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Der Overkill an schlechtem Vorbild
"Der schnelle Kick, der inhaltsleere Klick." Vorbilder und Werte holen sich Kinder und Jugendliche aus den Medien, wenn die Erziehung keine besseren Werte bietet.
Hammelburg Wohin steuert die Jugend? Verliert sie sich in der Welt einer multimedialen Informations- und Spielegesellschaft? Bleiben so die Werte auf der Strecke? Nein, meint Torsten Stein, Direktor der Realschule Bad Brückenau und ausgebildeter Schulentwicklungsmoderator. Vor rund 90 Eltern und Lehrern bezog er in der Aula der Jakob-Kaiser-Realschule Stellung zu wesentlichen Erziehungsfragen und Herausforderungen der heutigen Zeit.
Der 37-Jährige widmete sich nicht dem Gejammere, dass früher alles besser gewesen sein soll, sondern ging der Frage nach, was vor 20 Jahren in seiner eigenen Jugend anders war als heute. Das zum Teil "Überbehütetsein" der heutigen jungen Generation und die Beschleunigung des Lebens, die rasanten Medienwelt-Veränderungen stellte er bildhaft und mit Erinnerungen an die eigene Jugend "ohne Helm und ohne Sicherheitsgurt" sowie einer Fülle von Medienbeispielen dar.
"Wenn Kinder heutzutage zwei Stunden Nachmittags- oder Abendfernsehprogramm über sich ergehen lassen, dann braucht man sich über ADHS (Hyperaktivität) bei den Schülern nicht wundern", meinte Stein zu den flimmernden Bildern der schnellen Schnitte, grellen Farben, schrillen und lauten Klängen sowie entfremdeten Gesichtern in Szenen aktueller Kindersendungen.
"In der Schule langweilen sie sich dann, wenn das Gehirn Zuhause so überflutet und überfrachtet wird", sprach er sich offen gegen Fernsehgeräte und Internetanschlüsse in Kinderzimmern aus. Denn "wertfrei wachsen Kinder nicht auf, irgendwelche Werte haben sie immer", warnte Stein vor einem "Overkill an schlechten Vorbildern" der Fernseh- und Werbewelt.
Nicht auf gleicher Stufe
Im Hinblick auf das Buch von Michael Winterhoff "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" nannte er drei Beziehungsstörungen, die sich heute negativ auf die Entwicklung der Kinder auswirken: 1. Partnerschaftlichkeit mit den Kindern (Kinder werden immer gefragt) 2. Projektion (Kind sagt, wo es lang geht). 3. Symbiose (Kind und Elternteil sind "Eins").
"Wedelt der Schwanz mit dem Hund?" Diese Aussage widmete sich den umgekehrten Machtverhältnissen zwischen Kindern und Eltern. Statt Kinder klar zu führen und sie langsam in die Freiheit zu entlassen, würden schon kleine Kinder auf partnerschaftliche Stufen oder noch höher gestellt. Die Anerkennung des Kindes werde zum zentralen Wert für die Eltern statt Werte zu vermitteln. Was sind aber Erziehungswerte? Stein nannte Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Disziplin, Toleranz, Ehrlichkeit, Fairness, Fleiß, Ordnung und Gerechtigkeit als "Leitvorstellungen, nach denen sich das Handeln richten solle".
Zu solchen Werten seien Schüler erst dann fähig, wenn die biologischen Bedürfnisse wie schlaf und ernährung gestillt seien. "Ein unausgeschlafenes Kind zu unterrichten ist sinnlos", sagte er den Eltern deutlich. Die Rolle des Schlafs werde bei Jugendlichen massiv unterschätzt.
Weiterhin forderte der Referent die Eltern auf, den Kindern die Möglichkeit zu geben, z. B. durch "Belohnungsaufschub" eine gesunde Selbstdisziplin zu trainieren und zu entwickeln. Sie müssten ihre Kinder nicht jederzeit glücklich machen, sondern an glücklichen und erfolgreichen erwachsenen Kindern interessiert sein.
Statt "Kick" und "Fun", also von außen kommende Anreize ohne eigene Leistung, sei für Jugendliche vielmehr der Erfolg der eigenen Anstrengung wichtig. Das Aufgehen in einer Tätigkeit bei totaler Konzentration erzeuge Glücksgefühle. Dieses Glücksgefühl folgt einer Anstrengung und vermittelt das Gefühl tiefer Zufriedenheit. Es ist beliebig oft wiederholbar und dauert länger als ein Kick. Die "Kicks" hinggen seien kurzzeitig und nutzten sich schnell ab. Außerdem bräuchten sie eine ständige Dosissteigerung. Langeweile folgt dann, wenn sie abflauen. Alkohol, Drogen, immer härtere Mutproben, Fernseh- und Computersucht nannte Stein als mögliche Folgen dieser Spirale.
Strukturen und Rituale
Der Alltagsablauf im Familienleben früherer Zeiten hatte klare Strukturen und Rituale. Der Arbeit folgte die Freizeit, es gab gemeinsame Essenszeiten. Heute ist oft keine Trennung mehr zwischen diesen Bereichen. Handys und Laptops sind meist auf Empfang. red















