Versorgung

"Geburtshilfe soll bleiben"

Obwohl heuer weniger Kinder im "Eli" geboren wurden, will Helios an der Abteilung festhalten. Deshalb bezahlt der Träger auch die Versicherung für die Beleg-Hebammen.
Hebamme Franziska Stoewer (links) schaut bei einem der jüngsten Erdenbürger nach dem Rechten: Der kleine Ben kam im "Eli" zur Welt - wie bereits seine zweijährige Schwester Amelie. Die Eltern Tanja Kiesel-Bühner und Christian Kiesel aus Burghausen sind froh über die Geburtshilfe im Landkreis. Foto: Ralf Ruppert
 
von RALF RUPPERT
Bad Kissingen — Tanja Kiesel-Bühner und ihr Mann Christian sind sich einig: "Wir fühlen uns hier gut aufgehoben", sagt das Paar aus Burghausen über die Geburtshilfe im St. Elisabeth-Krankenhaus. Vor fast drei Jahren kam hier ihre Tochter Amelie zur Welt, am 17. Dezember folgte nun Sohn Ben. "Wenn wir nicht zufrieden gewesen wären, wären wir ja nicht wieder gekommen", sagt Christian Kiesel.
Bei Klinikgeschäftsführer Sebastian Güldner (30) geht ein solches Lob runter wie Öl. Leider kommt es aber zu selten: "Die Zahl der Geburten ist leider in diesem Jahr etwas zurück gegangen", sagt er und verweist auf den demographischen Wandel als Haupt-Ursache. 2013 waren es noch 311, heuer kamen bislang 271 Kinder im "Eli" zur Welt. Trotzdem: "Wir wollen auch in Zukunft eine Geburtshilfe anbieten", betont Güldner, der seit 1. November Geschäftsführer in Bad Kissingen ist, aber schon seit 2010 in der Helios-Gruppe arbeitet.

Steigende Versicherungsbeiträge

Gefährdet ist die Geburtshilfe aber nicht nur wegen der sinkenden Kinderzahl, sondern auch wegen der Struktur im Eli: Geburtshilfe machen dort Beleghebammen, und die haben ein Problem: Seit Jahren steigen die Beiträge für die Haftpflicht-Versicherung, von 394 Euro im Jahr 1998 auf mittlerweile über 5000 Euro jährlich. Tendenz steigend, weil immer weniger Versicherungen überhaupt Policen anbieten und die Folgen von Fehlern bei der Geburtshilfe immer höhere Schadensforderungen nach sich ziehen.

Schritt in die Selbstständigkeit

Drei von sieben Beleghebammen haben deshalb in diesem Jahr bereits die Konsequenzen gezogen: "Ich höre auf und mache mich in Hammelburg selbstständig", berichtet etwa Franziska Stoewer. Die 31-jährige Langendorferin hat zwei kleine Kinder, die 24-Stunden-Schichten im Krankenhaus seien immer schwerer zu organisieren. Ihr Abschied vom Eli ist auch ein Abschied von der Geburtshilfe: Wegen der hohen Versicherungsbeiträge beschränkt sie sich auf Vor- und Nachsorge.
Die Klinikleitung hat jetzt reagiert: "Wir übernehmen die Versicherungsbeiträge der Hebammen", verweist Güldner auf die Angebote in der Stellenausschreibung. Helios wolle auf alle Fälle die Zusammenarbeit mit Beleghebammen beibehalten. "Ich finde das schön, auch wenn es für mich zu spät kommt", würdigt Hebamme Franziska Stoewer diese Lösung.

Thema im Koalitionsvertrag

Einig sind sich Stoewer und Güldner darin, dass die Politik am Zug ist. Das sieht auch die CSU-Bundestagsabgeordneten und Staatssekretärin Dorothee Bär so, deshalb stehe die flächendeckende Versorgung mit Geburtshilfe auch im Koalitionsvertrag. "Das lag mir sehr am Herzen", sagt die dreifache Mutter. "Gerade im ländlichen Raum kommt den Hebammen, egal ob im Krankenhaus, in Geburtshäusern oder bei der Geburt in den eigenen vier Wänden eine besondere Rolle zu."
Um Mehrkosten für die Versicherung aufzufangen, sei ein so genannter Sicherstellungszuschlag der Krankenkassen beschlossen worden. "Zum anderen haben wir erst in dieser Woche im Kabinett im Rahmen des Versorgungsstärkungsgesetz einen Regressverzicht der Kranken- und Pflegekassen bei Folgeschäden durch leichte Fahrlässigkeit der Hebammen beschlossen." Damit werde das Risiko der Versicherer - und damit hoffentlich die Prämien - gesenkt. Dadurch hätten freiberufliche, und damit auch Beleg-Hebammen eine Zukunft. "Wir wollen die Wahl des Geburtsortes auch weiterhin ganz in den Händen der Eltern lassen", sagt Dorothee Bär.

Regressverzicht hat zwei Seiten

Für die flächendeckende Versorgung mit Geburtshilfe setzt sich auch die SPD-Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar ein. Die Ärztin gehört dem Gesundheitsausschusses des Bundestages an und ist stellvertretende gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Sie verweist darauf, dass Krankenkassen die Sätze für Geburtshilfeleistungen bereits deutlich erhöht haben. "Der Zuschlag gilt für Geburten ab 1. Juli 2014 für einen Übergangszeitraum bis zur Vereinbarung des Sicherstellungszuschlags zum 1. Juli 2015." Den Regressverzicht sieht Dittmar dagegen durchaus mit gemischten Gefühlen: Einerseits wäre es eine Entlastung, andererseits befürchtet Dittmar einen Abbau von Fest-Anstellungen, weil Träger mit freiberuflichen Hebammen Geld sparen würden.






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