Bad Kissingen
Entbindung

Eli in Bad Kissingen schließt vorübergehend Geburtsstation

Ab März gibt es im Landkreis Bad Kissingen vorerst keine Klinik mehr, in der Kinder entbunden werden. Das St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen (Eli) ist personell nicht weiter in der Lage, Geburtshilfe anzubieten und verhängt eine Kreißsaalpause.
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Hebamme Gabriela Kruppa wickelt mit Mutter Julia Seydlitz den zwei Tage alten Fabian.  Foto: Benedikt Borst
Hebamme Gabriela Kruppa wickelt mit Mutter Julia Seydlitz den zwei Tage alten Fabian. Foto: Benedikt Borst
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Seit mehr als 65 Jahren gibt es im Bad Kissinger Krankenhaus die Möglichkeit, Kinder auf die Welt zu bringen. Noch, denn die Geburtsstation des Helios St. Elisabeth Krankenhauses steht vor einer ungewissen Zukunft. Nach den Schließungen in Bad Brückenau und Hammelburg vor Jahren betreibt das Eli die letzten beiden Kreißsäle im Landkreis. Zuletzt kursierten Gerüchte darüber, dass die Geburtshilfe am Eli vor dem Aus steht. Gestern hat die Klinik die Initiative ergriffen und sich an die Presse gewandt. "Ich möchte, dass die Geburtshilfe erhalten bleibt", sagte Geschäftsführer Sebastian Güldner. "Aber wir haben ein akutes Problem: Uns fehlen Hebammen."

Von ehemals sieben Hebammen 2014 ist nur noch eine am Krankenhaus geblieben. Gabriela Kruppa hilft seit 26 Jahren im Eli dabei, Kinder auf die Welt zu bringen. 3000 Geburten hat sie seitdem miterlebt. Seit dem 1. Februar ist sie allein. Die Klinik zog notgedrungen die Reißleine. "Es gilt eine Kreißsaalpause ab dem 1. März. Wir haben für Februar noch eine Lösung, die Geburtshilfe weiter betreiben zu können", sagte Güldner. Die Klinik sei der Qualität der Versorgung verpflichtet. Weil die aktuell in Sachen Geburt nicht gewährleistet werden könne, sei die vorübergehende Schließung notwendig. Für Eltern, die sich jetzt schon für eine Geburt in Bad Kissingen entschieden haben, aber erst im März entbinden, kündigte er eine Lösung an. "Wir lassen niemanden im Regen stehen."

Pflicht, Geburtshilfe vorzuhalten?

Am Landratsamt sieht man die Entwicklung mit Sorge. Die Geburtshilfe sei ein Qualitätsmerkmal, das langfristig gewährleistet bleiben müsse. Der Landtagsabgeordnete Sandro Kirchner (CSU) appellierte an die Klinikbetreiber, die Geburtsstation so schnell es geht wieder zu öffnen. "Es ist ein Muss, dass die Geburtshilfe im Landkreis verfügbar ist", meinte er. Rechtlich ist Helios dazu jedoch nicht verpflichtet.

"Das ist eine traurige Tatsache. Ich sehe aber den guten Willen des Klinikbetreibers, nicht alles hinzuschmeißen", kommentierte Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Für die Stadt sei es wünschenswert, eine Geburtsstation zu haben. Er kündigte an, die weitere Entwicklung positiv zu begleiten.

Die Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar (SPD) zeigte sich erschüttert von der Nachricht. "Wenn das Angebot erst einmal weg ist, orientieren sich die Leute um", sagte die Gesundheitspolitikerin. "Ich würde es bedauern, wenn wir keine Geburtshilfe mehr im Landkreis hätten." Die Pause nannte sie einen Tod auf Raten.

Kein Termin für Wiederöffnung

Güldner bekannte sich mehrfach zu einer Geburtsstation in Bad Kissingen und betonte, dass es sich um einen vorübergehenden Zustand handelt. "Das ist keine Schließung auf Raten. Wir arbeiten an einer langfristigen Lösung, nicht an einer Abwicklung", entgegnete er. Das technische Inventar werde weiterhin vorgehalten und gewartet. Außerdem ziehe die Klinik keine personellen Konsequenzen.

Es gibt zwei wesentliche Gründe dafür, dass sich die Situation am Eli derart zugespitzt hat. Zum einen die niedrigen Geburtszahlen. Zuletzt kamen im Eli jährlich rund 300 Kinder auf die Welt. 2014 sackte die Zahl auf 271 ab. Bei der Delle spielt zum Teil der Trend zu weniger Kindern eine Rolle, aber auch die Tatsache, dass Kinderärzte Eltern ohnehin auswärts in größere Kliniken schicken.

Am Eli waren bis zuletzt freiberufliche Beleg-Hebammen beschäftigt. In den letzten Jahren ist allerdings die Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen immer teurer geworden. "Bei unter 400 Geburten ist die Freiberuflichkeit nicht sinnvoll", erklärte Güldner. Die Geburten am Eli würden für die Hebammen schwer ausreichen, um ihre Existenz zu sichern. Folge: Sie gehen weg.

Ende letzten Jahres hat die Klinikleitung in Bad Kissingen reagiert und zahlt seitdem die Versicherungsprämien. Außerdem hat man den letzten fünf Hebammen eine feste Anstellung angeboten. Vergebens. "Leider sind wir nicht zusammengekommen", bedauerte Geschäftsführer Güldner. Das Angebot auf Festanstellung bestehe aber weiterhin. Es sei das Ziel, die Geburtshilfe langfristig auf wirtschaftlich stabile Füße zu stellen. Dafür bräuchte das Eli deutlich mehr als 300 Geburten.

Bislang ist nicht absehbar, wie lange die Zwangspause dauert. Die Stellenausschreibungen blieben bislang ohne Erfolg, ebenso ist es nicht gelungen im Helios-Verbund Ersatz für die Hebammen zu bekommen. Die Klinikleitung hat sich auch an andere Häuser gewandt, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten, wie an das Leopoldina in Schweinfurt und die Kreisklinik in Bad Neustadt. "Bisher gibt es keine Möglichkeit der Unterstützung. Der Markt für Hebammen ist eng", klagte Güldner.

Sabine Dittmar kritisierte die Helios-Gruppe. Es gebe noch andere Gründe für häufige Kündigungen und dafür, dass Eltern sich für andere Kliniken entscheiden. Helios müsse "seinen Umgang mit dem Personal hinterfragen."





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