Gesundheitsreport

Rhön ist Bayerns kränkste Region

Die Menschen in Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld sind am häufigsten krankgeschrieben. Laut DAK-Studie werden Frauen und Männer unterschiedlich krank.
Nirgends in Bayern holten sich die Arbeitnehmer öfter den gelben Zettel von ihrem Arzt: In den beiden Rhöner Landkreisen waren durchschnittlich täglich 46 von 1000 Menschen krankgeschrieben. Foto: Franziska Koark
 
von RONALD HECK
Die Rhön ist weiterhin trauriger Spitzenreiter in Bayern: Mit 4,6 Prozent liegt der Krankenstand in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld deutlich über dem Landesdurchschnitt von 3,6 Prozent. Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) wertet jedes Jahr die Krankschreibungen der bei ihr versicherten Arbeitnehmer aus. Bayernweit waren das Daten von rund 372  000 erwerbstätigen Mitgliedern und rund 10 000 in den beiden Rhön-Landkreisen.


Der negative Trend verschärft sich

Laut DAK-Gesundheitsreport 2016 ist der Krankenstand insgesamt gestiegen: In Bayern um 0,2 Prozentpunkte, in der Rhön sogar um 0,5. "Damit haben wir nach wie vor den höchsten Krankenstand in Bayern", stellt Wolfgang Flaig, der Leiter der DAK-Servicestelle in Bad Kissingen, fest. 4,6 Prozent bedeutet, dass in der Region letztes Jahr durchschnittlich 46 von 1000 Arbeitnehmern an jedem Tag krankgemeldet waren. Interessanterweise liegen die Nachbarregionen Schweinfurt (4,6) und Main-Spessart (4,2) ebenso hoch. "Das ist schon seit Jahren das Phänomen hier. Wir wissen das auch von anderen großen Krankenkassen", meint Toni Hauck, der Klinikmanager der Heiligenfeld Kliniken. Die Gesundheitsbranche zählt zu den größten Arbeitgebern in der Region. Die Heiligenfeld Kliniken beschäftigt beispielsweise 654 Mitarbeiter in Bad Kissingen. Das Gesundheitswesen hat mit 5,7 Pozent auch einen der höchsten Krankenstände in der Region. Nur der Maschinen-, Anlagen- und Fahrzeugbau hat mit 6,3 Prozent mehr.

Die meisten Fehltage verursachten in der Region wieder Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Demnach ist jeder vierte Ausfalltag auf Rückenschmerzen, Knie-, Hüftverletzungen oder ähnliches zurückzuführen. Auffällig ist, dass die Fehltage wegen Atemwegserkrankungen wie Erkältung oder Bronchitis mit 30 Prozent stark gestiegen ist. Verletzungen und Vergiftungen liegen auf Platz drei. Außerdem können immer mehr Menschen wegen psychischen Leiden nicht zur Arbeit gehen. Die Zahl der Fehltage wegen Depressionen und Angstzuständen nimmt in den letzten Jahren kontinuierlich zu.


Spekulationen über die Ursache

"Die Ursachen für den hohen Krankenstand zu ermitteln, das fällt uns schwer", sagt Flaig. Es könnte daran liegen, dass die Menschen in der Region sehr leistungsorientiert sind und dadurch mehr Überlastungssituationen haben, spekuliert Toni Hauck. Gerade Pfleger und andere Mitarbeiter in der Gesundheitsbranche seien hohen Belastungen ausgesetzt, so der Klinikmanager. Außerdem gebe es viele Berufspendler in Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld; das könnte womöglich die hohen Krankenzahlen verursachen. "Ich glaube nicht, dass der Rhöner an sich anfälliger ist als andere", meint Hauck.


Frauen häufiger krank als Männer

Diesmal wurde außerdem schwerpunktmäßig untersucht, wie sich die Krankheitsprofile von Frauen und Männern unterscheiden. Für die Studie wurden zusätzlich zu den Krankendaten bundesweit 5000 Beschäftigte befragt. Ein Fazit: Frauen fehlen wegen Krankheit häufiger bei der Arbeit als Männer. In Bayern lag ihr Krankenstand sechs Prozent höher. In Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld war der Unterschied mit drei Prozent nicht ganz so groß. "Damit ist der viel zitierte kleine Unterschied hier wirklich klein", sagt Wolfgang Flaig: "Die Studie zeigt aber auch, dass Männer und Frauen von ganz unterschiedlichen Krankheiten betroffen sind."

In den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld leiden die Männer mehr als doppelt so häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Frauen (plus 126 Prozent). Laut den DAK-Zahlen haben Frauen hingegen um 93 Prozent mehr Ausfalltage wegen psychischer Erkrankungen wie Depression oder Angstzuständen.

Die Umfrage hat zudem ergeben, dass Männer seltener zum Arzt gehen. 83,8 Prozent der Männer in Bayern gaben an, im letzten Jahr bei einem Arzt gewesen zu sein, bei den Frauen waren es 94,2 Prozent. Obwohl Frauen den höheren Krankenstand haben, schleppen sie sich sogar häufiger krank zur Arbeit. Fachleute sprechen in diesem Fall von "Präsentismus": 65 Prozent der Frauen in Bayern erklärten, dass sie 2015 einmal krank bei der Arbeit waren, bei den Männern 60 Prozent. Wolfgang Flaig rät davon ab krank arbeiten zu gehen. Wenn man andere ansteckt oder eine Krankheit verschleppt, schadet man sich - und dem Arbeitgeber.
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