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Pflege

Helfen Pillen bei Ausrastern?

Viele Familienangehörige oder Pflegende sind überfordert, wenn ein Demenzkranker gewalttätig wird. Aus Scham verschweigen sie die Vorfälle.
Demente bekommen oft Psychopharmaka verabreicht. Dabei gibt es Alternativen.  Foto: Kai Remmers/dpa-tmn
 
von KATHRIN KUPKA-HAHN
Kratzen, beißen, schubsen - wer Demenzkranke pflegt, kennt das. Auch die derben Ausdrücke und die verbale Gewalt, die von ihnen ausgeht. In manchen Familien sowie in Pflegeeinrichtungen werden die Dementen gewalttätig, muss die Polizei eingreifen. Doch darüber geredet wird nicht. Schließlich ist Gewalt in der Pflege ein Tabuthema. ()
Auch Hildegard (Name von der Redaktion geändert) hat lange geschwiegen, als ihr an Demenz erkrankter Vater immer aggressiver und auch handgreiflich wurde. "In meiner Verzweiflung bin ich schließlich immer wieder zum Hausarzt gefahren und habe Druck gemacht", erzählt sie.


Psychopharmaka umstritten

Letztlich hat sie erreicht, dass der Arzt ihr Problem ernst nahm und den Vater in eine Fachklinik einweisen ließ. "Dort bekam er Medikamente. Seither ist er wieder eine Seele von Mensch", sagt Hildegard.

Doch der Einsatz von Medikamenten ist umstritten. Laut einer Untersuchung in deutschen Altenheimen der Klinischen Pharmakologin Petra Thümann nehmen 43 Prozent der demenzkranken Heimbewohner ein sogenanntes Neuroleptikum, ein Mittel gegen Wahnvorstellungen. 30 Prozent erhalten Medikamente gegen Depressionen. Dieser dauerhafte Einsatz verstoße gegen die Leitlinien, wird die Professorin im Pflegereport 2017 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zitiert. Denn der Nutzen sei nicht groß, das Ganze ziehe viele Risiken nach sich, unter anderem die Neigung zu Stürzen, Schlaganfällen und Thrombosen.Dabei gebe es durchaus Alternativen.


68 Prozent arbeiten ohne

Das zeigte sich bei einer Umfrage des WIdO, bei der 2500 Pflegekräfte befragt wurden. "Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) gaben an, dass in ihren Einrichtungen ein Pflegekonzept umgesetzt werde, bei dem das Verstehen und die Wertschätzung des Bewohners mit herausforderndem Verhalten im Mittelpunkt stehe", ist in dem Pflegereport nachzulesen. Fallbesprechungen, Biografiearbeit, Beschäftigung und Bewegungsförderung würden häufig angewandt.

Das bestätigt auch der von dieser Zeitung zum Thema "Gewalt in der Pflege" befragte Heimbetreiber. Die Patienten nicht wegzusperren, sei ebenso wichtig, davon ist er überzeugt.


900 Teilnehmer im Jahr

Um nach dieser Methode arbeiten zu können, müssen die Mitarbeiter jedoch richtig ausgebildet und im Umgang mit gewalttägigen Demenzkranken geschult werden. Die Seminare der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) beispielsweise sind laut Pressesprecher Michael Muth sehr gut besucht. "Bundesweit werden jährlich elf bis zwölf Seminare für Kliniken und rund 40 für die Altenpflege mit insgesamt rund 900 Teilnehmern angeboten", schreibt er.

Auch für Familienangehörige gibt es Beratungen, hat Hildegard mittlerweile herausgefunden. Sie hat einen speziellen Kurs besucht, der den Umgang mit Demenzkranken behandelte. "Ich weiß jetzt viel besser mit unserem Opa umzugehen", sagt sie. Auch nehme sie Änderungen im Verhalten ihres Vaters dadurch ganz anders wahr, reagiere viel besser darauf, so dass keine Extremsituationen entstehen. Als weitere Unterstützung engagierte sie einen Pflegedienst . So hat sie jetzt auch Freiraum, den sie ganz für sich und zum Kräftesammeln nutzen kann.
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