Nüdlingen
Fasching

Nüdlinger Fasching ein Allheilmittel gegen Trübsinn

Der närrischen Therapie des Nüdlinger Carneval Clubs konnte sich keiner entziehen. Die Stimmung bei der Prunksitzung war prächtig.
Artikel einbetten Artikel drucken
Auftritt der Purzelgarde bei der Prunksitzung des NCC in Nüdlingen. Foto: Pierre Strecker
Auftritt der Purzelgarde bei der Prunksitzung des NCC in Nüdlingen. Foto: Pierre Strecker
+42 Bilder
Freitag und Samstag, 20 Uhr: Während in Veitshöchheim die professionellen Narren auf Fernsehpublikum und bayerische Spitzenpolitik losgelassen wurden, gab es auch lokal närrisches Treiben, das es in sich hatte. Der Nüdlinger Carneval Club (NCC) öffnete seine Pforten und lud zum Tag der offenen Tür in die frisch eröffnete Schlossbergklinik ein. Freilich ist diese fiktiv und der Fantasie der Nüdlinger Närrinnen und Narren entsprungen.
Natürlich durften in dieser Klinik auch Pillen und Spritzen nicht fehlen, wenn auch aus Zucker, bzw. mit Glitter gefüllt, und selbst die Eintrittskarten kamen als ärztliche Rezepte verkleidet daher. Da hatte Marco Nicolai, Vorsitzender des NCC, nicht zu viel versprochen als er im Vorfeld von einer therapeutisch wichtigen und intensiven Betreuung gesprochen hatte (zu der übrigens auch durch freundlichen Service für das leibliche Wohl gesorgt wurde).
"Hier werden sie geholfen!", so lautete das Motto der Klinik, wie in der Begrüßung durch Vorstandschaft und Bürgermeister verkündet wurde, ein Statement das durch Chefarzt Arno Mont de Chateau (Arno Tatzel), Fachmann für Adipositastherapie, untermauert wurde. Und natürlich durften Seitenhiebe auf die Lokalpolitik, wie etwa die berüchtigte Umgehungsstraße für Nüdlingen bzw. deren Planung, nicht fehlen.
Hiernach gab sich die Marschtanzgarde die Ehre, die ihre Vorführung seit September einstudiert hatte. Danach ein kleiner Sketch, in dem Theresa und Anna Kleinhenz das Für und Wider abwägten, ihren Vater Roland einweisen zu lassen. Es folgte eine weitere Tanzeinlage: Die "Purzelgarde", deren langes Training sich ebenfalls sichtlich ausgezahlt hatte.
Die Kummersänger gaben als singende Ärzte einen kleinen, humorigen Abriss politischer Geschehnisse im letzten Jahr, etwa einer kleinen Ode an Landesvater Horst Seehofer, verpackt in das Lied "Ich und mein Holz" ein Ohrwurm, der womöglich noch den einen oder anderen Narr begleiten dürfte.
Die Crazy Kids, die zweitjüngste Tanzgruppe des NCC, hatte ihren Auftritt verkleidet als "Kranke Schwestern und Kranker Pfleger".
Die Wochentage hatten ihre Gruppentherapie, wo etwa der Samstag sein Alkoholproblem in den Griff kriegen wollte, und der Montag seinem Kummer als Mobbingopfer freien Lauf ließ. Dem folgte ein Vortrag des Verwaltungsdirektors Stefan Lang, der mit Biss und allerhand Zahlen und Fakten im Gepäck über Sinn und Unsinn lokalpolitischer Investitionen referierte, wie etwa den immer wieder für Aufregung sorgenden Kissinger Springbrunnen. Hier greife die Devise des Kängurus: "Je leerer der Beutel, desto größer die Sprünge - nur der Brunnen springt nicht", so Stefan Lang.
Ein berühmter Stresstherapeut, gespielt von Marco Nicolai, hielt in seiner Büttenrede einen Vortrag über Stress-ursachen, um diesen Stress daraufhin direkt bei Patienten aus dem Publikum per improvisierter Klangschalentherapie auszutreiben. Dem erfolgreichen Auftritt folgte in ihrer ersten alleine vorgetragenen Büttenrede Vivian Nicolai, die nicht nur die vierte Generation der Nicolais auf der Faschingsbühne repräsentierte, sondern auch trotz oder gerade wegen ihres jugendlichen Alters ein souveränes Highlight des allgemein gelungenen Faschingsabends darstellte. Da ist die Zukunft des NCC wohl auch weiterhin in guten Händen.


Prinz mit Faschings-Burnout

Bärbel und Wiggerl Brumm gaben ein etwas anderes Faschingsprinzenpaar: Während die Prinzessin noch voller Eifer bei der Sache war, wurde Prinz Wiggerl durch Faschings-Burnout eher zum Sprachrohr der Faschingsmuffel, die der "Doofheit auf Knopfdruck" so gar nichts abgewinnen können.
Nach dieser selbstironischen Einlage gaben die Nüdlinger Musikanten, in OP-Kittel gehüllt, ein kleines Konzert. Danach kam es zum Auftritt der Gäste, am Freitag der Kräuterelf aus Schwebheim, am Samstag des Faschingsclubs Selbsthilfe aus Ebenhausen. Diese boten in Lederhosen und Glitzerdirndln eine Mischung aus Schuhplattler und Cheerleadereinlage samt kleiner Strip-Einlage mit aufgemalten Sixpacks der Herren.
Eva Hein und Philipp Klöffel trafen sich auf dem Weg zur Therapie gegen Kaufsucht und Alkoholismus, und boten sich einen kleinen Schlagabtausch über Geschlechterklischees. Ein tänzerisches Highlight war die tänzerische Interpretation des Musicals "Sister Act" durch die Garde, die durch große Hingabe und gelungene Technik einen weiteren Höhepunkt an diesem Abend darstellte.
Die letzte Büttenrede des Abends kam von zwei charmant lästernden Putzfrauen, dargestellt von Christina Dotterweich und Gitti Klöffel. Sie hatten so manchen Seitenhieb auf die Lokalpolitiker parat, so unterstellten sie etwa Bürgermeister Hofmann seine Augenbrauen seien transplantiert: "Die Dinger sind nicht echt? Ja verreck!".
Den Schlusspunkt setzte schließlich das Männerballett, das in der fiktiven Arztserie "Schlossbergklinik" zum Thema "Herzschmerz" allerlei Tänze vorführte, die in einer Art Bewegungstherapie zu "Jede Zelle meines Körpers ist glücklich" gipfelten.
Dieses mit viel Mühe und Einsatz gestaltete Programm fand um halb ein Uhr morgens sein Ende, womit die Feier aber noch lange nicht am Ende war. Und Grund zu feiern gab es genug, hatten die Nüdlinger bewiesen, dass sich auch ein lokaler Fasching nicht vor professionellen Programmen verstecken braucht. Für die Faschingsfans dürften die Therapiesitzungen in der Schlossbergklinik ein heilsames Erlebnis gewesen sein, folgt man der Weisheit, dass Lachen die beste Medizin ist.
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren