Mit alten Marken was Gutes tun

Was viele Menschen achtlos in den Papierkorb werfen, kann noch einem guten Zweck dienen. Das wissen Dietmar Feist, Arthur Hurrlein und Willi Stapper schon lange und haben daraus ein florierendes wohltätiges Engagement gemacht.
Dietmar Feist ist einer von drei Mitstreitern des ökumenischen Briefmarkenteams in Hammelburg.   Feist versteigert die Marken im Internet, der Erlös kommt wohltätigen Zwecken zu Gute. Foto: Reeh
 
Das ökumenische Briefmarktenteam sammelt seit rund zehn Jahren Marken aller Art, aus dem In- und Ausland, bereits benutzt oder ungestempelt. Der Erlös aus dem Verkauf der Marken geht an soziale Einrichtungen in Hammelburg.
"Ich habe einen Bekannten getroffen, der seine Marken selbst vermarktet hat, anstatt sie der Abtei Münsterschwarzach für die Missionshilfe zu schicken, und diese Idee hat mich fasziniert", berichtet Dietmar Feist, wie 2002 alles anfing.
Feist ist nicht nur 2. Vorsitzender des Hammelburger Briefmarkenvereins, sondern auch Mitglied im evangelischen Kirchenvorstand. Bei der jährlichen gemeinsamen Sitzung mit dem katholischen Pfarrgemeinderat brachte er das Thema zur Sprache und fand mit Horst Russmann gleich einen Mitstreiter. Der wusste, dass es besser ist, die Marken nicht auf Flohmärkten zu verkaufen, sondern im Internet zu versteigern. "Damals war Internet noch ein Fremdwort für mich", gesteht Dietmar Feist.
Nach nur einem Jahr der gemeinsamen Arbeit ist Horst Russmann dann aber leider verstorben. Nun musste Feist sich selbst in die Welt der Auktionen per Computer einarbeiten. Zudem suchte der pensionierte Offizier zwei Helfer, die er mit Arthur Hurrlein und Willi Stapper fand. "Arthur Hurrlein ist schon früher sehr aktiv gewesen und hat seine Marken nach Münsterschwarzach geschickt. Dann hat er sich bei uns eingebracht", freut sich Dietmar Feist.
2003 erstellte das Team einen Flyer über seine Arbeit, den es in Geschäften und Arztpraxen verteilte. Auch ein Zeitungsbericht half, die Bekanntheit seines Engagements zu steigern. "Danach kamen die Briefmarken nicht nur aus dem Raum Hammelburg, sondern auch aus Bad Kissingen und zum Teil auch aus Gemünden", erinnert sich Feist.

Viele machen schon mit


Neben vielen Privatleuten schicken heute auch Firmen, Gemeindeverwaltungen und die Poststellen der Bundeswehr die Marken aus ihren Briefeingängen. Es ist auch schon vorgekommen, dass aus Nachlässen komplette Sammlungen an das Team gingen. Die haben natürlich einen besonderen Wert und werden separat veräußert.
"Heuer haben wir eine Sammlung versteigert und über 400 Euro erzielt", erzählt Feist. Nach Rücksprache mit der Spenderin durften die drei Hammelburger 300 Euro hiervon für wohltätige Zwecke in der Stadt behalten.
Regelmäßig setzen Feist, Hurrlein und Stapper sich zusammen und schütten die "Gezahnten" auf dem Tisch vor sich aus. Dann geht es ans Sortieren, wobei drei Stapel gebildet werden: Sondermarken Deutschland, Dauerserien Deutschland sowie Ausland. Einzelexemplare werden in der Regel in einen Karton gepackt und als so genannte "Kiloware" versteigert.

Fotos im Internet


Die Interessenten können sich im Internet ein Foto der betreffenden Marken anschauen, wenn sie noch auf dem Tisch ausgebreitet liegen. Im Durchschnitt wechseln diese Kilo-Kartons für rund sieben Euro den Besitzer, manchmal sind es auch fünf Euro mehr. Die Abnehmer der Hammelburger Kartons kommen aus ganz Deutschland und bei den Auslandsmarken zum Beispiel auch aus Österreich, der Schweiz, Italien und England.
"Einmal hat mich ein Sammler angerufen und bei mir bedankt, weil er schon zwei Fehldrucke in den Kartons gefunden hat. Jeder dieser Marken war 30 oder 40 Euro wert", berichtet Feist. So sind die Kartons aus Hammelburg für einige Philatelisten eine Art Wundertüte. Bisweilen entdecken sie auf den Fotos im Internet auch Marken, die einen höheren Wert haben könnten, und steigern deshalb mit.
Dietmar Feist macht sich aber keine Sorgen, dass dem Team auf diese Weise einmal ein ganz dicker Fisch durchs Netz gehen könnte. Die drei Männer kennen sich selbst recht gut mit Briefmarken aus und legen ganz besondere Exemplare beim Sortieren zur Seite. Die werden wie die kompletten Sammlungen gesondert veräußert.
Manchmal erhält das Team auch einzelne Blätter aus Alben mit einer Serie besonders schöner Briefmarken. Und manche Sammler interessieren sich nicht nur für die Marken, sondern für den ganzen unversehrten Briefumschlag beziehungsweise die Postkarte, insbesondere bei historischen Stücken. Einmal im Jahr stellt Dietmar Feist auch ein größeres Paket ins Internet. 2011 war es ein großer Spendennachlass mit Alben, Briefen und Briefmarken, der stolze 17,5 Kilo auf die Waage brachte.
Dietmar Feist hofft, im Jahr des zehnjährigen Bestehens ein Rekordergebnis zu erzielen. Deshalb appelliert er an alle, sich an der Aktion zu beteiligen. Annahmestelle sind die Büros der evangelischen und katholischen Gemeinden. "Wir kommen auf Wunsch auch zu Firmen und schneiden die Briefmarken aus den Umschlägen heraus. Der Datenschutz wird garantiert", versichert der pensionierte Offizier. Aber auch kleinere Mengen sind willkommen. Für den guten Zweck zählt jede Marke.
Seit 2002 hat das ökumenische Briefmarkenteam durch seine Arbeit insgesamt rund 3000 Euro eingenommen. Das Geld spendeten sie in Hammelburg für das Seniorenheim Bürgerspital, die Tafel, das Cafe Hoffnung sowie Pater Pavel für seine Projekte in Tansania. Das bisherige Rekordjahr war 2011. Die Versteigerung von circa 25 Kilo Marken erbrachte rund 500 Euro.

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