Bad Kissingen
Religion

Kirche bedeutet Heimat

Die russisch-orthodoxe Gemeinde lud zum Tag der offenen Tür in die Russische Kirche. Früher versammelten sich hier russische Kurgäste, heute Spätaussiedler aus der Ex-Sowjetunion.
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Blick in das Innere des Gotteshauses. Fotos: Peter Rauch
Blick in das Innere des Gotteshauses. Fotos: Peter Rauch
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Bad Kissingen — Die Russische Kirche in Bad Kissingen bedeutet für mich soviel wie "meine kleine Heimat". Mit dieser Feststellung steht Tatjana Baranov nicht alleine da. Ein fester Stamm von rund 60 Russlanddeutschen aus den Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt kommt regelmäßig zu den Gottesdiensten der 1901 eingeweihten Kirche.
Der neobyzantinische Bau erhielt damals den Namen "Kirche des Sergius von Radonesch" und war bis zum ersten Weltkrieg ein gern besuchter Ort russischer Kurgäste. Heute sind es vor allem Spätaussiedler die die Gottesdienste des russisch orthodoxen Priesters Alexej Lemmer (München) besuchen.
Aber, "die Kirche ist für uns nicht nur ein Bau zum Beten, hier haben wir auch eine kleine Schule für Russisch und Religion", erläutert Kirchenleiterin Tatjana Baranov. Vor einem Jahr haben sich rund ein Dutzend Kirchenmitglieder, meist Frauen, zu einem Kirchenchor unter Leitung von Evgenij Okunew zusammengefunden.
In farbenprächtigen Gewändern ihrer alten Heimat treten die zehn Damen und zwei Männer heute auf und singen russische Kirchen- und Volkslieder - aber auch das Frankenlied beherrschen sie schon souverän und zeigen dies auch anlässlich des "Tages der offen Tür" der am Sonntag für die russische Kirche in Bad Kissingen angesetzt war.
"Auch wenn ich hier meine kleine Heimat habe und hier meine große, große Ruhe für meine Seele finde, möchten wir doch allen unsere Kirche zeigen. Ihnen zeigen wie wir singen und beten, zusammen mit ihnen singen und essen, wobei das Essen in den traditionellen orthodoxen Messen eine große Rolle spielt", sagt die Kirchenleiterin ergänzend. "Wir alle sind so weit weg von unserem Land und haben meist eine große Familie und all die Verwandten verlassen, dass wir hier nun eine neue große Familie geworden sind."
Selbst die siebenjährige Vera sagt "ich fühle mich hier in der Kirche Zuhause wie bei Oma", und ihre zehnjährige Freundin Iwana kann dem nur beipflichten.
Selbst Alexij Lemmer, der Priester der Kissinger Gemeinde, der zu jedem Gottesdienst aus München anreisen muss, erklärt seinen Gläubigen, Gästen und Nachbarn, dass man heute, am Tag der offenen Kirchentür, nicht nur das Gotteshaus, sondern auch die Kultur der Spätaussiedler zeigen möchte. So sind an diesem Tag Krypta und Kirche für alle Besucher geöffnet, danach kann man sich an original Schaschlikspießen oder auch an einer riesigen Tafel mit süßem Gebäck stärken und dem vielstimmigen Chor der Russischen Kirche zuhören.
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