Bad Kissingen
Südlink

Leise Phase mit viel Arbeit

Im Herbst will Netzbetreiber Tennet die neue Trasse vorstellen. Politik und Bürgerinitiativen schaeun bei den "Spielregeln" ganz genau hin.
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Vor knapp einem Jahr hörte sich Ministerpräsident Horst Seehofer die Sorgen der Rhöner an, kurz danach wurde beschlossen, dass der Südlink zwar kommt, aber unter der Erde. Welche Auswirkungen das genau hat, wird sich erst im Herbst zeigen, wenn Tennet die neue Trasse festlegt. Foto: Archiv/Dünnebier
Vor knapp einem Jahr hörte sich Ministerpräsident Horst Seehofer die Sorgen der Rhöner an, kurz danach wurde beschlossen, dass der Südlink zwar kommt, aber unter der Erde. Welche Auswirkungen das genau hat, wird sich erst im Herbst zeigen, wenn Tennet die neue Trasse festlegt. Foto: Archiv/Dünnebier
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Es ist ruhig geworden um die "Monstertrasse" Südlink: "Die laute Phase ist erst einmal rum", fasst Markus Stockmann von der Bürgerinitiative (BI) "Gegenstrom" den Stand seit dem Koalitionsgipfel im Juli 2015 zusammen. Trotzdem gibt es jede Menge Arbeit hinter den Kulissen: "Wir schauen der Bundesnatzagentur und Tennet ganz genau auf die Finger", erklärte Landkreis-Jurist Thomas Schönwald am Dienstag bei einem Pressetermin zusammen mit den vier BIs aus dem Landkreis.
Neu sei dabei vor allem der Umgangston: "Vor eineinhalb Jahren wurden wir von Tennet noch belächelt mit unserer Idee der Erdverkabelung", blickt Schönwald zurück. Seit die Große Koalition jedoch den Vorrang der Erdkabel beschlossen und im Dezember in ein Gesetz gegossen hat, verhandle der Netzbetreiber auf Augenhöhe mit Landratsamt und engagierten Bürgern. "Wir haben unsere Wirkung erzielt", blickt deshalb Landrat Thomas Bold (CSU) zufrieden zurück, und: "Das ist aus meiner Sicht ein Riesen-Sieg für die Demokratie."


"Sauber und transparent"

Wichtig ist allen Beteiligten, dass die Festlegung der neuen Trasse "rechtlich sauber und transparent" ablaufe. Bis Herbst sollen mehrere mögliche Trassenkorridore abgesteckt werden. In welchem so genannten Untersuchungsraum diese liegen, sei noch völlig offen, allerdings gebe es die klare Vorgabe, dass das Erdkabel "möglichst geradlinig" verläuft. "Der Untersuchungsraum wird schmaler, man wird nicht ein Drittel der Bundesrepublik brauchen", nennt Schönwald als Unterschied zur ersten Planung einer Freileitung.
Als "Spielregeln" hat die Bundesnetzagentur ein Positionspapier zur Bundesfachplanung von Gleichstrom-Vorhaben veröffentlicht. "Wir arbeiten bei der Auslegung dieser Spielregeln mit", beschreibt Schönwald die aktuelle Aufgabe. Und Landrat Bold ergänzt: "Wir müssen im Gespräch und immer ganz nah dran bleiben."
Mehr Gewicht verschafft sich der Landkreis dabei durch den Zusammenschluss mit 20 anderen Kreisen aus sechs Bundesländern im Hamelner Kreis. Gemeinsam wurden unter anderem Fachanwälte beauftragt, die Formulierung des Gesetzes zu begleiten und das Verfahren bei der Bundesnetzagentur zu überwachen. "Das könnte ein einzelner Landkreis gar nicht leisten", betont Bold. Der Anteil des Kreises Bad Kissingen von bisher knapp 7000 Euro sei deshalb gut angelegt. "Da werden auch noch einige tausend Euro dazu kommen", sagt Bold, und: "Wir wollen schließlich die Interessen unserer Bürger wahren."


Kein "Scheinverfahren"

Auch wenn noch vieles unklar sei, gebe es schon Tendenzen: Schönwald geht etwa davon aus, dass die Leitung nicht entlang der A 7 verläuft, weil Brücken und Abfahrten zu große Hindernisse seien. Auch waldreiche Gebiete, durch die neue Schneisen geschlagen werden müssten, stellten einen hohen "Raumwiderstand" dar. Bevorzugt würden dagegen Trassen, "wo schon Bauwerke in der Erde sind und wo man die Bodenbeschaffenheit kennt". Die Gasleitung Sannerz-Rimpar wäre in einem kleinen Teilbereich im Westen des Landkreises ein solches Bauwerk, aber auch Freileitungen oder andere Bauwerke.
Genau achten will Bold darauf, dass die Öffentlichkeitsbeteiligung nicht wieder in Form der Info-Märkte stattfindet. Auch deshalb sei ja der erste Antrag von Tennet bei der Bundesnetzagentur gescheitert. Es dürfe kein "Scheinverfahren" und keine "Malstunden" geben: "Ich denke, Tennet ist klar, dass sie uns nicht wieder mit sowas anzukommen brauchen." Zudem will er auch verhindern, dass Südlink in kleinen Abschnitten genehmigt werde. Zudem seien durchaus Freileitungen als Ausnahme vom Vorrang der Erdverkabelung möglich. "Da müssen wir wachsam sein", betont Schönwald.
Den BIs und dem Verein "Rhönlink" ist wichtig, dass der Landkreis geschlossen auftritt. "Juristisch ist der Kreis zuständig, aber wir erlauben uns trotzdem freie Gedanken", betonte Reiner Morshäuser. "Für uns steht nach wie vor in Frage, ob man die Leitung überhaupt braucht", nannte Erwin Miller als Beispiel für die Arbeit der Bürgerinitiativen.

Initiativen Vier Bürgerinitiativen kämpfen im Landkreis Bad Kissingen gegen die Südlink-Trasse. Nach eigenen Angaben haben sie insgesamt rund 800 Mitglieder. Beim Treffen am Dienstag im Landratsamt vertrat Erwin Miller die Bad Brückenauer "Bürgerinitiative gegen die Stromtrasse", Markus Stockmann die BI "Gegenstrom Elfershausen", Reiner Morshäuser die BI Ortsteile Schondra gegen Südlink und Gonny Laterveer die BI Bad Bocklet.

Verein Die Bürgerinitiativen, alle 26 Kommunen und der Landkreis sind im Verein "Rhönlink" zusammengeschlossen. Vorsitzender ist der Mottener Bürgermeister Jochen Vogel (CSU), gestern vertrat ihn der Oberthulber Bürgermeister Gotthard Schlereth (FW).
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