Nüdlingen
Fasching

Nüdlinger Narren bevölkern das Rathaus

Der Bürgermeister gab sich dem Ansturm des Nüdlinger Carneval Clubs geschlagen. Nach mehrjähriger Abstinenz holten sich die Karnevalisten die Macht zurück.
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Nüdlinger Rathaussturm vom NCC.  Foto: Pierre Strecker
Nüdlinger Rathaussturm vom NCC. Foto: Pierre Strecker
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Kalt war es am Freitag um 17 Uhr, als sich die Narren und Närrinnen des Nüdlinger Carneval Clubs (NCC) aufmachten um das Rathaus zu stürmen. Doch auch die bereits winterlichen Temperaturen ließen weder die Angreifer selbst, noch die neugierigen Zuschauer daheim bleiben, ging es doch darum eine alte Tradition des Karnevals in Nüdlingen wieder aufleben zu lassen, nach mehrjähriger Abstinenz.

So war es auch eine Premiere, sowohl für Marco Nicolai als Gesellschaftspräsident des NCC als auch für Harald Hofmann als erstem Bürgermeister von Nüdlingen dieses Ereignis zu veranstalten. Von Lampenfieber oder der Schüchternheit von Anfängern war beim Rathaussturm nichts zu spüren, als sich die Narrentruppe samt Garde und Unterstützern in unnärrischem Zivil gegen die Soldaten der Gemeinde in Bewegung setzten, die sich bei näherer Betrachtung, wortwörtlich, als echte Pappkameraden erwiesen. Die würden den närrischen Truppen keinerlei Schwierigkeiten bereiten. Als sie an der Straßenkreuzung zum Saint-Marcel-Platz Stellung bezogen hatten, konnte das pointierte Streitgespräch zwischen Nicolai und Hofmann auch schon losgehen.


Bürgermeister hat keine Chance

Angenehm in Mundart gehalten, wurden die Argumente jeweils von Salutschüssen - oder womöglich doch Warnschüssen? - aus Pistolen sowie einer mit Luftschlangen gefüllten Kanone untermalt. Hin und her ging es, als Nicolai die Gemeinderegierung dazu aufforderte Macht, Gemeindeschlüssel sowie Gemeindekasse friedlich an die Narren zu übergeben. Dem entgegnete Bürgermeister Hofmann, in strahlend orangen Zwirn gehüllt, nur, die Narren würden das gute Geld "eh nur versaufen". Ein humoriges "Wir sind das Volk!" ging durch die Reihen der Angreifer, aber anders als sonst wenn dieser Tage dieses Credo vernommen wird, bleibt die Stimmung ausgesprochen gut und angenehm.

Lange konnte sich Hofmann gegen diesen friedlichen Ansturm nicht widersetzen, waren die Pappkameraden doch eine ausgesprochen unnütze Abschreckung. Ob es ein Anfall von Altersschwäche war? Schließlich waren die Soldaten noch übrig vom Bruderkrieg, an dessen 250. Jährung 2016 ganzjährig in Nüdlingen erinnert wurde. Auf jeden Fall konnten sie nicht verhindern, dass das Rathaus den Gemeindeschlüssel herausgab, und damit die Kapitulation für die Narrenzeit besiegelte.


Gemeindekasse nahzu leer

Mit den Gardemädchen in den vordersten Reihen begaben sich nun also die Karnevalisten ins Rathaus, um auch die Gemeindekasse in Empfang zu nehmen, sowie den Bürgermeister samt Gemeinderat gefangen zu nehmen. Doch in der Niederlage schlug der Bürgermeister den Narren ein letztes Schnippchen: die Gemeindekasse war nahezu leer! "Nur ,Kupferlinge' kann ich geben, der Rest ward leider schon ausgegeben", verkündete Marco Nicolai, als er die Botschaft des Bürgermeisters die in der Gemeindekasse samt ein paar Cent-Münzen hinterlegt war verlas. "Doch macht kein allzu trauriges Gesicht, närrisches Treiben ist in Sicht!"

Für solche Frechheiten war die Gefangennahme durch die Gardistinnen und das anschließende Abführen auf den Saint-Marcel-Platz eine wahrlich gerechte Strafe. Dort angekommen wurde die Botschaft noch einmal dem versammelten Volke verlesen, was der gefesselte Bürgermeister noch einmal spitzbübisch kommentierte: "Ihr habt net g'sagt dass ihr die Kass' von Nüdlingen wollt! Was interessiert uns Nüdlinger des wenn ihr die Hörder (Haarder) Kass' versäuft?". Der freundschaftliche Seitenhieb auf das Nachbardorf passte gut in die allgemein sehr gute Stimmung auf dem Dorfplatz, weswegen die Machtdemonstration der Narren schließlich friedlich aufgelöst wurde.
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