Bad Kissingen
Südlink

Kaum Widerstand gegen das Erdkabel im Kreis Bad Kissingen

Im Osten und Süden scheint es der Bevölkerung vor allem wichtig zu sein, dass keine Masten kommen. Am 15. Mai beginnt das offizielle Verfahren.
Artikel einbetten Artikel drucken
Am Neubau der Öko-Landwirte Julia und Jürgen Herrle grenzt der Korridor an, das ist ihnen die Energiewende aber wert. Foto: Ralf Ruppert
Am Neubau der Öko-Landwirte Julia und Jürgen Herrle grenzt der Korridor an, das ist ihnen die Energiewende aber wert. Foto: Ralf Ruppert
+1 Bild
Als Julia und Jürgen Herrle im vergangenen Jahr mit dem Bau ihres Wohnhauses auf dem Ramsthaler Aussiedlerhof Neder begonnen haben, war "Südlink" noch weit weg: Irgendwo im Westen des Landkreises sollte die Höchstspannungsleitung von der Nordsee nach Süden verlaufen. Jetzt, kurz vor dem Einzug, verläuft der Korridor plötzlich direkt vor der Haustür: Irgendwo zwischen ihrem Haus und dem Wald Richtung Obbach muss die Leitung durch. Die Herrles sehen das aber eher gelassen: "Die Atomkraft muss weg, also brauchen wir neue Leitungen", sagt Jürgen Herrle.
Julia und Jürgen Herrle arbeiten beide für den "Naturland"-Verband und nebenbei auf dem Öko-Bauernhof von Julias Eltern mit. Vom Hof aus war früher die Dampfwolke über Grafenrheinfeld zu sehen, von der benachbarten Flur aus sieht man das Kernkraftwerk noch heute. "Ich war überglücklich, als Grafenrheinfeld abgeschaltet wurde", sagt Jürgen Herrle. Jetzt sind andere Kraftwerke am Horizont sichtbar: "Ich finde Windräder total schön, was nervt, ist nur das ständige Blinken nachts", sagt Julia Herrle dazu. Ihr Mann ist bei Naturland unter anderem Sprecher für erneuerbare Energien. Deshalb erachtet er auch Stromtrassen zu den großen Wirtschaftsstandorten im Süden für notwendig. "Die brauchen den Windstrom aus dem Norden."


Forderung nach Mindestabstand

"Ich würde nicht wollen, dass es durch meinen Garten geht", hofft Julia Herrle innerhalb des möglichen Korridors auf einen möglichst großen Abstand zu Wohnhäusern. Betroffen sein könnten aber auch Felder: "Da brauchen wir mindestens ein Jahr Vorlauf", weist Jürgen Herrle darauf hin, dass vor, während und nach der Erdverkabelung Arbeit ansteht: Fruchtfolge planen, Ausfälle einrechnen, falls Erde ausgetauscht wird, ökologisch bewirtschaftete Flächen neu zertifizieren lassen. "Eine erneute Umstellung würde zwei Jahre dauern."
Die Kosten dafür und die Grund-Dienstbarkeit müssten natürlich ausgeglichen werden. Eine jährliche Zahlung, wie sie der Bauernverband fordert, hält Jürgen Herrle dagegen für übertriebene "Geldschneiderei". Auch die Gefahr einer Erwärmung des Bodens halten beide für gering: "Da hat die allgemeine Klimaerwärmung sicherlich mehr Einfluss auf die Bewirtschaftung", befürchtet Julia.
Das sieht Landwirt Roland Bieberich aus Althausen bei Münnerstadt ganz anders: "Wir leben eh' in einer trockenen Region, da machen ein, zwei Grad viel aus", befürchtet er. Bieberich bewirtschaftet insgesamt 160 Hektar, 50 davon liegen entlang der A 70. "Jetzt haben wir die Autobahn gerade einmal zehn Jahre verdaut, jetzt kommt die nächste Baustelle", ärgert er sich. Auf Versammlungen sei bereits angekündigt worden, dass vier Gräben mit jeweils drei Leitungen gebaut würden, um noch Reserven zu haben, das Baufeld werde bis zu 50 Meter breit. Dauerhaft müsse ein Schutzstreifen von 25 Meter bleiben.


"Wir sind nach wie vor gefordert"

"Die Grundstücke sind dadurch weniger wert", fordert er eine jährliche Entschädigung. Enttäuscht ist Bieberich, dass scheinbar nur Landwirte gegen die Trasse sind: "Betroffen sind nur ein paar Bauern, die Bevölkerung nimmt das hin und sagt: Hauptsache, keine Masten."
"Durch das Erdkabel sind die Diskussionen ruhiger geworden", sagt auch der Mottener Bürgermeister Jochen Vogel (CSU), der als Vorsitzender von Rhönlink den Widerstand der Bürger-Initiativen koordiniert. Die gebe es bislang nur entlang des alten Trassen-Vorschlags im Westen: "Bis jetzt hatten wir keine Anfragen und keine Aufnahmeanträge aus dem östlichen Landkreis." Auch wenn es ein Erfolg sei, dass es keine 70 Meter hohen Masten gebe, will Vogel doch weitermachen: "Wir sind nach wie vor gefordert", gibt er als Devise aus.
Nächster wichtiger Termin ist die Antragskonferenz am 15. Mai in Bad Kissingen (siehe Info-Kasten). "Bis jetzt waren wir immer nur Gast bei Tennet, das ist der erste offizielle Termin im Verfahren", berichtet Fiete Wulff von der Bundesnetzagentur, und: "Ziel der Antragskonferenz ist, dass wir vor Ort sammeln, was in der Bundesfachplanung zu berücksichtigen ist." Nach der Konferenz werde der so genannte Untersuchungsrahmen festgelegt: "Das ist sozusagen das Hausaufgaben-Heft für Tennet."

Veranstalter Mit Antragskonferenzen leitet die Bundesnetzagentur formal die Bundesfachplanung für Südlink ein.

Termine Die erste Konferenz für den Abschnitt Gerstungen - Grafenrheinfeld findet am Dienstag, 9. Mai, in Ilmenau statt, danach folgen Bad Kissingen am Montag, 15. Mai, und Fulda am Dienstag, 23. Mai. Die öffentliche Konferenz in Bad Kissingen beginnt um 9 Uhr im Regentenbau.
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren