Mecklar (zwischen Bad Hersfeld und Bebra) nach Grafenrheinfeld.

Eigentlich sollte diese Leitung neu gebaut werden. Das Projekt ist Teil des groß angelegten Netzausbaus, der für mehr Netzstabilität und Versorgungssicherheit sorgen soll. In Hessen hat sich schon früh Widerstand gegen den Neubau geregt. Auch in Bayern wurde nicht gern gesehen, dass der Netzknotenpunkt Grafenrheinfeld weiter belastet wird. Nun soll die Region - so hat es die Koalitionsspitze im Juli vereinbart - entlastet werden.

Ob es sich aber um eine echte Entlastung handelt, erscheint fraglich, denn im ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans für das Jahr 2025 sei der Bereich weiter mit einer Ellipse hervorgehoben, berichtet Vogel. Zudem sei eine alternative Trassenführung eingezeichnet, bei der die Leitung auf bereits bestehenden Masten verlaufen könnte. Der jetzige Entwurf spare den Landkreis zwar aus, aber: "Wir wollen weiter auf die Belange der Rhön hinweisen", sagt der Rhönlink-Vorsitzende.

Noch bis zum 13. Dezember kann die Öffentlichkeit bei der Bundesnetzagentur Stellung zu den Plänen nehmen. Rhönlink und das Landratsamt Bad Kissingen arbeiten zur Zeit an einer Stellungnahme, die als Muster gedacht ist. Das Vorgehen sei mit den Partnern des Hamelner Kreises abgestimmt. "Wir hoffen, dass sich die Bürgerinitiativen und Gemeinden beteiligen und auch Stellungnahmen einreichen", wirbt Vogel um Unterstützung für den Widerspruch. Alles in allem zieht er aber ein positives Fazit: "Wir haben erreicht, dass man jetzt in der Trassenplanung ganz anders über die Rhön denkt und spricht als vorher."


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