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Region  // Bad Kissingen

Verkehr

Fehler schleichen sich ein

In einem Selbsttest hat Hanns Friedrich seine Fahrkünste von einer Fahrschule überprüfen lassen. Sein Ergebnis: Mit der Zeit läuft nicht mehr alles exakt.
Nach einer halbstündigen Fahrstunde zückt Fahrschullehrer Norbert Kienlein von der gleichnamigen Fahrschule, sein Notizbuch. Da kommen dann einige Fahrfehler zum Vorschein, die sich im Laufe der Jahre eingeschlichen haben.  Foto: Andrea Metz
 
von HANNS FRIEDRICH
"Da gilt rechts vor links, 30 Stundenkilometer, Schrittgeschwindigkeit, und dann: Auto von rechts..." Ich glaube, meine Fahrlehrer Andrea Metz und ihr Chef, Norbert Kienlein, haben innerlich oftmals die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, als ich einmal den Selbsttest für das Fahrschulangebot "Senioren-Fahrschule" unternommen hatte. 1974 habe ich den Führerschein, damals unter Wolfgang Ort, in der gleichnamigen Fahrschule gemacht und auf Anhieb bestanden. Heute? Na ja meint Andrea Metz und ihr Chef Norbert Kienlein hinter mir auf der Rückbank zückt sein Notizbuch "Da waren schon einige, teils gravierende Fehler, die sich eben in den vielen Jahren eingeschlichen haben." Bei einer Tasse Kaffee gehen wird die Fahrstunde durch und immer muss ich mich an die "Nase fassen" und sagen "Upps, das habe ich übersehen, wo sind denn auch die Verkehrsschilder hergekommen", oder: "Da sollte ich in Zukunft einiges beachten."


Fahrschule für Senioren

Genau das ist der Grund, warum die Fahrschule Kienlein in Bad Königshofen seit einigen Jahren diesen Kurs "Fahrschule für Senioren" anbietet. Leider wird sie so gut wie nicht genutzt. Der Grund dürfte sein, dass viele Autofahrer gar nicht wissen, dass so etwas möglich ist und ich muss dazu sagen, nötig ist. Polizeihauptkommissar Gerd Jahrsdörfer von der Polizeiinspektion Bad Neustadt legt auf Anfrage die aktuellen Zahlen der Verkehrsstatistik für den unterfränkischen Bereich vor und die ist erschreckend: Die Verkehrsunfalle durch Senioren ab 65 stiegen von 2841 im Jahr 2015 im vergangenen Jahr auf 3571, das ist ein Plus von 730 Unfällen. Die häufigsten Unfallursachen bei Senioren 2016 waren Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie Ein- und Anfahren vom Fahrbahnrand.
Der Polizeihauptkommissar verweist aber auf zwei "Arten" von Senioren. Zum einen gibt es diejenigen, die auch im Alter noch "rüstig" sind und kaum Schwächen im Straßenverkehr aufweisen. Die nachlassende Sehstärke und Reaktionsfähigkeit gleichen sie durch umsichtige Fahrweise und ihren großen Erfahrungsschatz aus.


Starke Einschränkungen

Andere Senioren haben aber bereits so starke Einschränkungen, dass sie für die Sicherheit und Leichtigkeit des Straßenverkehres als Gefahr zu sehen sind. Der Polizeihauptkommissar: "Das Angebote der Fahrschulen freiwillige Tests mit Senioren durchzuführen, wird aus polizeilicher Sicht als positiv bewertet." Solche Angebote können zu einer Verbesserung der Sicherheit und Leichtigkeit des Straßenverkehr führen. Allerdings liegt es in der Beurteilung des Gesetzgebers, inwieweit solche Regelungen künftig zur Pflicht werden. Dann nämlich würde es ja nicht nur ein Test sein, sondern als Folge gäbe es Sanktionen bis hin zum Führerscheinentzug.
Fast zufrieden kann man bei der Abnahme der Verkehrsunfälle "Begleitendes Fahren" sein. Lagen die 2014 noch bei 14 so waren es im vergangenen Jahr gerade mal drei. Nach wie vor steigend, wenn auch gering, sind die Verkehrsunfälle Junge Erwachsene (18 - 24 Jahre). Die pendelten sich 2015 bei 3571 Verkehrsunfällen ein, 2016 waren es 3601 Verkehrsunfälle, also gerade mal 30.


Verlängerte Reaktionszeit

Doch zurück zu den Senioren. Fahrschullehrer Norbert Kienlein spricht vor allem die verlängerte Reaktionszeit bei den Seniorinnen und Senioren an. Er ist der festen Überzeugen: 95 Prozent können nicht richtig bremsen. Als zweites nennt er die moderne Technik in den heutigen Autos. Da gibt es zum Teil keine Handbremse im üblichen Sinne mehr, sondern einen Schalter und auch im Bereich der Armaturen ist vieles, was Senioren oftmals nicht überblicken.


Schulterblick wichtig

Wichtig ist Norbert Kienlein auch der Schulterblick, vor allem beim Überholen eines Fahrzeugs. "Du hast nicht nach hinten geschaut, ob da vielleicht ein Motorradfahrer dich gerade überholen will, weil er denkt, dass du ihn beachtest," sagt mir der Fahrlehrer, als ich ein am Straßenrand stehendes Wohnmobil überhole. Ich musste ihm Recht geben, mit der Entschuldigung: Na ja den Motorradfahrer hört man ja! Trotzdem ist das ein Gefahrenpotential. Das Gleiche gilt bei einer 30 kmH Zone. Überall können plötzlich Kinder oder ältere Menschen auftauchen. Norbert Kienlein macht mir dazu eine einfache Rechnung auf: Bei 30 kmH ist der Reaktionsweg neun Meter und der Bremsweg 4,5 Meter. Das ergibt einen Anhalteweg von 13,5 Metern. Bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer hingegen ist der Fahrer noch nicht einmal auf der Bremse.
Fahrlehrerin Andrea Metz geht auf Gespräche jüngerer Beifahrer oder Ehepartner ein und sagt, dass es oft keinen Sinn hat mit dem Fahrer oder Fahrerin zu schimpfen. Viel besser sei es, ihm oder ihr zu sagen: Fahr bitte langsam, ich habe Angst um dich.
"Beobachtungsfahrten", wie wir sie vorgenommen haben, seien durchaus sinnvoll. Norbert Kienlein erwähnt einen Bekannte, der sich einmal im Jahr testen lässt. "Das ist vorbildlich und sollte Schule machen!" Das alles sei noch auf der freiwilligen Schiene aber doch sehr sinnvoll. Einer Aussage, der ich nur beipflichten kann. Die halbstündige Fahrstunde hat mir selbst gezeigt, dass man sich eigentlich sicher in seiner Fahrweise fühlt, aber dann zugeben muss: Da gibt es einiges zu verbessern.
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