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Kissinger Winterzauber

Ex-Genesis-Sänger begeisterte im Kurtheater

Eigentlich steht schon eine ganze Menge Zeug auf der Bühne des Bad Kissinger Kurtheaters: Schlagzeug, Gitarren, Beleuchtung, Pulte. Aber es fehlt noch Equipment, und es fehlt vor allem eins: die Band.
Die Violinen waren nicht nur Staffage, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des Klanges: Alicja Chrzaszcz (links) und Basia Szelagiewicz kamen auch mal näher ans Publikum, um Ray Wilson zu begleiten. Fotos: Christian Dijkstal
 
von CHRISTIAN DIJKSTAL
Die hing, nach einer Panne, in Berlin fest und kam erst mit Verspätung weg. Also heißt es für die Fans im ausverkauften Haus zunächst Warten. Warten auf Genesis Classic mit Ray Wilson und Band sowie dem Berlin Symphony Ensemble, dessen Klänge von vier Violinen die Keyboardsounds der Originalkompositionen ersetzen werden.
Doch das Warten dauert nicht allzu lange: Ray Wilson, Ex-Genesis-Sänger und Songwriter, ist bereits da. Und er überbrückt die Zeit mit einem eindrucksvollen Solo-Programm. Singt, spricht mit den Besuchern, erzählt Anekdoten, schafft eine persönliche Atmosphäre.

"Der singt nur für mich"

Das ist schon faszinierend: Ein Mann und eine Gitarre auf der Bühne, drumherum ein paar Verstärker und Lautsprechertürme; unerwartet ist alles so einfach und natürlich. Die Leute schauen wie gebannt nach vorne, lauschen, singen auch mal mit. Es ist eine gute Stimmung im Saal; gelöst, erwartungsvoll. Allein mit einem Ex-Genesis-Sänger, der hier nur für mich singt -so fühlt sich das an.
Gleich mit dem ersten Titel, den man später noch in der "großen" Version hören wird, hat Wilson alle Sympathien auf seiner Seite. Wirklich "shipwrecked", hilflos und allein, wirkt das improvisierte Vorprogramm absolut nicht. Kein Notbehelf.
"One more song?" Natürlich, gerne. "But I‘ve been informed that my band is here." Also gibt‘s nach einer halben Stunde Solo eine Pause. Die Band baut auf; alles muss sofort und ohne großes Ausprobieren funktionieren. Und das Wunderbare ist: Als der Hauptteil des Programms gegen dreiviertel neun beginnt und der Bühnennebel dichter wird, funktioniert alles. Das Licht blitzt hell auf zu trockenen Schlagzeugklängen, farbig und mit Druck setzt die Band ein, vier Violinen spielen scharfe, kurze Akzente. Es ist das Intro zu "Congo".

Provokant im besten Sinne

Die Musik wirkt sofort. Die Klänge der Conga, die Wilson hinten auf der Bühne spielt, der Sound der Band, das Licht - in kürzester Zeit ist Stimmung im Saal. Schade, dass die Sitze so eng stehen, denn die Musik drängt dazu, sich zu bewegen.
Und dieses Bedürfnis wird stärker im Lauf des Programms. Es sind nicht nur die Genesis-Titel ("Invisible touch", "Hold on my heart", "Calling all stations"), unter die sich Arrangements von Songs anderer Bands mischen, sondern es ist auch die Art, wie Sänger und Musiker agieren: unglaublich direkt, völlig eingetaucht in die Musik, hoch konzentriert und gerade deshalb in der Lage, so frei zu spielen.
Und im besten Sinne provokant. Das gilt, so auf die Bühne gebracht, dann auch noch immer für die Titel, unter denen einige Jahrzehnte alt sind. Insofern ist das Konzert auch eine Zeitreise, ein Wiedererleben eines ganz bestimmten Lebensgefühls, das hier nicht museal konserviert, sondern neu erzeugt wird. Und das in einem neubarocken Theaterambiente, in das diese Musik und die dazugehörige Show bestens passen.
Dazu kommt, dass Wilson mit exzellenten Musikern angereist ist. Um nur einige zu nennen: Darek Tarczewski an den Tasten spielt mit Leichtigkeit, einfallsreich und hoch präzise; man merkt das nicht erst, als er das Solo von Violinistin Basia Szelagiewicz begleitet. Immer hat er auch die Möglichkeit zur musikalischen Dauerkebbelei mit dem Gitarristen Steve Wilson. Ali Ferguson, Leadgitarrist, wirkt etwas dröge, aber was er auf seinem Instrument macht, begeistert einfach.

Perfekt abgemischter Sound

Und das Streichensemble ist eine echte Bereicherung. Kurz: Hier funktioniert alles wie am Schnürchen, hier sitzt dabei auch noch jede Kalberei und Anmache punktgenau und verfehlt ihre Wirkung nicht. Eine perfekte Lightshow, hoch präzise auf die Musik abgestimmt, und ein hervorragend abgemischter Sound tragen zur Atmosphäre ganz maßgeblich bei.
Da merkt man -zumal bei fehlender Pause- nicht, dass die Zeit vergeht. Und man möchte nicht, dass das Konzert, an dessen Schluss dann wirklich alles steht und sich bewegt, soweit das möglich ist, zu Ende geht. Doch es nutzt nichts: Nach einigen Zugaben gelingt es auch den ganz Eisernen nicht, die Musiker noch einmal auf die Bühne zu locken.

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