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Recht

Milderes Urteil gegen Tierquäler aus Kreis Bad Kissingen

Der Fall eines Tierhalters aus dem Landkreis ging in die zweite Instanz. Das Landgericht setzte das Strafmaß herab und die Haftstrafe auf Bewährung aus.
Abgemagert bis auf die Knochen und völlig verwahrlost: Schäferhündin Sophie nach dem Einschreiten des Tierschutzes.  Foto: Thomas Malz/Archiv
 
von BENEDIKT BORST
Ein Fall schwerer Tierquälerei hat im Sommer 2014 für einen Aufschrei gesorgt: Das Veterinäramt rettete sechs völlig verwahrloste Hunde sowie mehrere Kleintiere von dem Grundstück eines Tierhalters aus dem Landkreis und brachte sie ins Tierheim Wannigsmühle. Die Tiere waren ausgehungert, sie wurden unter ärmlichen Bedingungen auf engstem Raum in ihren eigenen Exkrementen gehalten. Alle befanden sich in erbärmlichem Zustand, verdreckt und ausgehungert. Der Tierhalter, ein heute 42 Jahre alter gelernter Tierpfleger, wurde deshalb vergangenes Jahr vom Amtsgericht Bad Kissingen wegen roher und quälerischer Tiermisshandlung zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Außerdem wurde ein lebenslanges Tierhalteverbot gegen ihn ausgesprochen.


Strafhöhe neu verhandelt

Der Mann gestand seine Schuld damals zwar ein, nahm die Rechtsfolgen allerdings nicht an. Deshalb wurde jetzt, mehr als eineinhalb Jahre später, der Berufungsprozess am Landgericht Schweinfurt verhandelt. "Die Berufung hat sich auf den Rechtsfolgenausspruch beschränkt", erklärt ein Sprecher des Landgerichts. Das heißt, es wurde nur über das Strafmaß verhandelt und keine Zeugen verhört.

Die Richterin milderte dabei das Urteil aus der ersten Instanz deutlich zugunsten des Verurteilten ab: Die Vorsitzende erließ eine Haftstrafe von zwölf Monaten für fünf Jahre auf Bewährung. Jeglicher Umgang mit Tieren ist dem Mann auch in Zukunft verboten.

Das geringere Strafmaß begründete die Richterin unter anderem mit einer positiven Sozialprognose. Der 42-Jährige gehe mittlerweile einer geringfügigen Beschäftigung nach und werde von einer Familienhelferin unterstützt. Die privaten Verhältnisse hätten sich deutlich verbessert. Außerdem sei seit der Tat einige Zeit vergangen, in der ihm alle Tiere weggenommen wurden. Bislang sei von ihm keine Gefahr mehr für Tiere ausgegangen.


Tierschutz kritisiert das Urteil

Ursula Boehm, Leiterin des Tierheims Wannigsmühle, kritisiert die Abmilderung des Urteils. "Ich finde das unfassbar", sagt sie ärgerlich. Sie befürchtet, dass der Mann das vom Gericht angeordnete Tierhalteverbot ignoriert, sich wieder Tiere anschafft und diese unter ärmlichsten Bedingungen hält. "Wir haben immer wieder Fälle, bei denen das Tierhalteverbot umgangen wird", berichtet Boehm. Häufig würden dann Freunde, Bekannte oder Verwandte gegenüber Behörden als Tierhalter angegeben. Boehms Skepsis scheint nicht unbegründet. Der Mann war bereits vor der Evakuierung seines Grundstücks tierschutzrechtlich vorbestraft und wurde immer wieder vom Veterinäramt kontrolliert. Der Verurteilte ist mittlerweile aus dem Landkreis verzogen.


Alle Tiere wieder vermittelt

Dr. Richard Roider, der damals mit dem Fall betraute Veterinärmediziner am Landratsamt, hat ähnliche Erfahrungen wie Boehm gemacht. "Es handelt sich oft um Wiederholungstäter", sagt er.

Ein gerettetes Chinchilla wurde nach der Rettung im Tierheim eingeschläfert. Die übrigen Tiere - sechs Hunde sowie mehrere Chinchillas und Kaninchen - hatten sich wieder erholt und wurden zügig an neue Besitzer vermittelt. Als letzte hat auch die alte und beinahe blinde Schäferhündin Sophie ein neues Herrchen gefunden. "Sie hat ein gutes Zuhause. Allerdings braucht sie bis heute noch Unterstützung aus dem Tierheim", sagt Boehm.
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